Sonntag, 31. Oktober 2010

Halloween - Die Nacht des Grauens (1978)

Haddonfield, eine Kleinstadt in Illinois, Halloween-Nacht 1963.
Der kleine Michael Myers beobachtet, wie die Teenager-Schwester mit ihrem Freund im Schlafzimmer verschwindet. Er setzt sich eine Maske auf und greift zum Kuchenmesser. Der Freund verschwindet nach (offenbar sehr) kurzem Austausch von Körperflüssigkeiten. Michael, dessen Subjektive wir mittels Kameratrick längst eingenommen haben, betritt das Zimmer seiner Schwester, die nackt vor dem Spiegel sitzt - und wenn wir eines wissen, dann dass Eitelkeit und sexuelle Freizügigkeit im Horrorfilm nie lange ungesühnt bleiben. Das Messer saust auf Michaels Schwester hinab, wieder und wieder.
Michael landet in der Psychiatrie. Im Alter von 21 gelingt ihm der Ausbruch. Es ist wieder Halloween-Nacht in Illinois. Das Laub fällt, die Kürbislaternen werden angezündet, die Babysitter machen Popcorn und andere heiße Sachen. Und Michael kommt nach Hause...

1978 schuf John Carpenter einen Low Budget-Horrorstreifen, der das Genre für immer verändern sollte, der heute noch unermüdlich kopiert, variiert und sogar parodiert wird. Er war der erfolgreichste unabhängig produzierte Spielfilm aller Zeiten (bis er vom "Blair Witch Project" abgelöst wurde), er versetzte eine ganze Generation von Kinogängern in Angst und Schrecken und tut dies immer noch mit neuen Generationen - die allerdings so viele Klone des Films gesehen haben, dass es für sie schwerer wird, die unglaublichen Stärken des Originals zu würdigen.

HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS (Halloween) stieß nicht gerade auf Zustimmung der Kritiker, zu simpel erschien ihnen die Geschichte um einen maskierten Killer, der in der Halloween-Nacht Babysitter ermordet. Simpel ist sie auch, aber deswegen nicht einfältig. Michael Myers gehört zu den ewigen Ikonen des Horror-Kinos. Wir erfahren weder Hintergründe noch Ursachen für seine Taten. Sein Psychiater (Donald Pleasence) schildert ihn als das "pure Böse", und das ist er auch. Das pure Böse geht um in dieser Halloween-Nacht. Da helfen weder Wissenschaft noch Revolverkugeln. Dieser Killer ist unaufhaltsam. Oder wie der kleine Tommy Doyle (Brian Andrews) sagt: "War das der Boogey-Man?" Die Kinder verstehen die Natur der Angst am besten und werden von Michael nicht bedroht. Sie wissen, wer oder was der 'Schwarze Mann' ist. Die sexuell aktiven Teenager und klugen Erwachsenen können sich nicht wehren, weil sie den Glauben an etwas so unerklärbar Böses verloren haben.

HALLOWEEN ist eine ebenso unaufhaltsame Terror-Maschine wie sein Killer. Grandios und mühelos elegant fotografiert von Dean Cundey mit maximaler Ausnutzung des Cinemascope-Formats, in welchem Michael Myers stets am Bildrand auftaucht, wenn man ihn am wenigsten erwartet, dazu genial begleitet von John Carpenters pulsierendem Score, der viel von Morricone und Herrmann verwendet und doch ganz eigen klingt (er gehört zu den Soundtracks mit dem größten Wiedererkennungswert), lässt HALLOWEEN nicht für eine Sekunde die Spannungsschraube locker, sondern dreht sie immer weiter.

Neben den zahlreichen "Jump"-Momenten, die Carpenter (und auch Michael Myers) mit Vorliebe inszenieren, laufen auch szenischer Suspense und eine beklemmende Atmosphäre der wachsenden Paranoia und Klaustrophobie auf Hochtouren. Wenn sich unsere Heldin Jamie Lee Curtis im Finale des Films als "Final Girl" in immer engere Räume rettet und sich mit banalsten Haushaltsgegenstädnen wie Stricknadeln und Drahtbügeln gegen Michael (erfolglos) zur Wehr setzt, ergreift auch uns die Panik, weil wir mit ihr fühlen.

HALLOWEEN ist ein grausiges Märchen über das sexuell unreife Mädchen, das den großen, bösen Wolf trifft und fast von ihm gefressen wird, würde nicht "Jäger" Donald Pleasence (ein Van Helsing der Neuzeit) mit seinem Revolver auftauchen und sie retten - wenn auch nur vorläufig, wie die unausweichliche Fortsetzung "Halloween 2" (1981) beweist.
So erklärt sich auch der weltweite Erfolg des Films. HALLOWEEN ist eine archaische Geschichte im modernen Gewand, in der sich jeder wieder findet, die unsere Urängste ans Tageslicht holt und perfekt erzählt ist. Was soll man da noch sagen?

10/10

Prototyp des Final Girls und Pin Up der Serienschlitzer: Laurie Strode (Jamie Lee Curtis)

Kommentare:

  1. Hi Mathias, ich hab diesen Superklassiker in der Halloween-Nacht auch gesehen (nach vielen Jahren wieder) und er hat kein bisschen von seiner Klasse verloren. Er ist zeitlos gut...LG Ray

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  2. Hi Ray, habe ich auch. :-) Selbst wenn man denkt, man kennt schon alles und weiß genau, was passiert, ist er einfach immer wieder gut. Lieben Gruß!

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