Samstag, 4. September 2010

Schwarze Geschichten (1962)

Dieser vierte Film aus der Reihe der Poe-Verfilmungen von Roger Corman fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil er keine Spielfilmhandlung erzählt, sondern eine Anthologie aus verschiedenen Geschichten des Autors bietet. Neben dem obligatorischen Vincent Price, der in allen drei Episoden die Hauptrolle spielt, konnte Corman die Leinwandgrößen Basil Rathbone und Peter Lorre für SCHWARZE GESCHICHTEN (Tales of Terror, auch bekannt als "Der grauenvolle Mr. X") gewinnen.

Der Film beginnt mit "Morella", einer Mischung aus "House of Usher"(1960) und dem späteren "Grab des Grauens" (1964). Auf einem typisch abgelegenen Haus an der Küste lebt zurückgezogen und dem Alkohol zugesprochen Witwer Price, die Leiche seiner geliebten Frau Morella hat er praktischerweise aus dem Grab gestohlen und im Schlafzimmer aufgebahrt, weil er sich nicht von ihr trennen kann. Als beider Tochter (Maggie Pierce) nach vielen Jahren nach Hause zurückkehrt, ist sie entsetzt über die makabere Szenerie. Als des Nachts auch noch der Geist der verstorbenen Mutter in sie fährt und Morellas Leiche lebendig wird, sind auch Vincents Tage gezählt...
Die Episode ist leider arg dialoglastig geraten und bietet neben den bekannten Versatzstücken nichts Neues. Vincent Price agiert souverän, die mit Spinnweben überzogenen Studio-Sets sind gewohnt atmosphärisch, das Feuer, das am Ende wie so oft das Gemäuer zerstört, kann leider so gar nicht überzeugen. Das Finale ist lediglich ein Aufguss der "Usher"-Verfilmung.

Nach diesem eher ernüchternden Beginn wird es aber gleich besser. In der Episode "The Black Cat" verbindet Drehbuchautor Richard Matheson Motive aus der gleichnamigen Vorlage mit Poes Erzählung "Das Fass Amontillado" zu einem vergnüglichen Horror-Cocktail.
Peter Lorre spielt den stets betrunkenen und arbeitslosen Herumtreiber Montresor, der einem bekannten Weinkenner (Vincent Price) bei einer Weinprobe seine Kenntnis der edlen Tropfen unter Beweis stellt. Als Price aber eine Affäre mit Lorres hübscher Gattin (Joyce Jameson) anfängt, schmiedet er einen teuflischen Plan, beide um die Ecke zu bringen. Allerdings hat er nicht mit der verhassten Hauskatze gerechnet, die ihm einen makaberen Strich durch die Rechnung macht...
Die Episode lebt in erster Linie vom vergnüglichen Spiel der Kontrahenten. Price zeigt besonderen Spaß an der Darstellung des affektierten Weinexperten, die ihm viel Gelegenheit zum Grimassieren bietet. Um den Zuschauer daran zu erinnern, dass es sich um einen Horrorfilm handelt, baut Corman eine seiner Traumsequenzen ein, in denen Price und Jameson sich kichernd Lorres abgetrennten Kopf zuwerfen. Mit Poe hat so etwas natürlich gar nichts zu tun, trotzdem macht diese Geschichte großen Spaß und kehrt am Ende werkgetreu zu den Zeilen des Autors zurück.

"The Case of Mr. Valdemar" erzählt vom todkranken - richtig, Mr. Valdemar (Price mit Alters-Makeup), der nur noch vom Hypnotiseur Carmichael (Basil Rathbone) am Leben gehalten wird. Selbst nach seinem Tod wird Valdemars Geist noch von Carmichael kontrolliert. Valdemars Ehefrau (Debra Paget) will, dass ihr Mann endlich Ruhe findet, aber Carmichael will etwas ganz anderes - nämlich die schöne Witwe ehelichen. Als sich aber der Verstorbene aus seinem Bett erhebt, muss auch Carmichael dem Tod ins Auge sehen - im wahrsten Sinne des Wortes.
Diese letzte Episode ist von vorne bis hinten hervorragend gespielt und inszeniert. Rathbone gibt einen faszinierenden Bösewicht, Price überzeugt als gebrechlicher Senior, und sogar in den Nebenrollen können David Frankham als junger Arzt und die hinreißende Debra Paget (Partnerin von Vincent Price in Cormans "Folterkammer des Hexenjägers", 1963) überzeugen.

Insgesamt bietet SCHWARZE GESCHICHTEN gepflegte und solide Gruselstimmung, ohne allerdings die kreativen Höhen von Cormans besten Werken zu erreichen. Auch seine Angewohnheit, Szenen mit gezoomten Standfotos zu beginnen und zu beenden, wirkt leicht befremdlich und hoffnungslos altmodisch. Die Zeichnungen, welche die Geschichten jeweils einleiten, sind dagegen fantastisch und erinnern an die Ahnengalerie des Grauens aus "House of Uhser".

07/10

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