Mittwoch, 20. Oktober 2010

Dracula und seine Bräute (1960)


Nachdem die britischen Hammer-Studios mit "Dracula" (1958) einen ihrer größten Hits verzeichnen konnten, lag die Idee einer Fortsetzung natürlich auf der Hand, allerdings zögerte Christopher Lee, die Rolle des Vampirgrafen schon wieder zu übernehmen, weil er befürchtete, auf den Blutsauger festgelegt zu werden (was genau später passierte, als er die Rolle erneut spielte).
Den Obervampir nach seinem spektakulären Ende einfach wieder auferstehen zu lassen, hielt man ebenso für problematisch, aus Respekt vor der Vorlage (später war man nicht mehr so zimperlich).

Also verfasste Jimmy Sangster ein Script (welches von zwei weiteren Autoren überarbeitet wurde), in dem Dracula selbst gar nicht auftaucht, sondern sein Verwandter, Baron Meinster (David Peel), eine jüngere und blondere Variante des berühmten Vampirs, dessen blutrünstige Arbeit übernimmt. Dieser lebt - angekettet von seiner eigenen Mutter - in einem Schlossverlies, bis ihn eine junge, hübsche Durchreisende (Yvonne Monlaur) aus Mitleid befreit und damit einen tragischen Fehler begeht. Meinster verlässt das Schloss und macht sich auf die Jagd nach hübschen Damen, glücklicherweise ist ein Mädcheninternat nicht weit. Vampirjäger Van Helsing (Peter Cushing) kann den Vampir schließlich mit seinen Bräuten in einer alten Mühle stellen...

Auch ohne Christopher Lee kann DRACULA UND SEINE BRÄUTE (Brides of Dracula) absolut überzeugen und gehört zu den besten Hammer-Filmen. Regisseur Terence Fisher inszeniert auf den Punkt und mit straffem Tempo, Kamera und Ausstattung sind äußerst sorgfältig und atmosphärisch. Anstelle von James Bernard komponierte Malcolm Williamson einen ebenso grandiosen Score. Die typisch klassische Gothic-Gruselatmosphäre mit alten Schlössern, finsteren Verliesen, Wäldern und düsteren Kutschen, die durch die Nacht rasen, ist hier reichlich vorhanden und entzückt den Fan. Die Dekolletés der Bräute sind ein bisschen tiefer als zuvor, und der junge David Peel, der seinen Beruf als Schauspieler kurz darauf aufgab und Antiquitätenhändler wurde, ist ein guter Ersatz für Christopher Lee. Mit seiner flotten Haartolle und Popstar-Ausstrahlung wendet er sich auch an eine junge Generation von Kinozuschauern.

Peter Cushing hatte offensichtlich keine Bedenken, die Rolle des Vampirjägers erneut zu übernehmen, und so darf er hier noch besessener agieren als im Vorgänger "Dracula" - diesmal wird er sogar selbst vom Vampir gebissen, woraufhin er sich in bester Tradition unerschrockener Action-Helden die Bissmale mit einem glühenden Eisen ausbrennt, um dem drohenden Vampirismus zu entgehen - was für ein Kerl! Und ein toller Schauspieler obendrein.

Das Finale in der brennenden Mühle, bei dem der Vampir Meinster durch ein aus Mühlenflügeln improvisiertes Kreuz sein untotes Leben aushaucht, ist quasi eine spektakuläre Wiederholung des "Dracula"-Finales und zählt zu den besten Sequenzen in der Geschichte der Hammer-Produktion.

DRACULA UND SEINE BRÄUTE war ein großer Erfolg an den Kinokassen, doch es sollte noch fünf Jahre dauern, bis die Fortsetzung "Blut für Dracula" (1965) entstand, in der nach langer Abstinenz Christopher Lee wieder den Vampirgrafen verkörperte.
Während in den USA Alfred Hitchcocks "Psycho" (1960) das Horror-Genre für immer veränderte, setzte man bei Hammer weiterhin auf bewährte Kostüm-Klassiker, versuchte aber kurz darauf mit Psycho-Thrillern wie "Ein Toter spielt Klavier" (1961) auch den neuen Trend aufzugreifen. Diese Phase gehört zu den spannendsten der britischen Filmindustrie.

07/10

1 Kommentar:

  1. Hi Ray, nach dem Original-"Dracula" (wegen Christopher Lee) ist das auch mein Favorit, tolle Atmosphäre! LG, Mathias

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