Mittwoch, 1. September 2010

Kino-Liste: Die 10 besten Remakes aller Zeiten

Es muss nicht immer "Psycho" sein. Die hier aufgeführten Filme sind nicht unbedingt besser als ihre Vorbilder. In den besten Fällen aber können sie das Original bereichern oder sind gelungene Interpretationen für eine neue Zielgruppe oder transportieren die Vorlage erfolgreich in ein neues Jahrzehnt. Bei einigen Vertretern kann man sich freilich streiten, ob es sich um Remakes handelt oder schlicht um Neuverfilmungen literarischer Vorlagen. Hier sind sie, die besten Remakes aller Zeiten:

1. DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982)
John Carpenter erweist seinem Idol Hawks Respekt und hält sich enger an die zugrunde liegende Kurzgeschichte "Who Goes There?". Herausgekommen ist ein fantastischer, klaustrophobischer Paranoia-Horror im ewigen Eis mit dem besten Chill-Out-Finale der Filmgeschichte.





2. DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE (1956)
Wie üblich zeigt der Meister, wie es geht. Alfred Hitchcock peppt seine eigene britische Agenten- und Entführungsgeschichte aus den 30ern mit wundervollen Locations, Bernard Herrmann und Doris Days "Que Sera, Sera" auf. Peter Lorre fehlt, aber der Rest ist großartig.





3. DIE FLIEGE (1985)
Am Original gab es außer ein paar biologischen Ungereimtheiten nichts auszusetzen, doch Cronenberg teleportiert den tragischen Fall von Forschungsdrang erfolgreich in ein neues Jahrzehnt und reichert ihn mit scheußlich-schönen State of the Art-Effekten, einer ernsthaften Liebesgeschichte und jeder Menge Body Horror an. Dein Feind, der Körper.




4. VICTOR/VICTORIA (1982)
Der unterschätzte Ufa-Klassiker "Viktor und Viktoria" erhält neuen Glanz durch einen genialen Henry Mancini und bietet neben allem Slapstick auch geistreiche Betrachtungen über sexuelle Identitäten und Vorurteile. Blake Edwards' bester Film.






5. INFAM (1961)

William Wyler inszenierte selbst die Neuauflage seiner Lillian Hellman-Verfilmung von 1936 um ein böses Kind, das zwei Lehrerinnen in Verruf bringt - seinerzeit wegen angeblichen Fremdgehens, jetzt der Vorlage entsprechend wegen vermeintlich lesbischer Liebe. Warum nur behauptet Shirley MacLaine immer noch, sie habe nicht gewusst, worum es geht?




6. SCARFACE (1983)
Brian De Palmas Drogenbaron-Opus in Miami ist im strengen Sinne kein Remake, sondern ein thematisches Update des Gangsterdramas von Howard Hawks aus dem Jahr 1932, mit einem entfesselten Al Pacino, einer blutigen Kettensäge und Bergen von Kokain. The World is Yours!





7. NO WAY OUT (1987)
Roger Donaldsons 80er-Version des Noir-Thrillers "The Big Clock" kann zwar nicht mit Charles Laughton aufwarten, bietet aber prickelnde Erotik zwischen Sean Young und Kevin Costner und eine einfallsreich in die Neuzeit verlegte Handlung auf Hochspannung.





8. EISKALTE ENGEL (1999)
Sarah Michelle Gellar und Ryan Phillippe spielen böse Spielchen mit Reese Witherspoon in dieser humorvollen und scharfzüngigen Teenager-Variante von Stephen Frears' Meisterwerk "Gefährliche Liebschaften" (die selbst eine Art Remake der französischen Verfilmung von Choderlos de Laclos' Briefroman war) . Kein Vergleich mit Malkovich, Close und Pfeiffer, aber auf seine rotzige Art sehenswert.




9. DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (1978)
Die zweite Variante von Don Siegels "Body Snatchers" verlegt die Kommunisten-Paranoia des Vorbilds gekonnt in die anonyme Großstadthölle der 70er und stellt die Zeitlosigkeit und Qualität der Vorlage nachdrücklich unter Beweis, ebenso wie die dritte Variante "Body Snatchers" (1993) von Abel Ferrara. Oliver Hirschbiegel zeigte 2007, wie man es nicht machen sollte.




10. DER BLOB (1988)
Das Steve McQueen-Vorbild von 1958 ist ein Trash-Klassiker, und das mit unglaublichen Spezialeffekten aufgebrezelte Remake von Chuck Russell versucht nicht, mehr zu sein. Sympathisches und herrlich unterhaltsames Popcorn-Kino, das dem Original nicht weh tut und sich seiner B-Film-Qualität stets bewusst ist.




Filme, die es nicht unter die Top 10 geschafft haben, sind Adrian Lynes "Untreu" (kann Chabrol nicht das Wasser reichen, bietet aber viel Zwischentöne und ein ungewohnt offenes Ende), Scorseses "Kap der Angst" (welches das Original nicht verbessert, aber für sich gut funktioniert), die Kurosawa-Neuverfilmung "Die glorreichen Sieben", "Die oberen Zehntausend" (wegen Grace Kelly und der Songs) sowie Lewis Milestones "Meuterei auf der Bounty".

Kommentare:

  1. Auch ich hätte dem "Ding aus einer anderen Welt" den 1. Platz in Sachen Remakes gegeben. So ganz spontan würden mir noch - vor allem an Ostern und Weihnachten - meine geliebten Bibelschinken wie "Ben Hur" oder "Die 10 Gebote" einfallen. Sehr gute Remakes waren auch "Extrablatt" von Billy Wilder, den ich trotz klasse Original von Hawks noch einen kleinen Hauch finde. Oder Friedkins "Atemlos vor Angst", der trotz besserem Original sträflich unterbewertet wird und den es nicht mal als DVD in deutscher Sprache gibt. Ach ja...King Kong von Peter Jackson find ich auch nicht sooooo übel...

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  2. Hi Ray, oh ja, "Atemlos vor Angst" müsste unbedingt noch rein, "Extrablatt" finde ich persönlich schwächer, bei den Bibelschinken habe ich die Originale leider nicht gesehen, die Monumentalfilme waren nie so mein Genre. Und Du weißt ja, Charlton Heston... ächz
    Liebe Grüße!

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