Sonntag, 12. September 2010

Teufelskreis Alpha (1978)

TEUFELSKREIS ALPHA (The Fury) gehört nach wie vor zu den weniger bekannten Horrorfilmen Brian De Palmas. Nach dem Riesenerfolg von "Carrie" (1976), der sowohl De Palma als auch Stephen King über Nacht zu Starruhm katapultierte, inszenierte der Regisseur diesen Nachzieher, der viele Elemente aus dem Vorgänger (sowie dem King-Roman "Firestarter", der später von Mark Lester verfilmt werden sollte) benutzt, diese aber mit De Palma-spezifischen Lieblingsthemen verbindet (dunkle Polit-Mächte, Observationen, Gehirnwäsche).

Der Plot kreist um die telepathisch begabte Amy Irving, die vom tot geglaubten CIA-Agenten Kirk Douglas aufgegriffen wird, um dessen ebenfalls mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestatteten Sohn (Andrew Stevens) zu finden, der von Douglas' ehemaligem Chef (John Cassavetes) in einem abgelegenen Institut zur Erforschung von Telepathie und ähnlichen Phänomenen festgehalten wird. Aufgrund einiger Gehirnwäschen aber ist aus dem netten Jungen eine menschliche Bestie geworden, die ihre Fähigkeiten nur noch zur Zerstörung einsetzen kann, was zu einer Tragödie führt...

TEUFELSKREIS ALPHA ist zwar nicht besonders geradlinig erzählt, dennoch hat De Palma einen auf der visuellen und akustischen Ebene sensationellen Horror-Thriller mit grandioser Besetzung abgeliefert, der von einem großen Höhepunkt zum nächsten steuert. Die einzelnen Set-Pieces (Amy Irvings Flucht aus dem Institut, das tödliche Karussell) sind schlicht atemberaubend inszeniert. Wie üblich benutzt De Palma alle Tricks, die ihm zur Verfügung stehen, von Split Screen bis Slow-Motion, springt in den Erzähl- und Zeitebenen hin und her und lässt alle Fäden in einem explosiven Finale zusammenlaufen. Der Schluss inspirierte offensichtlich David Cronenberg zu seinem Sci-Fi-Thriller "Scanners" (1981)

Unterstützt wird das Spektakel von einem kraftvollen John Williams-Score, der so gar nichts mit dessen zuckersüßer Spielberg-Musik gemein hat. Ebenso wie in "Carrie" hat De Palma ein fantastisches Ensemble zusammengestellt, darunter Leinwandgrößen wie Douglas (mit dem er 1980 die Satire "Home Movies" realisierte), Autorenfilmer Cassavetes und hervorragende Charakterdarsteller wie Charles Durning, Fiona Lewis und De Palma-Spezi William Finley ("Sisters", 1973, und "Phantom im Paradies", 1974) als gestörtem Medium. In einer Nebenrolle ist Dennis Franz ("Dressed to Kill", "Blow Out") als sympathischer Cop zu sehen, dessen brandneuer Wagen von Douglas ins Hafenbecken befördert wird.

TEUFELSKREIS ALPHA leidet darunter, dass trotz des Staraufgebotes keine echte Identifikationsfigur für den Zuschauer vorhanden ist, aber er ist extrem spannend, SEHR blutig, steckt voll bösem Humor und intelligenter Einfälle. Seine Ablehnung der amerikanischen Geheimdienste und politischen Strippenzieher zeichnen ihn als klaren Beitrag des 70er-Kinos aus . Ein Leckerbissen für Filmfans. Sehr zu empfehlen!

9,5/10

John Cassavetes kurz vor seinem verdienten Ende als Bösewicht

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