Sonntag, 11. Juli 2010

Wenn die Nacht anbricht (1957)

Regisseur Jacques Tourneur hat einige der schönsten klassischen Horrorfilme wie "Cat People" (1942) inszeniert, aber er war auch in anderen Genres zu Hause. Der späte Film Noir WENN DIE NACHT ANBRICHT (Nightfall) besticht durch ausgezeichnete Kameraarbeit und gute Schauspieler, auch wenn er mit Tourneurs Meisterwerken nicht ganz mithalten kann.

Als die Nacht in Los Angeles anbricht, lernt der schweigsame Grafiker Aldo Ray die junge Anne Bancroft in einer Bar kennen, welche ihn um fünf Dollar bittet, um ihren Drink zu bezahlen. Sie kommen ins Gespräch, sind sich mehr als sympathisch, es knistert. Als sie die Bar verlassen, wird Ray aber von den Gangstern Brian Keith und Rudy Bond entführt, die noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen haben - sie wollen wissen, wo er die 350.ooo Dollar gelassen hat, mit denen er aus den Bergen Wyomings getürmt ist, als er den beiden Killern dort zufällig während eines Urlaubs begegnet ist. Das Problem - Ray kann sich nicht mehr genau erinnern, wo genau er die Tasche mit dem Geld im Schnee verloren hat. Er kann den Gangstern gerade noch entkommen und macht sich mit Anne Bancroft auf, das Geld zu finden, gefolgt von den Killern und einem Versicherungsdetektiv...

Tourneur erzählt die einfache und zugleich verzwickte Geschichte auf zwei Ebenen. Die Vorgeschichte um die Tasche mit dem Geld wird in Rückblenden erzählt, welche immer wieder die Handlung unterbrechen. Dabei erzielt NIGHTFALL einen schönen Gegensatz zwischen dem typischen Noir-Ambiente, dem nächtlichen L.A. mit seinen Bars, Leuchtreklamen und Hotelzimmern, und der verschneiten, weißen Berglandschaft Wyomings.
Ähnlich wie in einer Kurzgeschichte springt Tourneur zunächst mitten in das Gegenwarts-Geschehen, das der Zuschauer kaum versteht, weil ihm die nötigen Informationen fehlen, das aber genau wegen der vielen Fragezeichen spannend bleibt.

Die Begegnung von Bancroft und Ray ist auch schon der erste Höhepunkt des Films. Die Dialoge sind hervorragend, das Spiel der Darsteller bleibt stets naturalistisch, Kitsch und Melodramatik sind nicht vorhanden. Aldo Ray wurde oft als Fehlbesetzung bezeichnet, weil er immer ein bisschen steif und grobschlächtig wirkt, aber für mich passt er perfekt in den Film, ich sehe ihn ohnehin gerne. Anne Bancroft ist wie immer gut, und Brian Keith gibt einen überzeugenden Gangster. Die Romanze zwischen Ray und Bancroft geht ein bisschen arg schnell voran (sie haben auch nicht viel Zeit, sich ineinander zu verlieben), wird aber mit Ironie und Augenzwinkern geschildert und bleibt so genießbar.

NIGHTFALL ist ein kleiner Film, der zwar nie die Meisterschaft von Tourneurs Noir-Klassiker "Out of the Past" (1947) erreicht, aber dennoch mehr als sehenswert ist.
Den schmalzigen Titelsong, der über dem Vorspann geschmachtet wird, sollte man allerdings gnädig überhören.

07/10

Kommentare:

  1. Na sowas, ein Tourneur, den ich noch nicht kenne? Da muß ich mich doch mal umsehen, ob ich den noch irgendwie in die Finger bekomme. Würde mich nämlich sehr interessieren. Oder hast Du vielleicht eine Quelle für mich? ;-)

    LG und ein schönes WE, Pia

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  2. Das kenn ich. Ich hab hier noch so ungefähr 200 VHS-Cassetten, die darauf warten auf DVD überspielt zu werden. ;-)

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  3. Diesen Akt habe ich seit ein paar Jahren hinter mir, hat Wochen gedauert, aber jetzt habe ich alles gesichert. Hatte auch keinen Platz mehr für die VHS...

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