Sonntag, 1. August 2010

Klassiker-Liste: die 10 besten Tennessee Williams-Verfilmungen

Tennessee Williams' dramatische Werke waren in Hollywood stets gern genommene Vorlagen für Filme, in denen die Schauspieler zur Höchstform auflaufen konnten, auch wenn die brisanten Themen der Bühnenstücke (meist sexueller Natur) häufig verfälscht wurden. Schauspieler wie Karl Malden, Eli Wallach und Kim Hunter wiederholten ihre Bühnendarstellungen und wurden durch sie zu festen Leinwandgrößen. Oscars und Nominierungen für Rollen in Williams-Verfilmungen waren beinahe schon obligatorisch. Hier sind die 10 besten Adaptionen:

1. ENDSTATION SEHNSUCHT (1951)
Eine Sternstunde der Filmgeschichte. Die fantastischen Leistungen von Vivien Leigh, die sich auf die Freundlichkeit von Fremden verlässt, und dem nuschelnden Marlon Brando im zerrissenen T-Shirt, sowie Elia Kazans klaustrophobische Inszenierung sind zeitlos faszinierend. Oscars für Malden, Leigh und Hunter, Brando ging leer aus. "Stellaaaaaa!"

2. PLÖTZLICH IM LETZTEN SOMMER (1959)
Wieder Elizabeth Taylor mit einer Glanzleistung, die von der neurotischen Katharine Hepburn nach einem grauenvollen Vorfall im letzten Sommer mund- und gehirntot gemacht werden soll. Ein grotesker Horrorfilm über animalische Gelüste und Frauen als unfreiwilliger Köder für menschenfressende Jungs im heißen Sommer.

3. DIE KATZE AUF DEM HEISSEN BLECHDACH (1958)
Paul Newman verweigert seiner Ehefrau Elizabeth Taylor, der Katze, den Beischlaf, während sich die Familie um das Erbe des todkranken Big Daddy streitet. Exzellentes Schauspielerkino mit halslosen Ungeheuern und der erotischsten Taylor aller Zeiten - und das, obwohl der inhaltliche Kern des Stücks vollkommen verdreht wurde. Kein Oscar trotz zahlreicher Nominierungen.

4. DER RÖMISCHE FRÜHLING DER MRS. STONE (2003)
Diese TV-Verfilmung ist der alten Hollywood-Version um Längen überlegen. In der Titelrolle begeistert Helen Mirren als alternde Schauspielerin, die sich im Rom der 50er Jahre in Gigolo Olivier Martinez verliebt und an ihrer Todessehnsucht zugrunde geht.

5. BABY DOLL (1956)
Tennessee Williams schrieb selbst das Drehbuch, der Film entfachte einen Riesenskandal und machte Kindfrau Carroll Baker und Co-Star Eli Wallach berühmt. Nominiert für zahlreiche Oscars, aber durch ebenso zahlreiche Boykott-Aufrufe in Misskredit gebracht und chancenlos.



6. DIE NACHT DES LEGUAN (1964)
John Huston verfilmte Williams' selten gespieltes Drama um Lebensaufgaben und Verantwortung mit den Stars Ava Gardner, Richard Burton und Deborah Kerr. Ein lange unterschätzter Film von visueller Brillanz und Darstellern in Hochform. Den Oscar gab's für die Kostüme, die Schauspieler wurden gnadenlos übergangen.



7. DIE GLASMENAGERIE (1950)
Irving Rappers selten gezeigtes Drama war die erste aller Williams-Verfilmungen und besticht durch eine Gala-Vorstellung von Getrude Lawrence als herrschsüchtige Mutter der zarten Jane Wyman, die zu schüchtern für die Liebe ist. Kirk Douglas ist Wymans Bruder, und Arthur Kennedy der attraktive Dinnergast, in den sich Wyman verliebt.



8. DIE GLASMENAGERIE (1987)
Paul Newman inszenierte diese werkgetreue Version und schenkte Ehefrau Joanne Woodward eine wundervolle Hauptrolle, mit der sie ihre schlimme Darstellung im "Mann mit der Schlangenhaut" wett machen konnte. Das schüchterne Töchterlein ist hier Karen Allen, der Mann ihrer Träume John Malkovich.


9. SÜSSER VOGEL JUGEND (1962)
Paul Newman spielt den Gigolo für die alternde Diva Geraldine Page, liebt aber Shirley Knight, in dieser etwas geschwätzigen, aber durchaus sehenswerten Verfilmung. Geraldine Page dominiert den Film mit einer sensationellen Vorstellung. Den Oscar bekam aber Ed Begley für seine Nebenrolle als schmieriger Kleinstadt-Politiker.


10. DIE TÄTOWIERTE ROSE (1951)
Für seine Freundin Anna Magnani schrieb Williams die Vorlage, sie übernahm ihre erste Hollywood-Rolle in der Verfilmung von Daniel Mann, die ihr gleich einen Oscar bescherte. An ihrer Seite spielt der junge Burt Lancaster einen Trucker, der sich eine Rose auf die Brust tätowieren lässt und das Leben der verzweifelten Witwe Magnani aufmischt.



Das waren die Guten. Und der Abwechslung halber hier noch einige weniger gelungene Williams-Verfilmungen:

1. DER RÖMISCHE FRÜHLING DER MRS. STONE (1961)
Sehenswert wegen Vivien Leigh und dem jungen Warren Beatty, ansonsten aber verklemmte und verstaubte Hollywood-Variante von Williams' Roman, die nie aus den künstlichen Studio-Sets hinauskommt. Lotte Lenya als Kupplerin wurde für den Oscar nominiert.



2. DER MANN IN DER SCHLANGENHAUT (1959)
Die reife Anna Magnani verliebt sich in den Herumtreiber Brando und seine Schlangenlederjacke, während er vor der sexbesessenen Joanne Woodward die Flucht ergreift. Psychologisch überladenes, wirres und statisches Drama mit größtenteils uninteressanten Figuren, das auch von den Darstellern nicht gerettet wird, insbesondere nicht von Woodwards Overacting und Brandos Lustlosigkeit.


3. BOOM! - BRANDUNG (1968)

Völlig misslungene, verquaste und bizarre Verfilmung des britischen Arthaus-Spezialisten Joseph Losey mit dem anstrengenden Diven-Gespann Burton und Taylor in ihren vielleicht schlimmsten Rollen. Gandenloses Overacting, grässliche Kostüme, furchtbare Dialoge, eine filmische Katastrophe, die nicht einmal unfreiwillig komisch unterhält.


4. ENDSTATION SEHNSUCHT (1995)
Diese TV-Version ist zwar mit Jessica Lange, Alec Baldwin, John Goodman und Diane Lane hochkarätig besetzt, aber sie dient als Fallbeispiel, wie viel mehr Schauspieler im "alten" Hollywood zu bieten hatten. Kein Vergleich zu Leigh, Brando, Malden und Hunter - gediegene Unterhaltung mit Längen, die man absolut nicht gesehen haben muss.

Kommentare:

  1. wie schön, dass wieder kommentiert werden kann, und in diesem Fall besonders: super Liste, schöne knappe Inhalte! schwül, schwüler, Tennessee Williams.

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