Sonntag, 1. August 2010

Das Böse hat ein Gesicht (1996)

Phantombildzeichnerin Gwen (Sean Young) wird aus Chicago in ihre Heimatstadt gerufen, um dort dem örtlichen Sheriff (William Moses) zu helfen, einen Kindesentführer zu fassen.
Nachdem sie aufgrund der Aussage eines befreiten Mädchens das Phantombild erstellt hat, muss Gwen erkennen, dass sie ihren eigenen Stiefvater gezeichnet hat. Das kann aber unmöglich sein, denn der ist seit Jahren tot - oder nicht?

Der Thriller DAS BÖSE HAT EIN GESICHT (Evil Has a Face) wurde für einen US-Kabelsender produziert (und ist also, streng genommen, kein Kino) und vermittelt das Gefühl, alles schon einmal gesehen zu haben, kann aber trotzdem solide und spannend unterhalten. Der Film ist unspektakulär und ruhig erzählt, die herbstliche Atmosphäre der ländlichen Umgebung überzeugt, und die Hauptrolle ist mit Sean Young hervorragend besetzt. Youngs Porträt der sensiblen Gwen, die selbst noch schlimme Kindheitserinnerungen zu verarbeiten hat, welche im Laufe der Ermittlungen ans Tageslicht kommen, ist absolut stimmig, und ihre attraktive und introvertierte Erscheinung sehr anziehend.
Leider steht ihr kein angemessener Partner zur Seite. TV-Darsteller Moses ist als örtlicher Ermittler zwar sympathisch, aber weder als Figur differenziert gezeichnet noch interessant gespielt. Am besten funktionieren die Szenen zwischen Young und Kinderdarstellerin Brighton Hertford.
Nicht verwechseln sollte man den Thriller mit dem 1992er Krimi "The Sketch Artist/Colors of Crime", in dem Sean Young die Ehefrau von Phantombildzeichner Jeff Fahey spielt.

Ende der 80er war Sean Young nach furiosen Auftritten in "Blade Runner" und "No Way Out" eine der begehrtesten Darstellerinnen Hollywoods. Während der Produktion von "Der Preis des Erfolges" aber wurde eine Schmutzkampagne gegen sie gestartet, die von Co-Star James Woods ausging, welcher sie bezichtigte, ihm nachzustellen. Fortan galt sie als schwierig und "irre", was ihre steile Karriere kurzzeitig zum Stillstand brachte. Fortan war sie kaum noch in Hauptrollen großer Mainstream-Produktionen zu finden.
Wie sich später herausstellte, war der ganze "Skandal" lediglich die Rache des notorischen Womanizers Woods für eine Abfuhr Youngs, sämtliche "Beweise", die er vorbringen wollte, existierten nicht. Heute gehört Sean Young zu den meistbeschäftigten Schauspielerinnen Hollywoods in unzähligen TV-Rollen. Sie produziert selbst Spielfilme und hat sich von den üblen Machtspielen ihrer männlichen Gegner glänzend erholt. Bravo!

05/10

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