Freitag, 13. August 2010

Der Preis des Erfolges (1988)

Das Mainstream-Kino der 80er feierte das Yuppie-Dasein und belohnte seine Filmhelden für cleveres Vorgehen im Beruf mit Geld, Stellung und der großen Liebe obendrauf.
So war DER PREIS DES ERFOLGES (The Boost), der genau die Kehrseite dieser Medaille erzählt, natürlich ein Flop mit Ansage, denn niemand wollte 1988 die deprimierende Geschichte eines Losers sehen, der an seinem beruflichen Auf- und Abstieg zugrunde geht. Leider ist Harold Beckers Drama auch nicht so gut, dass er sich gegen diesen Zuschauertrend durchsetzen konnte.

Die Story ist schnell erzählt: James Woods spielt einen erfolglosen New Yorker Investment- und Immobilienverkäufer, zu dem nur seine schöne Frau Sean Young hält. Er bekommt dennoch eine große Chance in L.A. und sahnt dort kräftig ab. Kurzzeitig leben beide in Saus und Braus, da kommt auch schon die Modedroge Kokain ins Spiel. Bald darauf gehen die Geschäfte schlecht, es werden mehr Drogen konsumiert, die Ehe geht den Bach runter, Young erleidet eine Fehlgeburt, und nach kurzer Besinnung ist ein hoffnungsvoller Neuanfang ebenfalls zum Scheitern verurteilt...

DER PREIS DES ERFOLGES erzählt seine Geschichte mit viel Tempo und springt von Höhepunkt zu Höhepunkt, was den Film sehr unterhaltsam und abwechslungsreich macht. Leider sorgt dieses Tempo aber auch dafür, dass kein einziger Handlungsstrang sorgfältig entwickelt wird. Alle Wege und Irrwege des Ehepaares werden nur angerissen, dann wird auch gleich das Ergebnis präsentiert. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit des Films, der sich ohnehin nicht gerade um Realismus bemüht. Weder ist er ein anspruchsvolles Drogen-, Ehe- oder Yuppie-Drama, noch dient er als überzeugende Warnung, obwohl er den moralischen Zeigefinger überdeutlich hebt. Jede "böse" Handlung hat umgehend schicksalhafte Konsequenzen, wichtige Nebenfiguren tauchen einfach auf und verschwinden wieder. Ein durchgeführter Drogenentzug wird nur erwähnt, wir sehen ihn aber nie. Monate und Jahre werden übersprungen, ohne dass wichtige Fragen geklärt werden, mal ist von über 100.000 Dollar Schulden in L.A. die Rede, dann besitzen beide ein Strandgeschäft für Surfbretter, ohne dass der Schuldenberg noch einmal erwähnt wird.

Noch schlimmer wird es gegen Ende, wenn Woods unter Drogeneinfluss auf seine Frau einprügelt (nicht zu hart, es ist ja ein Mainstream-Film) und sie daraufhin ein so schlechtes "Prügel"-Makeup erhält, dass aus der Tragödie unfreiwillige Komik wird. Es soll Zuschauer geben, die den ganzen Film als Trash betrachten, diese Theorie hat etwas für sich. Es wird einfach alles zu dick aufgetragen. Ein "Trainspotting" oder "Requiem for a Dream" ist Beckers Film sicher nicht.

Das Positive: Sean Young sieht durchweg hinreißend aus und zeigt eine ihrer besten Darstellungen, auch wenn ihre Rolle weißgott nicht viel hergibt und sie mit schlimmen Dialogen gestraft wird ("Solange wir zusammen sind, kann uns nichts passieren", etc.). Am Ende wird sie gar ohne Szene aus dem Film entlassen, wir erfahren ihr weiteres Schicksal nur aus dem Dialog.
Mehr Mühe gibt sich der Film mit James Woods, der eine zwar kraftvolle und faszinierende Vorstellung liefert. Allerdings spielt er schon von Beginn an so aufgedreht, dass man keinen Unterschied zwischen Woods vor und nach Drogeneinnahme feststellen kann. Ein bisschen mehr Kontrolle statt Overacting hätte da besser gewirkt.
Seine Figur entschuldigt sich übrigens unentwegt dafür, eine so schöne Frau zu haben, als sei er ihrer nicht würdig, was eine interessante psychologische Komponente darstellt - die man absolut verstehen kann, denn man fragt sich in der Tat, was Young an ihm findet. Warum Woods zu Beginn eine berufliche Superchance erhält, wird ebenfalls nie erklärt, man nimmt es hin, weil der Film sonst nach 10 Minuten vorbei wäre.

Auch filmisch gibt es hier nichts Aufregendes. Becker inszeniert von der Stange, Filmkomponist Stanley Myers liefert einen schrecklichen 80er-Soundtrack dazu (viel Synthesizer und Saxophon für die "Street-Atmo"), das Drehbuch ist stellenweise gut, wenn es um Woods geht, aber kitschig und naiv, wenn Sean Young oder Drogen im Spiel sind.
In den USA spielte DER PREIS DES ERFOLGES nicht mal eine Million Dollar ein. Von den Beteiligten erinnert sich ohnehin niemand mehr gerne, weil die Dreharbeiten zur Tortur wurden. Woods bezichtigte Young, eine Obsession ihm gegenüber zu entwickeln und sich als Stalkerin zu verhalten, was den Ruf der Schauspielerin ruinierte und ihre Karriere zum Stillstand brachte (sie hat sich wieder erholt). Beweise konnte er allerdings nicht vorbringen, und Youngs Erklärung, das Ganze sei nur die Rache für eine Abfuhr ihrerseits gewesen, macht sehr viel mehr Sinn. Hollywood ist noch immer eine Männerwelt. Man muss es beiden hoch anrechnen, dass man von diesen Problemen im Film nichts merkt, ihre Chemie stimmt.

Regisseur Harold Becker erholte sich von seinem Flop und drehte kurz darauf das Glanzstück "Sea of Love" (1989) mit einem fabelhaften Al Pacino. Heute ist er allerdings mehr oder weniger vergessen.

6,5/10

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