Mittwoch, 4. August 2010

Blutspur (1972)

Terence Youngs BLUTSPUR (Bloodline) aus dem Jahr 1979 gehört zu jenen Großproduktionen, denen die sogenannte "internationale Co-Produktion" ihren schlechten Ruf verdankt und beantwortet die interessante Frage "Kann ein Film mit Audrey Hepburn UND Romy Schneider überhaupt schlecht sein?" mit einem nachdrücklichen "Ja, und wie!".

Worum geht es? Industriellentochter Hepburn erbt den Pharma-Konzern ihres ermordeten Vaters und muss sich sowohl mit der hab- und machtgierigen Verwandtschaft sowie mehreren Mordanschlägen herumschlagen, während sie quer durch ganz Europa jettet...

Das klingt nach einem aufwendigen und spannenden Stoff, aber BLUTSPUR ist so langweilig, dass man bereits nach zehn Minuten das Interesse verliert. Zwar erwecken Topstar-Aufgebot und ständiger Schauplatzwechsel den Anschein einer teuren Produktion, trotzdem wirkt der gesamte Film billig und schäbig. Die Sets bestehen aus anonymen Großraumbüros, hässlichen Fabrikhallen und geschmacklos eingerichteten Villen. Sinnlose Subplots, die sämtlich ohne Nachdenken aus der Vorlage - dem Bahnhofs-Bestseller von Trash-Autor Sidney Sheldon - übernommen wurden, stören ständig die Haupthandlung, technisch ist der Film trotz Bond-Regisseur Young vollkommen inkompetent im Stile Ed Woods inszeniert (man beachte die 2,50 Euro-Trickaufnahme einer "großen" Explosion). Wenn dann noch ein Serienkiller auftaucht, der in spelunkigen Hotelzimmern nackte Frauen mit roten Halsbändern ermordet und "Snuff"-Filmchen dreht, rutscht der bis dahin noch halbwegs seriöse Film in einen ganz schlimmen Sleaze-Bereich, aus dem er nie wieder herauskommt.

Audrey Hepburn kehrte für BLUTSPUR nach jahrelanger Abstinenz auf die Leinwand zurück, und man fragt sich, warum ausgerechnet für diesen Schund. Man muss dazu sagen, dass allein ihre Anwesenheit dem Mega-Trash so etwas wie Glanz verleiht, und sowohl sie als auch Romy Schneider die einzig ernsthaften Darstellungen abliefern. Die übrigen Darsteller wie Ben Gazzara, Maurice Ronet und Beatrice Straight befinden sich im Autopilot-Modus und überlegen im Geiste, wie sie ihre Gage anlegen, oder machen sich - wie im Falle von Gert Fröbe - durch fröhliches Overacting über den Film lustig. Omar Sharif und Irene Papas sollen als ewig streitendes Buffo-Paar Humor in den öden Streifen bringen, sind aber durchweg nur peinlich, zumal Sharifs Verfallsdatum als heißer Doktor Schiwago deutlich abgelaufen ist und sein Gehabe als Playboy-Gockel nur lächerlich wirkt. Im Finale muss die arme Hepburn sich auf dem Dach eines brennenden Hauses entscheiden, wem der noch verbleibenden Herren sie ihr Leben anvertraut, aber leider interessiert sich an der Stelle niemand mehr für die Antwort.
Ich habe in meinem Leben mehrfach versucht, mit BLUTSPUR warm zu werden, weil er so viel besser klingt als er ist, und doch sitze ich jedesmal fassungslos davor, wie schlimm eine solche Ansammlung von Talent vergeudet werden kann.

Gibt es Positives? Ja. Die Vorspann-Sequenz ist exquisit gestaltet und wird von Ennio Morricones Musik stimmungsvoll untermalt, sie macht Lust auf mehr - leider hört die Aufzählung an genau dieser Stelle auf.
Als Katastrophe gigantischen Ausmaßes besitzt BLUTSPUR natürlich einen gewissen Reiz für Trash-Fans, aber er gehört definitiv nicht zu den "so schlecht, dass er schon wieder gut ist"-Werken. Ich gebe zwei Sterne lediglich für Audrey Hepburn und Romy Schneider, zwei der wundervollsten Schauspielerinnen aller Zeiten (wobei man sogar hier sagen muss, dass Terence Young, sein Kameramann Freddie Young und die Kostümabteilung es schaffen, Romy Schneider mehrfach unattraktiv aussehen zu lassen - das muss man erstmal hinkriegen). Darüber hinaus kann ich den Film wirklich niemandem empfehlen.

BLUTSPUR war übrigens ein gigantischer Flop an den Kinokassen und wurde von Kritikern in aller Welt ausgelacht. Audrey Hepburn ließ sich zu keiner Äußerung über den Film hinreißen, weil ihr schon beim Dreh schwante, was da für ein Murks herauskommt.

02/10

Kommentare:

  1. wunderbare Rezi, wollte heute eig "Blutspur" anschauen (eig nur wegen Audrey :P) und bin dann dabei eingeschlafen -.- :/ jetzt will ich nur nochs Ende wissen, den ganzen Film tue ich mir bestimmt nicht nocheinmal an ^^

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  2. Achtung, Spoiler: Ben Gazzara war's! :-) Gruß von Mathias

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    1. Nun, also ich fand "Blutspur" stellenweise noch annehmbarer ("schrecklich" unterhaltsam) als das "Tal der Puppen", wahrscheinlich wegen James Mason, hmmmmm. SPOILER: Ben Gazarra hatte auch Dreck am Stecken, aber Mason war doch der Mörder des Nobelpreisträgers, Snuff-Ring-Betreiber und trachtete andauernd Audrey nach dem Leben (tat ihm aber später auch sehr leid!). Sachen gibt es, C.

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  3. Dem Mason verzeihst Du aber auch alles... da sieht man mal, wie wenig der mir im Gedächtnis geblieben ist, ich dachte, Gazzarra war's. :-) LG, Mathias

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  4. Meine Leidenschaft für James Mason kann auch ein Film wie Blutspur nicht verwässern. Sein großer Abschiedsmonolg ist auch eine der wenigen Szenen, die sich mir eingeprägt haben bei diesem absurden Städtehopping. Besonders grienen musste ich, als Audrey ohne Visum nach Polen gereist ist, naja, so ein "Studio-Krakau" vermutlich, die Außenaufnahmen haben die sicherlich bei anderer Gelegenheit gemacht. LG, Christine

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