Mittwoch, 4. August 2010

Die Morde des Herrn ABC (1965)

Regisseur Frank Tashlin, der für einige satirische und ironische Filmkomödien mit Stars wie Jerry Lewis und Doris Day verantwortlich war, verfilmte 1965 den gleichnamigen Roman von Agatha Christie. herausgekommen ist ein nicht sehr bekannter, aber sehr abwechslungsreicher Spaß mit einem stark unterschätzten Tony Randall als Meisterdetektiv Hercule Poirot.

In DIE MORDE DES HERRN ABC (The Alphabet Murders) befindet sich Hercule Poirot zur Zeit in London auf Urlaub, aber ein berüchtigter Mörder kommt ihm in die Quere, der seine Opfer dem Namen nach umbringt und als "Alphabet Killer" London unsicher macht. Da lässt sich Poirot natürlich nicht lange bitten, besonders, als sich eine verführerische Blondine (Anita Ekberg) in einer Sauna als Killerin namens Amanda Beatrice Cross (ABC und "Cross" sowohl für Kreuzworträtsel als auch das Abhaken einer Todesliste) zu erkennen gibt. Doch ist diese merkwürdig verrückte Frau wirklich die Mörderin? Poirot geht der Sache gewohnt skurril auf den Grund...

Frank Tashlin inszeniert diese Christie-Verfilmung, die sich nicht sonderlich am Roman orientiert, mit deutlich komödiantischen Zügen, wobei er nie die Grenze zur Parodie überschreitet, auch wenn sich Tony Randall gleich zu Beginn direkt an den Zuschauer wendet und auch sonst filmische Konventionen links und rechts über den Haufen geworfen werden. DIE MORDE DES HERRN ABC soll in erster Linie Spaß machen. Dafür sorgen hervorragende Darsteller wie Robert Morley als Captain Hastins von Scotland Yard, der von einer peinlichen Situation mit dem belgischen Detektiv in die nächste stolpert, als auch amüsante Dialoge und unverfrorene Albernheiten. Tashlin filmt das Geschehen ganz im Stil der Sixties mit verzerrten Optiken, ungewöhnlichen Kamerapositionen und technischen Tricks.

Vor allem aber kann hier Tony Randall punkten, der viel zu oft nur den Sidekick von Stars wie Rock Hudson und Doris Day geben musste, tatsächlich aber ein grandioser Komödiant ist, der einen Film alleine tragen kann. Seine enervierende Selbstverliebtheit etwa kommt der von Agatha Christie geschaffenen Figur durchaus nah, auch wenn er natürlich viel zu launig und durchgeknallt agiert. Da Randall als "Leading Man" für romantische Szenarios eher ungeeignet ist, stellt die Detektiv-Rolle eine ideale Spielwiese für sein Talent dar.
Das Sex-Symbol Anita Ekberg wurde 1962 bereits von Fellini als mörderische Überfrau (in "Boccaccio 70") eingesetzt, und auch hier verleiht sie dem ohnehin schon quirligen Film durch ihre Wirbelwind-Auftritte eine äußerst bizarre Note, was auch an ihren schrillen Kostümen liegt.

Der beste Einfall von DIE MORDE DES HERRN ABC aber ist der überraschende Auftritt von Margaret Rutherford und Stringer Davis in ihren Paraderollen als "Miss Marple" und "Mr. Stringer", die mal eben an Poirot vorbei aufs Polizeirevier marschieren - und natürlich die Lösung kennen. Da die berühmten Detektive Poirot und Marple bei Agatha Christie in unterschiedlichen Jahrzehnten ermitteln, ist diese Begegnung - wie der gesamte Film - ebenso dreist wie herrlich albern.

08/10












Der deutsche Verleih verwechselte die Krimi-Komödie offensichtlich mit einem Bond-Abenteuer.

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,

    ach, ich bin aber auch ein Dummchen. Schon wieder ein Patzer.

    Also : die niedliche deutsche Synchronstimme von Barbara Eden als BEZAUBERNDE JEANNIE war Heidi Treutler. Ursula Heyer sprach - wie Du korrekt vermerktest - das weit weniger niedliche DENVER-Biest Joan Collins. Meine Kernaussage aber bleibt bestehen und kann heutzutage Dank DVD auch bestens belegt werden.

    BONANZA z.B. im Original ohne die rauchige Stimme von Friedrich Schütter alias Vater Cartwright geht für mich gar nicht !

    Natürlich gibt es noch -zig andere gute Synchronsprecher, die ja bei uns fast alle auch eine ordentliche Schauspielausbildung haben.

    Wollte halt nur nicht enzyklopädisch sein.

    Gruss

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  2. Hallo Ralf,
    der Fauxpas wäre mir jetzt gar nicht aufgefallen. Ich könnte auch noch Edith Schneider (Doris Day) und die wunderbare Marianne Wischmann (Miss Piggy) nennen. Eine der schönsten Synchronleistungen aller Zeiten finde ich Judy Winter als Faye Dunaways Stimme in "Chinatown", was für ein Genuss!

    LG, Mathias!

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