Dienstag, 31. August 2010

My Bloody Valentine 3-D (2009)

Regel Nr. 1: Remakes sind nicht grundsätzlich schlecht (fragen Sie Hitchcock).

Regel Nr. 2: Schlechte Remakes werden auch durch 3-D nicht besser.

Übrigens wird kein Film durch 3-D besser, obwohl Hollywood aktuell verzweifelt das Gegenteil zu beweisen versucht und einen Rohrkrepierer nach dem nächsten in 3-D herausbringt, was lediglich zu Kopfschmerzen beim Publikum und stetiger Qualitätsentwöhnung führt.
Hier haben wir nun das Remake zum eher unbekannten 80er-Slasher "Blutiger Valentinstag" (1981), das absolut nicht nötig war, aber wenn es schon mal da ist, kann man auch drüber reden. Die Geschichte wurde minimal verändert. Wieder kehrt ein junger Mann (Jensen Ackles) in seine Heimatstadt - diesmal ironisch Harmony genannt - zurück, aber nicht, um in der Mine zu arbeiten, sondern um selbige zu verkaufen. Das bringt ihm nicht nur den Unmut der Bevölkerung ein, sondern es beginnt auch zeitgleich eine brutale Mordserie. Ein unheimlicher Killer im Bergwerks-Outfit dezimiert die ohnehin schon kleine Gemeinde...

Wer hinter der Maske steckt, wird ebenso wie im Original als Whodunit geschildert, wobei es nur zwei Verdächtige gibt, die in Frage kommen - entweder Hauptdarsteller Ackles, der immer böse dreinblickt und Tabletten einwirft, oder der von Kerr Smith gespielte Dorf-Sheriff, der mittlerweile mit Jensens Mädel von damals verheiratet ist (wieder das öde Dreiecksverhältnis!) und überhaupt keinen Grund für die Morde hat. Hm... welcher könnte es wohl sein?

Man muss es MY BLOODY VALENTINE 3-D (My Bloody Valentine 3-D) zumindest zugestehen, dass er das Publikum nett und spannend unterhalten will, anstatt es zu deprimieren. Der Film gibt nie vor, mehr zu sein als er ist, ein dummes, aber konsumierbares Horrorfilmchen mit einigen herben Splatter-Effekten, um die herum eine dünne Story gestrickt ist. Das Original war auch nicht mehr. Ob solche Neuverfilmungen nötig sind, ist eine müßige Frage, man setzt auf den Wiedererkennungseffekt des (klasse) Titels, und das düstere Outfit des Slashers (dicke Jacke, Stiefel, Atemschutzmaske und Spitzhacke) sorgt wieder für ein paar wirkungsvolle Schock-Momente. Regisseur Patrick Lussier bemüht sich stellenweise um echten Suspense zwischen den langweiligen Dialogszenen, so wird eine Verfolgung durch einen nächtlichen Supermarkt relativ spannend in Szene gesetzt.

Komplett scheitert der Film ausgerechnet im Ausnutzen seiner Locations. Anstatt Großteile der Handlung in die Mine zu verlegen, die genug Möglichkeiten für atmosphärischen Terror bietet, finden beinahe sämtliche Mordszenen in banalen Sets statt (Hinterhof, Motel, Einfamilienhaus, Wald). Obwohl dem Film eine "echte" Kleinstadt zur Verfügung steht (mit durchgehend miesem Wetter), wirkt er künstlich und leider auch sehr billig - man sieht z.B. nie mehr als zwei Kleindarsteller durchs Bild laufen. Straßen, Supermarkt und Kneipe sind verwaist, was nicht etwa inhaltlich begründet ist, sondern Budgetgründe hat. Sieht man den Film im herkömmlichen 2-D, wirkt er noch flacher und fernsehhafter.
Die 3-D-Effekte sind zahlreich und originell eingesetzt, offensichtlich wurde hierfür die meiste kreative Energie aufgebracht. Das Drehbuch strotzt vor dümmlichen Dialogen (mein Liebling: eine nackte Blondine steht dem Killer gegenüber, der bereits die Spitzhacke schwingt, und schreit: "What the F... do you want from me?" - Hm, mal geschwind nachgedacht, was könnte er wohl von ihr wollen?), und der Whodunit ist so simpel konstruiert, dass es weh tut.

Die Schauspieler sind bekannt aus TV-Serien und erfüllen - wenn überhaupt - nur die Mindestanforderungen. Jensen Ackles in der Hauptrolle ist ungemein attraktiv, keine Frage, aber er spielt so hölzern, dass man es kaum aushält. Genau wie er sind Kerr Smith als Sheriff und Jamie King als dessen Frau deutlich zu jung für ihre Rollen (besonders witzig, wenn nach dem Auftakt der Titel "10 Jahre später" erscheint und alle genau so aussehen wie 10 Jahre zuvor), sie wirken wie verkleidete Laiendarsteller und flüchten sich zu oft in Klischees. Lediglich das Wiedersehen mit Tom Atkins macht Freude. Den besten Auftritt absolviert Drehbuchautor Todd Farmer als nackter Trucker Frank, der sich beim Sex filmt und die Spitzhacke in die Glatze bekommt.

Patrick Lussier hält ansonsten das Tempo hoch und liefert schon in den ersten 15 Minuten den gesamten Body Count des Originals ab. Abgesehen von den 3-D-Effekten hat er nur einen guten visuellen Einfall, wenn Ackles im Finale die Lampen in der Mine kaputtschlägt und bei jedem Funkenschlag kurz die Gestalt des Killers aufblitzt.
MY BLOODY VALENTINE ist nicht mehr oder weniger als leicht konsumierbares Wegwerf-Horrorkino. Tut niemandem weh, muss aber auch nicht sein.

05/10

Kommentare:

  1. Am Anfang war ich auch etwas enttäuscht, aber jetzt im Hinterher muss ich sagen, dass ich dieses B-Picture irgendwie charmant finde. Die beiliegenden 3-D Brillen (rosarot) hab ich noch nicht mal ausprobiert...

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  2. Hi Ray, von den ganzen Remakes, die ich zuletzt sah, fand ich den auch am unterhaltsamsten. Die 3-D-Brille solltest Du aber mal ausprobieren, zwar verliert der Film da die Farben, aber die Effekte sind klasse, schon beim Vorspann, wenn sich die Schlagzeilen der Zeitungen aus allen Ebenen zusammensetzen. In 2-D sah er wirklich öde aus. Und in rosarot ist sowieso alles hübscher... Liebe Grüße!

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