Samstag, 11. September 2010

Indiskret (1958)

Nach Ingrid Bergmans grandioser Rückkehr nach Hollywood (sie verließ 1949 Ehemann, Tochter Pia und Amerika, um mit Roberto Rossellini in Italien zu leben und zu arbeiten, was Hollywoods Moralhüter mit einem Sakrileg gleichsetzten) und dem Oscar für "Anastasia" (1956) konnte sich die Schauspielerin ihre Rollen wieder aussuchen und wählte als Nachfolger die leichte Komödie INDISKRET (Indescreet), nach der erfolgreichen Boulevard-Komödie "Kind Sir", in der Charles Boyer (früherer Bergman-Partner im "Haus der Lady Alquist", 1944) und Mary Martin die Rollen spielten, die in der Filmversion von Bergman und Co-Star Cary Grant übernommen wurden.

Die erfolgreiche Schauspielerin Anna Kalman (Bergman) kommt nach London, wo sie sich in den internationalen Finanzexperten ("Ich bin verrückt nach harter Währung!") Philip Adams (Grant) verliebt. Der ist jedoch verheiratet, was die Affäre aber nicht verhindert. Dann findet Anna heraus, dass Philip die angebliche Ehe nur erfunden hat, um sich nicht binden zu müssen. Jetzt sinnt die einfallsreiche Lady auf Rache, ungeahnt der Tatsache, dass Philip sich längst entschlossen hat, die Lüge aufzudecken und Anna zu ehelichen...

Grant und Bergman standen bereits zuvor unter der Regie Alfred Hitchcocks in dessen Meisterwerk "Berüchtigt" (1946) vor der Kamera, und ihre perfekte Chemie ist ungebrochen. Den beiden zuzusehen, ersetzt komplette Filmplots, was sehr hilfreich ist, denn INDISKRET besitzt auch keinen nennenswerten.
Die Hälfte der Filmzeit beschreibt allein das Kennenlernen und die Entwicklung der Romanze zwischen beiden, und so handlungsarm diese Passagen auch sind, so wundervoll sind sie anzuschauen. Die hinreißend schöne Ingrid Bergman darf berückende Abendkleider von Christian Dior tragen und unentwegt sarkastische Kommentare abgeben, während Grant den formvollendeten Kavalier mit Hang zu kleinen Bösartigkeiten bereits so perfektioniert hat, dass er für alle Zeiten die Idealbesetzung in dieser Art Rolle ist. Seine Sternstunde erfolgt auf einer noblen Abendgesellschaft, wenn er einen skurrilen Gesellschaftstanz vorführen muss, von dem er keine Ahnung hat, während eine amüsierte Bergman in goldener Robe zusieht und feststellt, dass sie sich in ihn verliebt hat.

Die Londoner Locations werden von Regisseur Stanley Donen farbenprächtig in Szene gesetzt, die Dialoge sind amüsant und geistreich, die Liebesgeschichte entwickelt sich unter reifen, erwachsenen Charakteren, die sich zwar zuweilen wie Kinder aufführen, um der Komödie Rechnung zu tragen, insgesamt aber genügend Tiefe und Ernsthaftigkeit besitzen, damit diese Beziehung im Rahmen des Hollywood-Glamours glaubwürdig bleibt.
Es hilft natürlich, dass man über Bergmans "Skandal" und Grants zahlreiche gescheiterten Ehe-Versuche (kein Kommentar!) Bescheid weiß. Dieses Wissen bereichert den Film noch um eine weitere, sehrdelikate Dimension.

INDISKRET versucht nicht, eine Botschaft oder Moral loszuwerden, sondern will lediglich angenehm, charmant und niveauvoll unterhalten, das macht ihn so sympathisch. Wenn man sich anschaut, wie heutige "Romantic Comedies" verzweifelt versuchen, Lacher durch schlüpfrigen Slapstick zu erzeugen und mit ausdrucks- und persönlichkeitsarmen Darstellern besetzt werden, die zufällig gerade "in" sind, kann man einen so entspannten, sicheren und augenzwinkernden Klassiker wie INDISKRET nur noch mehr genießen, der dank seiner bestens aufgelegten Stars für immer unsterblich sein wird.

08/10

Kommentare:

  1. Ach, ich liebe diesen Film! Bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend besetzt und auch bei der x-ten Wiederholung immer noch sehenswert!

    Und wer sich nicht in Bergman und Grant verliebt, der verliebt sich garantiert in London, das hier wirklich wundervoll fotografiert wurde.

    LG, Pia

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  2. Dem ist nichts hinzuzufügen. :-) Liebe Grüße!

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