Dienstag, 17. August 2010

Nightmare on Elm Street 4 (1988)

"Are You Ready for Freddy?" lautete die Werbezeile zum 4. Teil der Reihe, und "ready" waren die Zuschauer weißgott. Die Freddy-Mania befand sich Ende der 80er auf dem Höhepunkt, nach dem erfolgreichen dritten Teil der "Nightmare on Elm Street"-Reihe verlangte das Publikum nach mehr und machte NIGHTMARE 4 ("A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master") zum größten Kassenhit der Reihe, auch wenn er nicht die Qualität des Vorgängers erreicht.
Der Trend zur Komik und zu Freddy Krueger als kultigem Filmhelden wurde von den Fans ebenfalls begeistert aufgenommen. So bleibt er zwar als Teenager-Killer weiterhin der Antagonist der Filme, aber das Publikum jubelt und kreischt, wenn er auftaucht und zu jedem Tod einen coolen Spruch auf den verkohlten Lippen hat ("Learning is fun with Freddy!").

Wie kommt Freddy (Robert Englund) also in diesem Teil zurück? Ganz einfach, ein Hund pinkelt Feuer auf sein Grab! Das ist doch mal ein Einfall. Danach spielt sich das gleiche Szenario ab wie in den Vorgängern. Die letzten verbleibenden Teenager der Elm Street sterben im Schlaf, und das letzte Opfer (Tuesday Knight) zieht ihre beste Freundin Alice (Lisa Wilcox) mit in ihre Träume, was Freddy eine neue Gruppe junger Opfer beschafft, die zwar mit den Ereignissen in der Elm Street nichts mehr zu tun haben, aber dankbares Kanonenfutter abgeben...

Die Regie übernahm der Finne Renny Harlin, der hier sein Hollywood-Debüt gab und später erfolgreiche Action-Blockbuster wie "Stirb langsam 2" (1990) inszenierte, bevor seine steile Karriere mit den teuren Flops "Die Piratenbraut" (1995) und "The Long Kiss Goodnight" (1996) einknickte. Als Regisseur bringt er jede Menge Energie mit in die "Nightmare"-Reihe. Schwierigkeiten mit dem Drehbuch und ein Autorenstreik in Hollywood sorgten für ein mehr als löchriges Drehbuch, trotzdem kann NIGHTMARE 4 noch ausgezeichnet unterhalten, wenn man keinen Horror erwartet. Stattdessen ist der Film ein grellbuntes, lautes und fröhliches Todes-Spektakel (ähnlich der heutigen "Final Destination"-Reihe), dessen Reiz in den ausgeklügelten Special Effects und den originell erdachten Todesarten besteht. Die Kids ertrinken in ihren Wasserbetten, verbrennen in Heizungsöfen, erhalten von Freddy im Unterricht den Todeskuss oder verwandeln sich beim Bodybuilding in Kakerlaken, bevor sie von Freddy in einer Insektenfalle zerquetscht werden. Das Effekte-Team (u.a. Screaming Mad George) leistet ganze Arbeit und hält den Film trotz dünner Handlung auf Hochtouren.

In der besten Sequenz betrachtet Alice die mörderischen Vorgänge in einem Kino, wird in die Leinwand "gesaugt" und landet in dem Restaurant, in dem sie aushilfsweise jobbt, wo sie nicht nur ihrem gealterten Ich als Kellnerin begegnet ("Glaubst du, ich will ewig hier warten?"), sondern auch eine spezielle Pizza bekommt, auf der die Köpfe ihrer Freunde als lebende Fleischklößchen von Freddy verspeist werden. Ein weiteres Highlight kommt kurz darauf, als sich Alice im Traum in einer Zeitschleife befindet, während sie einer Freundin das Leben retten muss, aber nicht von der Stelle kommt, weil ihre Rettungsaktion immer wieder von vorn beginnt.

Die Darsteller sind wie üblich hübsch anzuschauen (ganz besonders Danny Hassel, der bei seinem ersten Auftritt passend als "One Major League Hunk!" beschrieben wird) und sympathisch. Patricia Arquette, die Teil 3 überlebte, wird hier leider sehr schwach durch eine komatöse Tuesday Knight ersetzt, die nicht mal in der Lage ist, überzeugend eine Zigarette zu rauchen. Als Protagonistin Alice ist Lisa Wilcox eine klasse Heldin. Ihre schüchterne graue Maus mit Tagträumen erlangt im Lauf des Films ein immer größeres Selbstbewusstsein und erhält die Stärken ihrer getöteten Freunde, mit deren Hilfe sie schließlich Freddy im Finale gegenübertreten kann. Wilcox ist so gut, dass sie auch die Hauptrolle in Teil 5 übernahm und erneut überleben durfte.
An Renny Harlins Regie ist übrigens interessant, dass er die Farben von Freddy Kruegers Pullover in das Beleuchtungskonzept einarbeitet. Wenn das Bild rot oder grün leuchtet, ist Freddy nicht weit. Das ist ebenso simpel wie effektiv.

NIGHTMARE 4 galt trotz des Erfolgs stets als schlechter Film, weil er weder echten Horror noch anständigen Suspense bietet und im Grunde vollkommen albern ist. Der von MTV gesetzte Trend zu schnellen Schnitten und der ständigen Berieselung durch Popsongs macht NIGHTMARE 4 zu einem einzigen "Freddy-Clip", einer Spielwiese für Special Effects-Techniker. Wenn man sich allerdings im heutigen Horrorkino umschaut und neben Remakes und Retro kaum originelle Ideen findet, muss man einen NIGHTMARE 4 vielleicht neu beurteilen, denn es stecken zumindest sehr viele Einfälle und Fantasie drin, und das Publikum wird nicht durch Grimmigkeit und Gore deprimiert, sondern kann hier eine Menge Spaß haben.
Das waren die 80er.

07/10

Merke: Teile nie das Wasserbett mit Pizzagesicht Freddy!

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