Sonntag, 24. Oktober 2010

Geschichten aus der Gruft (1972)

GESCHICHTEN AUS DER GRUFT (Tales from the Crypt) wurde von der auf Horror-Anthologien spezialisierten, britischen Produktionsfirma Amicus hergestellt (siehe auch: "Asylum", 1972, "Totentanz der Vampire", 1970" und "From Beyond the Grave", 1973).
Die Regie übernahm hier Freddie Francis, einer der besten Kameramänner aller Zeiten, der für die konkurrierenden Hammer Films bereits Regie geführt hatte ("Draculas Rückkehr", 1968). Herausgekommen ist ein Höhepunkt des Episodenfilms.

Eine Rahmenhandlung verbindet fünf makabere Geschichten. Diverse Touristen durchstreifen geheimnisvolle Katakomben und landen in einer Gruft, die von einem Mann in Mönchskutte (Ralph Richardson) bewacht wird. Durch ihn erfahren wir das Schicksal jedes einzelnen der Reisenden:

Die erste Episode, in der eine wie immer scharfe Joan Collins ihren Gatten am Weihnachtsabend ermordet, um dann festzustellen, dass ein gemeingefährlicher Irrer aus der nahen Psychiatrie ausgebrochen ist und bereits im Kostüm des Weihnachtsmannes vor ihrem Fenster lauert, sorgt für einen furiosen Auftakt. Mit nur wenig Dialog erzeugt die Episode eine gnadenlose Spannung und sorgt für einen furchterregenden Schock, wenn die Hände des Killers plötzlich nach Collins greifen.

Die zweite, sehr kurze Episode, in der Ian Hendry ("Theater des Grauens", 1973) seine Frau für eine jüngere Geliebte verlässt und dafür zur Hölle fährt (obwohl sein Handeln nicht gerade mit dem brutalen Mord vergleichbar ist, den Joan Collins verübt, und somit kaum ein so drastisches Schicksal verdient), kann nicht ganz mit dem Vorgänger mithalten, aber bereits das nächste Segment, in welchem der arme Peter Cushing als friedvoller Menschenfreund von einem neidischen Nachbarn all seiner Lebensinhalte beraubt wird, Selbstmord begeht und als Zombie aus dem Grab zurückkehrt, ist ein schwarzhumoriges Vergnügen - ganz besonders wenn er am Ende als Valentinsgeschenk ein echtes Herz verpackt...

Das gilt auch für die vierte Episode, in der eine Statue drei Wünsche erfüllt und ein Ehepaar beim Wünschen alles so falsch macht, dass die beiden ein Schicksal erleben, welches schlimmer als der Tod ist. Die Geschichte basiert auf der klassischen Gruselstory "Die Affenpfote" (The Monkey's Paw), die auch kurz im Film benannt wird.

Die letzte Episode bietet dann Horror der grimmigen Art, wenn sich die Bewohner eines Blindenheims eine grausame Rache für die Sadismen ihres unmenschlichen Anstaltsleiters ausdenken: von einem hungrigen Bluthund wird er durch einen engen Kellergang gejagt, an dessen Wänden hunderte von Rasierklingen stecken...

GESCHICHTEN AUS DER GRUFT basiert offiziell auf den gleichnamigen EC-Comics, die auch für andere Filme, wie George Romeros "Creepshow - Die unglaublich verrückte Geisterstunde" (1982), als Vorlage dienten, und so inszeniert Freddie Francis auch mit gutem Auge für schräge Kameraperspektiven und comichafte Überzeichnung. Mit dem wahren Leben hat das alles nichts zu tun. Das Blut etwa sieht aus wie flüssige Kreide, und die zahlreichen Grausamkeiten sind scheußlich-schön anzuschauen, gehen aber nicht unter die Haut.

Eine letzte kleine Überraschung gibt es noch am Ende der Rahmenhandlung. Der aufmerksame Beobachter hat jedoch längst die kleinen Unebenheiten (wie eine Brosche, die gar nicht da sein dürfte oder einen vielsagenden Versprecher) bemerkt, die Freddie Francis eingestreut hat und weiß, worum es geht. In der Schlusseinstellung wendet sich Gruftbewacher Richardson direkt ans Publikum und fragt: "Wer ist der nächste? Sie vielleicht?"

Fazit: Beste britische Schauer-Unterhaltung mit viel schwarzem Humor, grausamer Gerechtigkeit und tollen Darstellern. Sehr empfohlen!

07/10

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