Montag, 30. August 2010

Das Grab des Grauens (1964)

DAS GRAB DES GRAUENS, auch bekannt als "Das Grab der Lygeia" (The Tomb of Ligeia) war der siebte und letzte Beitrag des Corman/Poe-Zyklus' und spaltet bis heute die Fangemeinde. Die einen halten ihn für einen der besten Filme der Reihe, andere für den schwächsten.

Zunächst kurz zum Inhalt, den man mit "Poe trifft Rebecca" umschreiben könnte.
Der unvermeidliche Vincent Price spielt den Witwer Verden Fell, der um seine tote Ehefrau Ligeia trauert und aufgrund eines Augenleidens stets eine Sonnenbrille tragen muss. Als er der selbstbewussten Lady Rowena (Elizabeth Shepherd) begegnet, verliebt diese sich in Fell. Nicht lange, und die beiden heiraten. Doch der Geist der verstorbenen Ligeia hält Verden fest umklammert. Wie sich herausstellt, hat Ligeia ihren Gatten vor ihrem Tod mit einem hypnotischen Bann belegt, und die neue Lady Fell entdeckt hinter einer Spiegelwand ein grausiges Geheimnis...

Vincent Price bezeichnete DAS GRAB DES GRAUENS als seinen Lieblingsfilm der Reihe. Seine Darstellung ist wie so oft äußerst theatralisch und übergroß, die Sonnenbrille verlieht ihm dazu ein bizarres Aussehen. Dass eine junge Schönheit wie Shepherd sich auf den ersten Blick in den merkwürdigen Price verliebt, scheint mehr als nur leicht unglaubwürdig, aber man kann das akzeptieren, weil Price nun mal eine starke Präsenz besitzt.

Der Film unterscheidet sich von allen Vorgängern insbesondere dadurch, dass Regisseur Roger Corman hier erstmals nicht komplett in Studio-Kulissen, sondern auch an Originalschauplätzen gedreht hat. Tatsächlich scheint zum ersten Mal in einer Corman/Poe-Verfilmung die Sonne. Die Ruinen eines mittelalterlichen Klosters (Norfolk Abbey) sind als Schauplatz sehr gut eingesetzt und sorgen für einen authentischen Look, auch wenn die Charaktere und Dialoge dagegen künstlich ausfallen.
Das Drehbuch stammt diesmal von Robert Towne, der später selbst Regie führen und mit "Chinatown" (1974) eines der besten Filmscripts aller Zeiten schreiben sollte.
Mit Edgar Allan Poes Vorlage "Ligeia" hat der Film nicht viel gemein, stattdessen streuen Towne und Corman links und rechts diverse Poe-Zitate ein, am deutlichsten eine schwarze Katze, die mehrfach unsere Heldin erschreckt, und in der sich vielleicht Ligeias Geist befindet.

DAS GRAB DES GRAUENS ist wie üblich gut ausgestattet und hervorragend fotografiert. Mir persönlich schleppt sich die Handlung ein wenig zu träge dahin, und die Spezialeffekte - ganz besonders das Feuer, welches im Finale ausbricht und die makabere Liaison zwischen Price und seiner Ligeia ein für allemal beendet - sehen alles andere als überzeugend aus. Die schwarze Katze wird von vielen Fans als Highlight der Verfilmung bewertet, sie kann aber auch nerven, weil sie allzu offensichtlich für Spannung sorgen soll, wenn die Geschichte auf der Stelle tritt. Zusammen mit Prices exaltiertem Spiel ergibt das einen nur bedingt gelungenen Film, dem ich frühere Beiträge wie "Satanas" (1964) klar vorziehe.

Wie das Geschmacksurteil aber auch ausfällt, nach dem GRAB DES GRAUENS war für Corman Schluss mit den Poe-Adaptionen. Er hatte bewiesen, dass er als Regisseur zu künstlerischer Hochform auflaufen kann und damit viele Kritiker Lügen gestraft, die in ihm immer nur den Produzenten alberner Trash-Filmchen sehen wollten. Corman hat mit diesen Filmen eine sehr erfolgreiche, eigene Marke geschaffen, und ein paar Klassiker obendrein.
Es gehört zu seinen Stärken, dass er erkannt hat, wann man aufhören muss.

07/10

Vincent Price als sonnenempfindlicher Verden Fell

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