Samstag, 28. August 2010

The Hole (2001)

Vier Teenager verbringen das Wochenende statt auf einem Schulausflug mit Musik und Alkohol in einem verlassenen alten Bunker mitten in der Wildnis. Doch als das Wochenende vorbei ist, ist der Eingang verschlossen. Keiner kommt mehr hinaus. Treibt jemand ein übles Spiel mit den Kids? Oder steckt etwa einer von ihnen dahinter?

Bei der britischen Produktion THE HOLE (The Hole) handelt es sich - obwohl das Cover dies suggeriert -nicht um einen typischen Teenie-Slasher-Film mit kreischenden Teenies und maskierten Serienschlitzern. Stattdessen erzählt der Thriller eine Geschichte über jugendlichen Wahnsinn, und wozu Pubertierende in ihrem obsessiven, realitätsfernen Liebeswahn fähig sein können. Regisseur Nick Hamm verbindet dies gekonnt mit klaustrophobischem Terror und Urängsten.

Wie das Ganze passieren konnte, und wer dahinter steckt, das erfahren wir in Form von Rückblenden. Zunächst erzählt die scheinbar einzige Überlebende des Wochenendes, Thora Birch, ihre Geschichte und die Abläufe der Psychologin Embeth Davidtz. Doch in ihrer Erzählung bleiben Fragen offen. Als der Ablauf ein zweites Mal geschildert wird - dieses Mal von Birchs Jugendfreund Daniel Brocklebank, der von Birch beschuldigt wurde, das Ganze angezettelt zu haben - sieht die Story schon ganz anders aus. Die ganze Wahrheit und die Abgründe hinter scheinbar unschuldigen Fassaden erfahren wir erst im Schluss-Drittel, und in diesem letzten Akt des Films liegt auch das größte Beklemmungspotential.

Der dramaturgische Kniff, die Handlung aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, die jedes Mal die vorige Lügen strafen, geht zurück bis zu Kurosawas "Rashomon" (1950) und wurde auch in Filmen wie "Carrasco, der Schänder" (1964) oder Brian De Palmas "Snake Eyes" (1998) benutzt. In THE HOLE sorgt diese Erzählform für stellenweise starke Spannung, weil es eben um mehr geht als die reine "Wer war der Täter?"-Frage.
Nick Hamm sorgt für eine düstere, packende Atmosphäre und baut gelegentlich bösartigen Humor ein, etwa wenn die eingeschlossene Thora Birch ihrer Freundin Keira Knightley vom romantischen ersten Kuss erzählt, während Knightley sich gerade aufgrund einer Vergiftung die Seele aus dem Leib kotzt.

Die seit "Scream" (1996) in Mode gekommenen ironischen Genre-Zitate und Selbstreflexionen fehlen hier glücklicherweise. THE HOLE nimmt seine Story und die Figuren ernst - allein das macht ihn zu einer willkommenen Abwechslung im Teenie-Horror-Einerlei. Unterstützt wird der Thriller von einer glaubwürdigen Besetzung, allen voran die aus "American Beauty" bekannte Thora Birch, Keira Knightley und Desmond Harrington, sowie einem sehr atmosphärischem Score von Clint Mansell ("Requiem for a Dream"), der dem Film einen grimmigen, unter die Haut gehenden Sound verpasst.

THE HOLE war ein bescheidener Erfolg an den Kinokassen. Interessanterweise warfen ihm die britischen Kritiker vor, zu amerikanisch zu sein, bzw. die US-Vorbilder zu deutlich zu kopieren. Visuell mag das stimmen, aber inhaltlich unterscheidet er sich deutlich von einschlägiger US-Ware. Dafür bietet er doch die eine oder andere überraschende Wendung mehr. Horror-Fans, die eher an Gore & Guts interessiert sind, werden an THE HOLE wahrscheinlich weniger Freude haben, da er seine Wirkung rein über psychischen Terror und Suggestion von Gewalt erzielt. Sehr empfohlen.

08/10

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