Sonntag, 12. September 2010

Das Relikt (1997)

DAS RELIKT - MUSEUM DER ANGST (The Relic) war im Jahr 1997 der Überraschungshit in den Kinos. Die Verbindung aus angenehm altmodischem Monster-Movie und modernster Effekt-Technik hat die Zuschauer angesprochen und sorgte für frischen Wind im stagnierenden Horror-Genre der 90er.
Aus heutiger Sicht darf man feststellen, dass DAS RELIKT nach wie vor ein extrem unterhaltsames Spektakel ist, die Schwächen sind aber unübersehbar und halten sich mit den positiven Aspekten ungefähr die Waage.

Nach (viel zu langer) Exposition irgendwo im Dschungel und in irgendwelchen Häfen springt die Handlung ins Naturkundemuseum Chicagos, in dessen unterirdischen Tunneln sich ein reptilienartiges Monster herumtreibt, das unschuldige Besucher und Angestellte enthauptet und deren Gehirn verschlingt, weil es zum Überleben den menschlichen Hypothalamus benötigt (lecker!). Der knallharte Cop Tom Sizemore und die zähe Evolutionsbiologin Penelope Ann Miller versuchen das Monster zu bekämpfen, das eine feierliche Eröffnung in ein Blutbad verwandelt und Jagd auf eine Gruppe eingeschlossener Partygäste macht...

Regisseur und Kameramann Peter Hyams hat in mehreren Genres gearbeitet und nie einen herausragenden Film inszeniert, dafür aber viel gutes Popcorn-Kino. DAS RELIKT gehört zu seinen besten Werken. Dass der brachiale Score, die Ausstattung und mehrere Drehbuch-Ideen an James Camerons Hit "Aliens" (1986) erinnern, kommt nicht von ungefähr, denn Produzentin Gale Anne Hurd war für beide Produktionen verantwortlich (von denen "Aliens" dann doch der weitaus bessere Film ist).

Ein Großteil des Erfolgs ist den Darstellern zu verdanken, die sich mit Lust und Freude in ihre teils schrägen Rollen werfen. Penelope Ann Miller ist eine B-Filmheldin, wie sie im Buche steht - sexy, intelligent und durchaus in der Lage, sich selbst zu helfen, während der übergewichtige, mürrische und abergläubische Cop Sizemore (der sich unentwegt mit seiner Ex-Frau um das Sorgerecht für seinen Hund streitet) ständig bemüht ist, nicht unter Leitern durchzugehen und kein Salz zu verstreuen. In Nebenrollen glänzen die wundervolle Linda Hunt als Museumschefin, die unbedingt ihre Eröffnungsfeier durchziehen will, obwohl gerade Köpfe rollen, sowie James Whitmore als an den Rollstuhl gefesselter Anthropologe, dessen Filmtod tatsächlich traurig stimmt, weil seine Figur so liebenswert gezeichnet ist. Einen amüsanten Gastauftritt liefert Audra Lindley als skurrile Pathologin ("Das Gehirn ist zu klein - sogar für einen Mann!").

Peter Hyams legt nach der bedächtigen Exposition ordentlich Tempo vor und kümmert sich weder um Logiklöcher noch sonderlich um Glaubwürdigkeit. So ist die Erklärung für die Entstehung des Monsters (daran beteiligt: ein Wissenschaftler, eine Pflanze, ein Käfer, ein Reptil und vielleicht eine mystische Höllenkreatur, niemand weiß es genau) dermaßen verwirrend geraten, dass man sie schon nicht versteht, wenn sie ausgesprochen wird, geschweige denn im Rückblick.
In der packendsten Sequenz wird das Museum per Computer abgeriegelt, während im Inneren das Monster gerade die Gala aufmischt, was zur Panik unter den Gästen führt. Da rummst und kracht es wie im 70er-Katastrophenkino. Wer jemals im wahren Leben eine Massenpanik erlebt hat, wird an dieser Szene sicher nichts unterhaltsames finden, aber so ist es mit vielen Dingen im Action-und Horror-Kino. In dieser Sequenz wird das im Grunde alberne Monster-Spektakel zu nachvollziehbarem Horror.

Zu Hyams' Regiekonzept gehört es, das von Stan Winston kreierte Monster so wenig wie möglich zu zeigen und es im Kopf des Publikums entstehen zu lasen. Das ist zwar lobenswert und ganz im Sinne des klassischen Horrorfilms, führt aber dazu, dass viele Szenen so schlecht ausgeleuchtet und rasant montiert sind, dass man zum Teufel nicht begreift, was gerade vor sich geht. Was ich ursprünglich für einen Fehler des DVD-Prints hielt, wird auch auf der hochauflösenden US-Blu-Ray nicht besser, schade.
Mit seiner Lauflänge von 110 Minuten ist DAS RELIKT dazu deutlich zu lang geraten, und viele Szenen in den feuchten Katakomben des Museums wirken redundant. Das Finale, in dem Penelope Ann Miller im Cocktailkleid durch die Laboratorien gehetzt wird, bevor sie das Ungeheuer in tausend Teile sprengt, entschädigt dann wieder für einige Längen, und die Spezialeffekte des brennenden Relikts, das Miller verfolgt, können sich heute noch sehen lassen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass DAS RELIKT für einen Film, der sich so ausgiebig bei anderen Werken bedient und im Grunde nichts Neues bietet, erstaunlich gut funktioniert.

07/10

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