Samstag, 14. August 2010

Trilogy of Terror (1975)

Dieser dreiteilige Episodenfilm, der 1975 fürs US-Fernsehen produziert wurde, war bei uns leider nie zu sehen, gehört aber dank der dritten Episode zu den ewigen Horror-Klassikern. TRILOGY OF TERROR genießt verdienten Kultstatus, und Karen Black, die in allen drei Episoden die Hauptrolle(n) spielt, erzählte 2006 in einem Interview, dass sie auf diesen Film öfter angesprochen wird als auf jeden anderen, in dem sie mitwirkte. Regisseur des Films ist Dan Curtis, mit dem Karen Black auch den Horrorfilm "Landhaus der toten Seelen" drehte, und der die Schauspielerin hervorragend zu führen weiß.

Die drei Segmente von TRILOGY OF TERROR basieren auf Kurzgeschichten des ausgezeichneten Horror- und Sci-Fi-Autors Richard Matheson, der selbst für die berühmte dritte Episode das Drehbuch verfasste. Die Geschichten tragen alle den Namen der Protagonistin als Titel.

Der Film beginnt mit "Julie", einer sensiblen, aber unansehnlichen College-Professorin, an die sich ein zwielichtiger Schüler (Blacks Ehemann Robert Burton) heranmacht. Er lädt sie in ein Autokino ein, wo er ihr heimlich ein Schlafmittel verabreicht. Dann bringt er die bewusstlose Julie in ein Motel und schießt kompromittierende Fotos, um sie damit zu erpressen. Doch sein Plan nimmt eine überraschende Wendung, als Julie ihr wahres Gesicht zeigt...
Die Geschichte lebt von der guten Darstellung Blacks und der unerwarteten Pointe.

Die zweite Episode erzählt von "Millicent und Therese", zwei Schwestern, die zusammen in einem alten Haus leben. Die vertrocknete Jungfer Millicent ist sicher, dass die sexy Blondine Therese plant, sie umzubringen und will ihr mit Hilfe einer Voodoo-Puppe zuvorkommen, aber das überraschende Ende entlarvt die "beiden" als eine Person mit multipler Persönlichkeitsstörung. - Diese Wendung ist leider früh zu ahnen, da man die Schwestern nie zusammen sieht, dennoch macht es Spaß, Karen Black in beiden Rollen zu sehen, die ihr sichtlich Freude bereiten.

Das beste kommt wie immer zum Schluss. Die sympathische "Amelia" bringt eine afrikanische Kriegerpuppe (eine "Zuni Puppe") als Geschenk mit in ihr Hochhaus-Apartment. Angeblich wohnt der böse Geist des Kriegers noch in der Puppe, und es dauert nicht lange, da erwacht sie zu bösartigem Leben und macht Jagd auf Amelia, ihre "Beute" ("Prey" heißt die Kurzgeschichte, die als Vorlage diente)...
So absurd sich diese Kurzbeschreibung anhört, so überzeugend ist die Geschichte umgesetzt und liefert 20 Minuten Hochspannung und Schocks. Blacks Kampf gegen die mörderische kleine Puppe in ihrem Apartment steckt voll bösen Humors (sie schafft es, die Puppe in einen Koffer zu sperren, doch das Monster "sägt" sich mit einem Messer in Freiheit) und Horror, den man körperlich nachvollziehen kann (die Puppe sticht mit einem Messer auf Blacks Füße ein und beißt ihr in die Schulter), was die Episode zu einem Lehrstück an filmischem Terror macht.
Ein Lehrstück in Sachen Schauspielkunst liefert auch Karen Black. Nicht nur ist ihre panische Angst vollkommen glaubwürdig, schon zu Beginn der Episode bekommt sie eine Glanznummer, wenn sie mit ihrer dominanten Mutter telefoniert und eine ganze Palette an Emotionen zeigt, während sie die Mutter am anderen Ende der Leitung für uns lebendig macht. Regisseur Curtis filmt diese Szene in einem Take ohne Schnitt, eine absolut erstaunliche Szene.

"Amelia" hat den Kultstatus von TRILOGY OF TERROR begründet. Neben Spielbergs "Duell" (der ebenfalls von Matheson geschrieben wurde) gehört sie zu den Sternstunden des TV-Thrillers. Die "Chucky"-Filmreihe wurde zweifellos von ihr inspiriert.

Die TV-Ausstrahlung von TRILOGY OF TERROR war sehr erfolgreich, Regisseur Curtis inszenierte 1996 eine Fortsetzung. Karen Black wollte das Projekt ursprünglich ablehnen, sagte aber zu, als man ihren Ehemann Burton ebenfalls besetzte. Seitdem war Black in vielen Horror-Produktionen zu sehen, was die Schauspielerin heute bedauert (sie bezeichnet übrigens all ihre Horror-Filme kurioserweise als Science-Fiction). In den USA ist der Episodenfilm auf einer ausgezeichneten DVD erschienen. Sie bietet einen Audiokommentar von Karen Black sowie ein ausführliches Interview mit ihr und Autor Richard Matheson, der den heutigen Horrorfilm beschreibt als "immer die gleiche Geschichte - irgendwelche Teenager fahren irgendwohin, reden über Sex, und dann werden sie umgebracht. Das ist absurd." Recht hat er.

06/10 (gesamt) 10/10 (3. Episode)


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