Sonntag, 29. August 2010

Die Verfluchten (1960)

DIE VERFLUCHTEN (House of Usher) war die erste von sieben Edgar Allan Poe-Adaptionen, die Regisseur Roger Corman für American International Pictures inszenierte. Obwohl mit geringem Budget ausgestattet, bedeuteten die Verfilmungen einen wichtigen Schritt für Corman, der zuvor für C-Movies à la "Wasp Woman" (1959) bekannt war. In den Poe-Filmen konnte er in Farbe und Cinemascope arbeiten und sich als Künstler weiter entwickeln. Für viele gilt DIE VERFLUCHTEN nach wie vor als bester Beitrag der Poe-Reihe.

Drehbuchautor Richard Matheson (Veteran der "Twilight Zone") adaptiert Poes Geschichte relativ werkgetreu und baut lediglich eine Liebesgeschichte ein, die so bei Poe nicht vorkommt. Mark Damon spielt in Cormans Film den jungen Philip Winthrop, der das abgelegene Haus der Familie Usher aufsucht, um seine Verlobte Madeline zu besuchen und mit sich zu nehmen. Schon bei seiner Ankunft wird ihm der Zutritt zum Haus verwehrt, und Madelines Bruder Roderick Usher (Vincent Price) benimmt sich ebenfalls höchst sonderbar. Offenbar leidet Madeline an einer geheimnisvollen Krankheit und schleichendem Wahnsinn, der Generationen der Ushers aufgrund eines Fluchs befällt. Als Madeline unerwartet stirbt, überschlagen sich die Ereignisse...

Aus heutiger Sicht ist DIE VERFLUCHTEN sehr langsam und bedächtig inszeniert, und sehr lange geschieht auf der reinen Handlungsebene nichts. Roger Corman baut seine Spannung und Atmosphäre sorgsam auf, mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Die Sets, in denen sich das überschaubare Ensemble von nur vier Darstellern bewegt, sind einfallsreich gestaltet und lassen nostalgische Gruselstimmung aufkommen. So ist die Ahnengalerie der Ushers zum Beispiel unvergesslich grotesk.
Die Langsamkeit und Ereignislosigkeit sind auf Poe zurückzuführen, und man kann es auch als Verbeugung vor dem Schriftsteller werten, dass der Film keinerlei Ablenkungen oder Nebenstränge einbaut, um ihn auf Hochtouren zu halten. Natürlich sind alle Räume zu hell ausgeleuchtet, und die Farben zu bunt, um der extrem Düsternis von Poes Zeilen gerecht zu werden, doch ist DIE VERFLUCHTEN visuell so erlesen fotografiert, dass dies keine Rolle spielt. Eine Poe-Verfilmung, die exakt den Ton des Autors trifft, habe ich bis heute nicht gesehen.
Eine surreale Alptraumsequenz, in der Corman die Farben spielen lässt, hat mit Poe zwar nichts zu tun, setzte aber einen Standard für die weiteren Verfilmungen.

In der Hauptrolle wirkt Mark Damon (aus Mario Bavas "Black Sabbath", 1963) reichlich blass, dafür gehört der Film aber einem unglaublich intensiven Vincent Price, der mit weißgefärbten Haaren einen bizarren Anblick bietet und seinen Part ungewöhnlicherweise extrem unterspielt. Tatsächlich ist sein Understatement so exaltiert, dass man es schon wieder als Overacting bezeichnen kann (zumal er auf einige melodramatische Seufzer und Gesten nicht verzichten kann), aber er drückt der Verfilmung absolut seinen persönlichen Stempel auf und wurde durch seine Darstellung zum Gesicht und Markenzeichen von Cormans Poe-Adaptionen.

Trotz leichter Schwächen - von der hervorragenden Kameraarbeit bis zu Prices unvergesslicher Darstellung bietet DIE VERFLUCHTEN sehr angenehme Gruselunterhaltung für verschneite Winterabende.

08/10

Vincent Price als Roderick Usher

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...