Dienstag, 26. Oktober 2010

Geschichten, die zum Wahnsinn führen (1973)

Ein weiterer Vertreter des Episodenhorrors, wieder aus der Hand von Freddie Francis ("Geschichten aus der Gruft", 1972).

GESCHICHTEN, DIE ZUM WAHNSINN FÜHREN (Tales that Witness Madness) gilt als schwacher Genrebeitrag, aber wer so genannte 'Omnibus-Filme' mag, wird auch an diesen vier makaberen Geschichten seine Freude haben.

In der Rahmenhandlung - die stark an "Asylum" (1972) erinnert - besucht ein Psychiater (Jack Hawkins, der kurz nach Beendigung des Drehs verstarb und von Charles Gray synchronisiert wurde) die Anstalt eines Fachkollegen (Donald Pleasence), der ihm eine bahnbrechende neue Behandlungsmethode und vier seiner Patienten vorstellt, deren Geschichten wir umgehend serviert bekommen.

Die erste Episode handelt von einem kleinen Jungen, der unter den ewig streitenden Eltern leidet. In seiner Fantasie schließt er Freundschaft mit einem Tiger, der immer realere Züge annimmt und schließlich die Rabeneltern zerfleischt. - Eine nette kleine Geschichte mit hohem Blutgehalt und einigen interessanten Kommentaren zu Kindern, die in lieblosen Ehen aufwachsen.

Die zweite Episode erzählt von einem Antiquitätenhändler (Peter McEnery), der mittels eines Gemäldes und eines alten Fahrrads in die Vergangenheit gesaugt wird. Weniger Horror als Kostümdrama, bietet die Story leider wenig Überraschendes und kann kommentarlos zu den Akten gelegt werden. Danach wird es deutlich besser.

Im dritten Segment wird Joan Collins von ihrem Ehemann genervt, der als Naturliebhaber einen Baumstumpf mit seltsam weiblichen Zügen mit nach Hause bringt und diesem mehr Zärtlichkeit zukommen lässt als seiner Gattin, was diese nicht so ohne weiteres hinnehmen will...
Klingt absurd und ist es auch, aber dank einer genialen Joan Collins macht die Episode großen Spaß. Während die ersten Geschichten weitgehend humorfrei bleiben, kommt hier endlich der typisch schwarze Humor durch, der die Horror-Anthologien so sehenswert macht.

In der letzten und besten Episode entdeckt Literaturagentin Kim Novak den jungen hawaiianischen Künstler Michael Petrovich, dem zu Ehren sie ein traditionelles "Luau"- ein Festessen - ausrichtet. Als Petrovich ein scheinbar sexuelles Interesse an ihrer Tochter zeigt, wird die eitle Kim eifersüchtig und versucht sie loszuwerden, doch ihr Klient hat ganz andere Pläne. Er braucht noch eine Jungfrau für die Wiedererweckung seiner toten Mutter und serviert zum "Luau" ein ganz besonderes Mahl...
Obwohl einen Tick zu lang, wird diese bittere Geschichte sehr schön entwickelt und endet in einem scheußlich-makaberen Finale mit Shakespearschen Untertönen - inzestuöser Kannibalismus ist nicht jedermanns Sache, und so lässt sich auch die FSK 18-Freigabe des ansonsten eher harmlosen Films erklären.

Kim Novak, die hier ihre mehrjährige Leinwandabstinenz unterbrach, sprang übrigens für Rita Hayworth ein, die nach mehreren Drehtagen ohne Ankündigung das Set verließ und nie wiederkam. Ihre beginnende Alzheimer-Erkrankung machte es ihr unmöglich, den Dreh fortzusetzen.
GESCHICHTEN, DIE ZUM WAHNSINN FÜHREN wurde nicht von Amicus produziert, die auf derlei Filme spezialisiert waren, sondern ist ein glasklarer Nachahmer. Für den schnellen Horror-Hunger zwischendurch ist er gut geeignet, darüber hinaus kann man ihn aber auch vernachlässigen.

05/10

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