Sonntag, 3. Oktober 2010

Aura (1993)

Nach dem durchwachsenen Episodenfilm "Two Evil Eyes" (1990), den Dario Argento mit seinem Freund und Kollegen George A. Romero drehte, inszenierte er seinen ersten rein amerikanischen Film AURA (Trauma).
Die Beschränkungen in Locations und Budget, sowie die Einhaltung von US-Standards sorgten aber dafür, dass AURA sein bislang unpersönlichster, mechanischster Giallo wurde, der niemanden so recht begeistern konnte. Nach dieser enttäuschenden Erfahrung hat Argento alle weiteren Filme in Italien realisiert.

Argentos Tochter Asia spielt hier zum ersten Mal unter der Regie ihres Vaters eine unter Bulimie leidende Einwanderer-Tochter namens Aura, die aus einer psychiatrischen Anstalt flieht und von David, einem jungen Zeichner und Ex-Junkie (Christopher Rydell), aufgegriffen wird. Gleichzeitig werden Auras Eltern bei einer spiritistischen Sitzung von einem unbekannten Killer enthauptet. David versucht das Puzzle um den Mord und Auras Vergangenheit zusammenzusetzen, dabei kommt er einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur...

Auf AURA trifft der oft gebrauchte Satz zu, dass ein schwacher Argento immer noch besser ist als viele vergleichbare Filme. Zwar leidet AURA unter einigen inhaltlichen Längen und einem unattraktiven Look (kaum zu glauben bei einem Argento, Schuld daran sind die banalen Minneapolis-Locations), doch finden sich auch viele gute Ideen.
Die bittersüße Liebesgeschichte zwischen den beiden hilflosen Außenseitern Rydell und Argento, die es in dieser Form zuvor nicht im Oeuvre des Regisseurs gab, stellt dabei überraschend das stärkste Element dar. Der Thriller-Plot und besonders die Mordsequenzen fallen dagegen enttäuschend aus - was verwundert, weil ausgerechnet Effekte-Guru Tom Savini ("Dawn of the Dead", 1978) für die Spezialeffekte zuständig war. Doch sein Killer mit der Enthauptungs-Maschine (er köpft die Opfer per elektrischer Drahtschlinge) ist ein zu absurder Einfall und wird weitgehend uninspiriert umgesetzt.

Da hier amerikanisches Geld im Spiel war, musste Argento auch bei der Besetzung Zugeständnisse machen, was aber nicht unbedingt negativ ins Gewicht fällt. Die wunderbare Piper Laurie wiederholt ihre irre Mutter aus De Palmas "Carrie" (1976), wird aber weitgehend verschenkt, der hervorragende Frederic Forrest ("Apocalypse Now", 1979) ebenso. Der auf skurrile Charaktere festgelegte Brad Dourif agiert gewohnt psychopathisch.

Asia Argento fehlt klar die Erfahrung für eine so wichtige Hauptrolle, sie wirkt aber zumindest äußerlich glaubwürdig, und Christopher Rydell ("Blood and Sand", 1989) macht das beste aus seinem Part. Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass außer ihm sämtliche Charaktere schwierig bis anstrengend geraten sind und man sich als Zuschauer kaum für einen erwärmen kann - ganz besonders nicht für das seltsame Nachbarskind, das sich bei seiner Schmetterlingsjagd plötzlich im Haus des Killers wiederfindet, was in der Erzählung besser klingt als es aussieht. Dieser Strang gehört eher in die Kategorie "abstrus", ebenso wie die höchst albernen "Fakten", die über Ess-Störungen gesagt werden.

Gelungen sind dagegen Pino Donaggios eindringliche Musik sowie das unheimliche Finale, in welchem Rydell sich in einem Labyrinth aus wehenden Bettlaken verirrt, während sich der Killer nähert, gefolgt von einer wirklich schockierenden Rückblende und der Enthüllung des "Traumas". Auch die Sequenz, in der Rydell Asia Argento aus der Psychiatrie befreit (schon wieder De Palma und dessen Schatten von "Teufelskreis Alpha", 1975), ist packend inszeniert. Brad Dourifs Filmtod, der mit einer albernen "Vertigo"-Anspielung endet, ist wiederum nur als lächerlich zu bezeichnen.

Insgesamt reichen die guten Einfälle nicht, um aus diesem bizarren Mix aus italienischen Giallo-Elementen und US-Serienkiller-Thriller ein homogenes Ganzes zu machen. Für Argento-Fans gibt es genug sehenswertes, für Zuschauer, die keine Erfahrung mit Argentos Filmen haben, dürfte er ein sehr unbefriedigendes Erlebnis sein.

05/10

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