Samstag, 4. September 2010

Die Nacht der Creeps (1986)

"Mädchen, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Euch. Die Gute: Eure Dates sind hier. Die Schlechte: Sie sind tot."

Solche und ähnliche Dialoge spricht Hardboiled-Cop Tom Atkins in Fred Dekkers Regiedebüt DIE NACHT DER CREEPS (Night of the Creeps), der zu den unterhaltsamsten Horrorfilmen der 80er zählt.

Der Film beginnt mit einer skurrilen Weltraum-Sequenz, in der ein putziges Alien eine Versuchsanordnung aus einem Raumschiff katapultiert, die dann auf der Erde landet, wo wir uns gerade in den 50ern befinden. "Smoke gets in your eyes" läuft unter den Schwarzweißbildern, und ein romantisches Mondschein-Date im Cabrio wird durch a) einen aus der Irrenanstalt entsprungenen Axtmörder und b) besagtes Alien-Experiment, das überraschend im Wald gefunden wird, zunichte gemacht.

27 Jahre später, die Welt ist inzwischen farbig, und die 80er mit Schulterpolstern und toupierten Ponys sind in vollem Gange. Zwei College-Neuankömmlinge (Jason Lively und Steve Marshall) müssen zwecks Aufnahme in eine elitäre Studentenverbindung eine Mutprobe absolvieren und dazu eine tiefgefrorene Leiche aus der Pathologie stehlen. Bei dieser handelt es sich leider um den unglücklichen Verehrer aus den 50ern, der in Kontakt mit dem Alien-Experiment kam, und in dessen Körper sich kleine, schleimige Wesen befinden, welche durch den missglückten Studenten-Ulk nun auf den Campus losgelassen werden. Sie nisten sich gerne in den Körpern von Studenten ein und verwandeln diese in blutdürstige Zombies.

Auftritt Tom Atkins als knallharter Cop, der jedes Telefonat mit "Thrill Me!" beginnt und noch gute Erinnerungen an den Axtmord aus den 50ern hat, wurde doch seine Liebste vom irren Axtmörder dahingerafft. Nun muss er mit unseren beiden Studenten schnell einen Plan schmieden, wie man die rasante Vermehrung der Alien-Creeps verhindern kann...

Klingt verzwickt, ist aber ganz einfach. Fred Dekkers liebevolle Hommage steckt - ähnlich wie die Filme Joe Dantes - voller Hommagen und Insider-Jokes. So tragen sämtliche Charaktere die Namen von Horror-Regisseuren wie Hooper, Carpenter und Raimi. Filmische Anspielungen gibt es auf mehrere Sci-Fi-Klassiker, Camerons "Aliens", Cronenbergs "Shivers" (die Creeps weisen eine starke Ähnlichkeit mit den Kreaturen Cronenbergs auf) und unzählige Slasher-Movies. DIE NACHT DER CREEPS gelingt es dabei, sowohl als Horrorfilm als auch Komödie zu funktionieren. Die Spezialeffekte sind liebevoll handgemacht, die Tricks um die schleimigen Creeps, die ständig über den Fußboden huschen und sich in warmen Körpern einnisten, regen ebenso die Gänsehaut wie die Lachmuskeln an.

Dazu porträtiert Dekker in seinem Debüt ungewöhnlich sympathische Protagonisten. Insbesondere die leicht homoerotisch angehauchte Beziehung unserer Helden ist emotional stimmig und authentisch. Wenn Steve Marshall als gehbehinderter bester Freund des Hauptdarstellers von den Creeps infiziert wird (gemeinerweise, während er auf der Schultoilette sitzt und schmutzige Sprüche an die Wände kritzelt) und eine tieftraurige Abschiedsnachricht an seinen Freund auf einem Tape hinterlässt, bevor er sich das Leben nimmt, erreicht der Film eine ehrliche Emotionalität, die man nicht häufig im Genre findet.

Von den deutsche Fassungen des Films sollte man lieber Abstand halten, die sind grausig um jeden Effekt entschärft worden, und das so holprig, dass man jeden Schnitt sieht. In den USA ist kürzlich eine ausgezeichnete DVD/Blu-Ray erschienen, in der die vollständige Fassung, ein ausführliches Making Of und ein alternatives Ende vorliegen. Nachtrag: die gibt es jetzt auch bei uns (seit Anfang Juni 2013)!

Das Lexikon des internationalen Films schrieb seinerzeit: „Der auf scheußliche und ekelerregende Effekte setzende Horrorfilm beutet die Urängste vor Krankheit und Tod schamlos aus und trägt erschreckende nekrophile Züge.“

Jawoll! Man hat nur vergessen zu erwähnen, wie gut man sich dabei amüsiert, und dass der Film sich die meiste Zeit nicht ernst nimmt. Sehr empfohlen!

08/10

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