Samstag, 16. Oktober 2010

Dracula - Nächte des Entsetzens (1970)

Am Ende von "Wie schmeckt das Blut von Dracula?" (1969) zerfällt Dracula (Christopher Lee) durch die Hand Gottes auf einem Altar zu Staub.
Nun kommt eine (sehr künstliche) Fledermaus angeflogen und spuckt Blut auf Draculas Asche, wodurch der Graf zu neuem Leben erweckt wird (und sein Zerfall aus dem Vorgänger schnell noch mal rückwärts abgespielt als Erweckungsszene benutzt werden kann).

Als daraufhin wieder Mädels mit Löchern im Hals aufgefunden werden, beschließen die Dorfbewohner, den Obervampir zur Strecke zu bringen und zünden seine Behausung an. Als sie von ihrem Ausflug zurückkommen, finden sie alle Frauen des Dorfes tot in der Kirche vor und verbarrikadieren sich fortan. Erst ein junger Mann (Christopher Matthews) betritt kurze Zeit später erneut das Schloss des Grafen, um Unterschlupf zu suchen - und erlebt das Grauen...

Christopher Lee bezeichnete DRACULA - NÄCHTE DES ENTSETZENS (Scars of Dracula) als den schlechtesten Film der Reihe, dem kann ich nicht zustimmen. Wahr ist, dass er ein Flop war, obwohl die Hammer-Studios die Produktion mit ordentlich Sex und Gewalt aufpeppten. Für seine Zeit war der Film offenbar so hart, dass er bis vor kurzem in Deutschland nur ab 18 Jahren freigegeben war, mittlerweile wurde er herabgestuft. So wird denn der junge Schlossgast von einem weiblichen Vampir zum Beischlaf verführt, die Dame daraufhin von Dracula mit einem Dolch erstochen und ein Diener mit glühendem Schwert gefoltert. Einer der Protagonisten endet an einem Fleischerhaken in der Wand als Nahrungsquelle, ein Priester wird von einer Fledermaus zerbissen, und der Anblick der weiblichen Leichen, die sich zu Beginn in der Kirche stapeln, ist nicht von schlechten Eltern. Auch die Szene, in der Draculas Diener die abgestochene Vampirleiche waidgerecht zerlegt, hat man (auch wenn sie vergleichbar zahm ausfällt) so noch nicht in einer Hammer-Produktion gesehen.

Nach dem finanziell erfolglosen Vorgänger, der sich über weite Strecken arg dahinschleppte, liegt hier endlich wieder ein Horrorfilm vor, in dem sich die gesamte Handlung um Dracula und dessen Untaten dreht. Dazu werden erfreulicherweise viele Motive aus Bram Stokers literarischer Vorlage wieder aufgegriffen (wie Draculas Abstieg an der Schlossmauer und seine Fähigkeit, sich in eine Fledermaus zu verwandeln), und die gesamte Passage, in der Christopher Matthews im Schloss eintrifft und mit Dracula einen nonchalanten, aber dennoch bedrohlichen Gastgeber vorfindet, stellt eine direkte Neuerzählung der Jonathan Harker-Story dar.
Christopher Lee spielt den Grafen erneut mit düsterer Präsenz und einem Hauch von Tragik, diesmal gesellt sich noch durch die Brutalitäten des Scripts eine animalische Wut dazu. Wenn er auf seine Vampirbraut einsticht oder den Diener quält, verwandelt sich sein aristokratisches Gesicht in eine mordlüsterne Fratze.
Und ich liebe den Trockeneis-Nebel, der um Draculas Schlosspforte herumwabert und den Szenen der Ankunft diesen schön-schaurigen, altmodischen Look verleiht. Für mich gehört der Film zu den besten Dracula-Beiträgen der Reihe.

Die Budget-Kürzungen, unter denen schon "Wie schmeckt das Blut von Dracula" litt, machen sich auch in DRACULA - NÄCHTE DES ENTSETZENS bemerkbar. Die Rechnung, das junge Publikum mit einer Drehung der Gewaltschraube anzulocken, ging nicht auf.
Um frischen Wind in die Reihe zu bringen, wurde im Nachfolger "Dracula jagt Mini-Mädchen" (1972) die Handlung gleich ins London der Gegenwart verlegt, was aber auch nicht half. Die Tage der Hammer-Studios waren bereits gezählt.

07/10

1 Kommentar:

  1. Hallo Ray, früher mochte ich den nicht so gern, aber jetzt hat er mir doch wesentlich besser gefallen als "Wie schmeckt das Blut" oder "Dracula braucht frisches Blut", insofern nichts auszusetzen. Heute ist noch "Dracula und seine Bräute" dran, der hat mir aber schon gefallen. Liebe Grüße!

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