Samstag, 16. Oktober 2010

Grabgeflüster (2002)

In einer beschaulichen Kleinstadt in Wales sterben die betagten Einwohner wie die Fliegen. Bestatter Boris Plots (Alfred Molina), der seit Jugendtagen in Betty (Brend Blethyn), die Frau des Stadtrats, verliebt ist, hat alle Hände voll zu tun, zumal ihn zwei Konkurrenten (Christopher Walken und Lee Evans) mit extravaganten "Themen"-Bestattungen aus dem Geschäft drängen wollen.
Als Bettys Schwiegermutter an einer Portion Vollkornflakes erstickt, verliebt sich Betty in den schüchternen Boris, und da eine Scheidung für sie nicht in Frage kommt, inszenieren sie bald Bettys Ableben - welches auch schon von Meredith (Naomi Watts), der Geliebten von Bettys Ehemann, geplant wird...

Die Komödie GRABGEFLÜSTER (Plots With a View / Undertaking Betty) ist ein wunderbares Beispiel für besten britischen Humor. Die Charaktere sind skurril, aber dennoch menschlich glaubwürdig, der Witz ist oft schwarz und pietät-, aber nie geschmacklos.
Regisseur Nick Hurran inszeniert mit Liebe zum Detail und sorgt neben der hinreißenden Liebesgeschichte zwischen Molina und Blethyn für jede Menge Hintergrund-Slapstick (Senioren, deren Rollstühle durchdrehen, oder die auf der Straße tot umfallen). Den Vogel aber schießen Christopher Walken (in absurder Perücke) und Lee Evans als Billig-Bestatter ab, die sich für ihre Kunden zu Discount-Preisen außergewöhnliche Zeremonien einfallen lassen, etwa eine Vegas-Shownummer oder eine 'Star Trek'-Beerdigung, welche regelmäßig die Trauergäste zu staunendem Entsetzen veranlassen.

In den Hauptrollen bezaubern Brenda Blethyn, eine der besten britischen Filmschauspielerinnen ihrer Generation, und der immer schräge Alfred Molina als verliebter Bestatter, der gern zu Musik der 30er Jahre tanzt und alles für seine große Liebe tun würde. In einer Nebenrolle kann Naomi Watts als blonde Schlampe überzeugen, die sich um jeden Preis Blethyns widerlichen Ehemann angeln will und dafür - im wahrsten Sinne - über Leichen geht.

Die Handlung mag ihre Logikschwächen haben (wozu der unglaublich komplizierte Plan, wenn eine Scheidung doch alle Probleme lösen könnte?), aber die ausgezeichneten Darsteller und die vielen kleinen Einfälle (wie die Zwischentitel, die regelmäßig zur aktuellen Beisetzung einladen, eine Anspielung auf "Vier Hochzeiten und ein Todesfall") machen den Film zu einem herzerwärmenden Genuss.
Anders als der misslungene "Sterben für Anfänger" (2007), der allzu bemüht und mit plattem Humor Geschmacksgrenzen überschreiten möchte, besticht GRABGEFLÜSTER durch Zurückhaltung und die Zuneigung zu seinen Charakteren. Und wer von seelenlosen amerikanischen Romantic Comedies genug hat, dem sei diese liebenswerte britische Komödie ans Herz gelegt.

09/10

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