Donnerstag, 26. August 2010

Der tödliche Freund (1986)

Neben seinen wegweisenden Horrorfilmen "A Nightmare on Elm Street" (1984) und "Scream" (1996) hat Regisseur Wes Craven auch immer wieder Gurken inszeniert, von denen DER TÖDLICHE FREUND (Deadly Friend) vielleicht die schlimmste ist. Diese unausgegorene Mischung aus "Nummer 5 lebt" und "Frankenstein" für Teenager ist weder spannend noch schaurig und in höchstem Maße albern.

Die Story: das junge Technik-Genie Paul (Matthew Laborteaux) zieht mit seiner Mutter in eine neue Umgebung und verliebt sich in die Nachbarstochter Samantha (Kristy Swanson), die unter ihrem prügelnden Vater zu leiden hat. Als dieser sie bei einem Streit unbeabsichtigt tötet, stiehlt Paul Samanthas Leiche aus dem Krankenhaus und reanimiert sie mit einem Mikrochip aus dem "Gehirn" seines Super-Roboters. Eine sehr blasse Samantha geht - nun mit übermenschlichen Kräften ausgestattet (warum auch immer) - auf Rachefeldzug...

Das klingt schon relativ bescheuert und ist es auch in der Umsetzung. Wes Craven kann sich nie entscheiden, was sein Film genau sein will, eine Teenager-Romanze, ein Splatter-Film oder Technik-Komödie. Der Roboter "BeeBee", der die ganze Zeit mit unserem Helden durch die Stadt düst, ist so unerträglich auf "niedlich" getrimmt (inklusive kindlicher Stammel-Sprache), dass er ins Kinderfernsehen gehört.

Dagegen steht das Verhältnis zwischen der liebreizenden Kristy Swanson und ihrem brutalen Vater im krassen Widerspruch, denn hier nimmt Craven sein Thema plötzlich todernst. Nun ist es grundsätzlich schwierig, das Thema Missbrauch von Schutzbefohlenen und häusliche Gewalt im Unterhaltungskino umzusetzen, aber im Zusammenhang mit dem hanebüchenen Quatsch um Roboter "BeeBee" wirkt das Ganze geradezu geschmacklos, und Szenen, in denen sich Swansons Vater nachts zu seiner Tochter ins Zimmer schleicht, haben in diesem Film weißgott nichts verloren (selbst wenn sie sich als Alptraum herausstellen). Und über die vielen Logik-Löcher, wie die Frage, warum nach Tagen niemand merkt, dass Swansons Leiche verschwunden ist, schweigen wir lieber ganz.

Den Darstellern ist nichts vorzuwerfen, sie spielen ihre Rollen durchweg sympathisch, und die "Romeo & Julia"-Liebesgeschichte zwischen den Teenagern hat sogar einige wenige überzeugende Momente. Daneben bietet DER TÖDLICHE FREUND zwei gute Szenen. In der ersten betäubt Matthew Laborteaux seine Mutter mit Schlafmitteln, um ungestört ins Krankenhaus einzubrechen, was Craven sehr schwarzhumorig inszeniert.
Die zweite ist mittlerweile das Aushängeschild des Films und war auf VHS-Veröffentlichungen stets geschnitten. Darin rächt sich "Robo-Samantha" an Nachbarin Anne Ramsey, in dem sie deren Kopf mit einem Basketball zum Zerplatzen bringt. Ein grausiger Effekt, der sehr unerwartet kommt und gut umgesetzt wird (er wurde nachträglich hinzugefügt, weil das Studio mehr Blood & Gore verlangte), allerdings darf man befragen, ob Ramseys Figur diesen Abgang verdient hat. Die arme Schauspielerin wurde kurz darauf in Danny De Vitos schwarzer Komödie "Schmeiß die Mama aus dem Zug" (1987) erneut ins Jenseits befördert.

Insgesamt ist DER TÖDLICHE FREUND nur für Craven-Komplettisten zu empfehlen. Er hat durchaus einige Fans, für mich aber funktioniert er auf keiner Ebene. Wes Craven selbst mag ihn nicht besonders, und das zu recht.

02/10

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