Sonntag, 1. August 2010

Tele-Terror (1982)

Lange bevor es das Wort "Stalker" offiziell gab, mussten Prominente schon um ihr Leben fürchten. Der Tod von John Lennon 1980 brachte spätestens das Bewusstsein für die Gefährlichkeit von "Fans" ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

In den 80ern entstanden mehrere Filme über jene gestörten Personen, die sich eine Liebesbeziehung zu einem Prominenten einbilden und diese dann mit Gewalt in die Tat umsetzen.
Diese Menschen nennt man heute in der Fachsprache "Erotomaniacs".

Regisseur David Schmoeller verarbeitete einen Zeitungsartikel über einen solchen in seinem Drehbuch zu TELE-TERROR (The Seduction). Dieser Möchtegern-Psycho-Thriller kann es zwar nicht im geringsten mit ernsthaften Genre-Beiträgen wie "The Fan/Der Fanatiker" (1981) aufnehmen, aber für 100 Minuten unfreiwillige Komik ist absolut gesorgt.

Morgan Fairchild spielt hier eine erfolgreiche Nachrichtenmoderatorin, die von dem Fotografen Andrew Stevens verfolgt und terrorisiert wird. Er ist verliebt, hat Dutzende Bilder von ihr an der Wand, beobachtet sie durch sein Teleskop und schenkt ihr Süßigkeiten, bevor er sie per Telefon terrorisiert und ihren Freund Michael Sarrazin per Messer im Rücken ins Jenseits befördert. Da bleibt Morgan nur noch der Griff zur Schrotflinte...

Das Positive an diesem Thriller ist - man glaubt es kaum - Morgan Fairchild. Sie kann zwar kaum überzeugend spielen, sieht aber unglaublich gut aus, wird hervorragend fotografiert und bekommt sogar eine Nacktszene, weswegen der Film in Fankreisen einen kleinen Kultstatus besitzt. Andrew Stevens ("Teufelskreis Alpha") spielt ihren geisteskranken Fan, der scheinbar keine Mühe hat, in Fairchilds Haus, ins Fernsehstudio oder sonstwo einzudringen und auch sämtliche Telefonnummern ihrer Freunde auswendig kennt. Wenn er gefragt wird, wie er das alles herausgefunden hat, antwortet er stets mit einem "War nicht so schwer", was als Faulheit auf der Seite von Autor/Regisseur David Schmoeller zu werten ist, der sich für diese durchaus vorhandenen Hindernisse einfach nichts einfallen lassen will, die seinen Film eher aufgewertet hätten. In "The Fan" sehen wir, wie schwierig es für den Bewunderer ist, an seinen Star heranzukommen. In TELE-TERROR (hübscher Titel, übrigens, man erwartet eigentlich eine Dokumentation über Neun Live) gelingt dem Psychopathen alles mühelos, weil sich sämtliche Figuren furchtbar dämlich anstellen müssen.

Wenn Morgan Fairchild am Ende zur Schrotflinte greift und den irren Stevens erst verführt, um ihn dann über den Haufen zu schießen, wird man unwillkürlich an einen weiteren Frauen-Selbstjustiz-Thriller erinnert, "Lipstick", der ebenfalls Trash höchsten Grades darstellt.

Ein Detail gelingt Schmoeller ausgezeichnet (neben ein paar hübschen Santa Monica-Locations). Nachdem Stevens unsere Morgan bereits telefonisch belästigt hat, taucht er bei ihr im Studio auf und entschuldigt sich. Sie nimmt seine Entschuldigung (und ein Paket Pralinen) lächelnd an - und begeht damit den größten Fehler, denn daraufhin fühlt sich der Stalker nur in seiner Illusion bestätigt, sie habe Gefühle für ihn. Hier stimmt die Psychologie beider Figuren - sie will Harmonie, er will ein Zeichen ihrer Zuneigung, beide verstehen sich komplett falsch, und die Dinge eskalieren.

Ich empfehle TELE-TERROR in einer Doppelvorstellung mit dem deutschen Genre-Beitrag "Der Fan" (1982), der deutlich mehr Sex und Gewalt bietet.

04/10

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