Sonntag, 17. Oktober 2010

Dracula braucht frisches Blut (1973)

DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT (The Satanic Rites of Dracula) ist der traurige Schwanengesang der Dracula-Reihe aus den Hammer-Studios. Zwar wurde mit "Die 7 goldenen Vampire" (1974) noch ein weiterer Dracula-Stoff nachgereicht, doch ohne Christopher Lee.
Hier treten Lee und Peter Cushing noch ein letztes Mal zusammen als Dracula und dessen Erz-Widersacher Van Helsing auf, doch ihr Abgang ist leider nur als unwürdig zu bezeichnen.

Ebenso wie der erfolglose Vorgänger "Dracula jagt Mini-Mädchen" (1972) spielt DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT im modernen London. Hohe Regierungsmitglieder treffen sich unter Kapuzen zu satanischen Zeremonien. Unter ihnen befindet sich auch Dracula höchstpersönlich. Mittels gezüchteter Pestbakterien will er die komplette Menschheit vernichten, aber da hat er die Rechnung ohne seinen Gegner Van Helsing gemacht...

DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT ist ein kruder Mix aus Science Fiction und Agentenparodie, von Horror fehlt hier - abgesehen vom durchaus sehenswerten Finale - jede Spur. Der ganze Film sieht aus wie eine Folge der "Avengers", bzw. der "New Avengers", und auch der Plot ist dementsprechend skurril gestaltet. Ungewöhnliche Kameraperspektiven und Dekorationsgegenstände, die die Sicht verdecken, sind nur einige der typischen Versatzstücke. Leider wird nie klar, was von dem absurden Spektakel ernst gemeint, und was Parodie sein soll, und die Handlung ist weder spannend noch interessant und schon gar nicht zum Fürchten (das schon, aber aus anderen Gründen).

Einige der Darsteller aus "Mini-Mädchen" wiederholen hier ihre Rollen, Van Helsings Enkelin Jessica wird allerdings nicht mehr von Stephanie Beacham, sondern von Joanna Lumley (Patsy aus "Absolutely Fabulous") gespielt, deren Anwesenheit noch mehr an die "New Avengers" erinnert. Mit ihr hat Van Helsings Enkelin nicht nur ihr Aussehen, sondern auch Alter und Charakter grundlegend verändert.
Christopher Lee zeigt deutlich seinen Unwillen und taucht überhaupt erst nach der Hälfte der Laufzeit auf, Peter Cushing, der bereits reichlich müde und abgemagert wirkt, bemüht sich wie immer um eine ernsthafte Darstellung, das Material steht ihm aber stets im Weg. Die weiteren Darsteller sind nicht erwähnenswert, außer dass die meisten von ihnen grauenvolle 70er-Klamotten wie Fellwesten, grelle Hemden mit riesigen Kragen und meterlange Koteletten tragen. Nicht schön.

Um auf der Höhe der Zeit zu sein, werden nackte Brüste und blutige Details eingefügt, aber was soll man von eingekerkerten Vampiren halten, die durch eine Sprinkleranlage vernichtet werden? Beim Anblick von DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT wünscht man sich sehnsuchtsvoll Bodennebel, Kutschfahrten durch dunkle Wälder und den Obervampir mit weißgewandeter Schönheit in den Armen zurück. Das waren die klassischen Zutaten und Stärken der Hammer-Studios. Dieser Beitrag hat nichts mehr mit Bram Stoker oder der Vorstellung eines Dracula zu tun und ist in jeder Beziehung unterirdisch.

Christopher Lee trat noch ein weiteres Mal als Dracula in der französischen Parodie "Die Herren Dracula" (1976) auf, wo er sich und das Genre kräftig auf die Schippe nahm.

03/10

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