Samstag, 7. August 2010

Der Killer im System (1993)

"Ghost in the Machine" sagen die Amerikaner, wenn elektrische Geräte verrückt spielen und nicht tun, was sie sollen. Dieser "Ghost" ist in diesem Fall ein übler Serienkiller, der die Adressbücher von Fremden stiehlt und alle darin befindlichen Personen umbringt. Als dieser aber mit seinem Wagen schwer verunglückt und während eines Gewittersturms im Computer-Tomographen stirbt, wird sein "böses Ich" in die Stromleitung eingespeist.
Da er zuvor noch das Adressbuch der alleinerziehenden Karen Allen an sich gebracht hatte, geht er nun wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nach - dem Morden, aber diesmal per Stromleitung...

Der computer-besessene Thriller DER KILLER IM SYSTEM (Ghost in the Machine) von Regisseurin Rachel Talalay kann durch hohes Tempo und einige spektakulär inszenierte Todesszenen überzeugen. Die Erzählung schreitet so schnell voran, dass man als Zuschauer kaum zum Nachdenken über den Sinn oder Unsinn der Handlung kommt, tatsächlich ist sie ein einziger großer, absurder Blödsinn. Das macht aber nichts, die Bedrohung durch einen tödliche Macht im Stromnetz wird von Talalay äußerst einfallsreich in Szene gesetzt.
Nachdem das erste Opfer aus Allens Adressbuch durch die Strahlen einer Mikrowelle in seiner Küche gegrillt wurde (die beste Sequenz des Films) traut man sich kaum noch hinzusehen, wenn der Sohn unserer Protagonistin seine Hand in den blockierten Müllzerkleinerer steckt, um ihn zu reparieren, unter eine elektronische Pool-Abdeckung taucht, die sich selbstständig in Bewegung setzt, oder wenn ein Kleinkind in der Küche spielt, wo sich Herd und Backofen wie von Geisterhand einschalten.
Voll amüsantem Suspense steckt auch die Passage, in der ein weiteres potentielles Opfer beruflich einen Autocrash mit Dummies simuliert, und der Zuschauer nur darauf wartet, dass er gleich mit Karacho ins Jenseits befördert wird, der Film sein Ableben aber an eine völlig unerwartete Stelle setzt.

Die Charaktere spielen neben den vielen Effekten und Computeranimationen (die noch in den Kinderschuhen stecken) eine weniger gewichtige Rolle, trotzdem können Karen Allen und Chris Mulkey als Computerfachmann sympathisch neben ihnen bestehen. Das Verhältnis von der alleinerziehenden Allen zu ihrem Teenager-Sohn ist zudem glaubwürdig und humorvoll gezeichnet, das hat man in seriöseren Filmen schon weitaus schlechter gesehen.

Zwischen den Spielszenen sehen wir immer wieder rasante Computergrafiken und Montagen, in denen der Killer durch Stromnetze, Telefonleitungen, Computer und andere elektrische Geräte saust, auf der Suche nach Opfern. Lediglich das Finale, in dem Karen Allen und Chris Mulkey versuchen, den Killer per Teilchenbeschleuniger in seine Einzelteile aufzulösen, fällt ab, weil hier die Technik zu sehr im Vordergrund steht und die Spezialeffekte um den in Bits und Bytes sichtbaren Killer heute überhaupt nicht mehr überzeugen. Da sind auch die Schauspieler machtlos.
Der damals aktuelle Trend zur Darstellung einer Virtual Reality im Kino war nach wenigen Filmen - wie der Stephen King-Verfilmung "Der Rasenmäher-Mann" (1992) - schnell vorbei, weil das Publikum größtenteils damit nichts anfangen mochte.

Wenn im letzten Drittel Karen Allen sämtliche Stecker aus den Steckdosen ihres Hauses zieht und diese mit Tape verklebt, damit der Killer nicht mehr hindurch kann, verschenkt Rachel Talalay leider eine sehr gute Chance, ein ironisches Statement über den aktuellen Technikwahn zu machen, immerhin müssen Mutter und Sohn nun ihren Alltag ohne Strom und die Annehmlichkeiten der Technik bestehen.

Bis auf das enttäuschende Finale bietet DER KILLER IM SYSTEM beste High-Tech-Unterhaltung in B-Film-Qualität.
Die "Final Destination"-Reihe hat sich übrigens sehr deutlich von den raffiniert aufgebauten Todes-Sequenzen inspirieren lassen.

07/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...