Sonntag, 29. August 2010

Satanas - Das Schloss der blutigen Bestie (1964)

Von Roger Cormans Poe-Adaptionen ist SATANAS - DAS SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIE (Masque of the Red Death) die extravaganteste, teuerste, visuell ausschweifendste und spektakulärste. Nach Motiven der Geschichten "Die Maske des Roten Todes" und "Hopp-Frosch" strickten Corman und seine Autoren ein Horror-Festival der besonderen Art, das viele Fans begeistert hat. Diese immerhin bereits sechste Poe-Verfilmung von Corman zeigt keinerlei Anzeichen von Müdigkeit, im Gegenteil. Nach der atmosphärischen Anthologie "Schwarze Geschichten" (1962) und dem heiteren Poe-Mix "Der Rabe - Duell der Zauberer" (1963) markiert SATANAS einen weiteren Höhepunkt der Reihe.

Die Handlung spielt im mittelalterlichen Europa, das Land bleibt ungenannt. Prinz Prospero (Vincent Price) tyrannisiert und unterdrückt die arme Bevölkerung, während er in seinem Schloss in Saus und Braus lebt und sich neben auch noch dem Satanismus verschrieben hat. Als der 'Rote Tod' - eine tödliche Plage - über das Land zieht, bietet Prospero Gleichgesinnten und Edelleuten Schutz hinter seinen Schlossmauern, während er Dörfer und Bauernfamilien, die sich mit der Krankheit angesteckt haben, rücksichtslos niederbrennen lässt. Prospero lädt schließlich zu einem rauschenden Maskenball, auf dessen Höhepunkt der Rote Tod höchstpersönlich erscheint...

Roger Corman produzierte den Film aus finanziellen Gründen komplett in England und fand in Kameramann Nicolas Roeg - dem späteren Regisseur von Kultfilmen wie "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973) - einen Künstler, der Cormans Visionen kongenial auf die Leinwand zaubern konnte. So ist SATANAS in erster Linie ein Fest fürs Auge und schwelgt geradezu in satten Farben. Wer den Film gesehen hat, wird nie das Zusammentreffen der unheimlichen Todesboten vergessen, die alle in verschiedenfarbigen Kutten gekleidet sind und nicht zufällig an Ingmar Bergmans "Das siebente Siegel" (1957) erinnern. Ebenso unvergesslich ist auch die Ausstattung des Schlosses, in dem sich mehrere Räume befinden, die jeweils ausschließlich in einer einzigen Farbe eingerichtet sind. Auch der finale Maskenball und Auftritt des Roten Todes ist ein einziger Farbenreigen.

England als Drehort bescherte Roger Corman auch einen ganzen Strauß hervorragender Nebendarsteller wie Patrick Magee ("Uhrwerk Orange"), Jane Asher, Nigel Green und Hazel Court, die bereits in "Lebendig begraben" (1961) für Begeisterung sorgte und hier ihre Attraktivität noch mehr zur Schau stellen kann, insbesondere in einer satanischen und psychedelischen Traumsequenz, in der sie sich nur mit einem dünnen Nachthemd bekleidet als Teufelsopfer wiederfindet. Überhaupt findet sich hier dank gelockerter Moralvorstellungen Mitte der 60er mehr unmoralisches Treiben als in Cormans vorigen Filmen.

In der Hauptrolle brilliert wie so oft ein hundsgemeiner Vincent Price, der mit sichtbarer Lust an der Bösartigkeit seinen verdorbenen Prinzen spielt und nicht eine Sekunde durchblicken lässt, dass er privat vielleicht ein ganz netter Mensch ist. Er besitzt genau die Art magnetischer Präsenz, die ein so reichhaltig ausgestatteter Film braucht. Price lässt sich nie von dem Material erschlagen und triumphiert stets über die Technik. So gehört SATANAS zu seinen besten Filmen.

08/10

Der Rote Tod sinniert über das Leben

Kommentare:

  1. Hallo Ralf,
    beim Neusichten der Filme hat mir der auch am besten gefallen. Gruß von Mathias!

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  2. Der schlummert bisher noch ungesehen auf meiner Festplatte, aber ich glaube, jetzt MUSS ich ihn mir endlich mal ansehen. ;-)

    GlG, Pia

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  3. Dann weck' ihn doch mal auf, liebe Pia! ;-)) Es lohnt sich!
    Liebe Grüße!

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