Samstag, 3. Juli 2010

Tödliche Ferien (1970)

Dieser kleine, feine und fast völlig unbekannte britische Thriller erzählt von zwei jungen englischen Krankenschwestern (Pamela Franklin und Michele Dotrice), die in Frankreich Urlaub per Fahrrad machen. Als sich die beiden nach einem Streit kurzfristig trennen, verschwindet eine von ihnen spurlos. Ist hier ein Killer unterwegs? Könnte es der Mann mit Sonnenbrille sein, der ihnen folgte? Eins ist jedenfalls sicher - auch die zweite Touristin schwebt in Lebensgefahr, und bald wird die Nacht anbrechen...

Womit wir auch schon beim Originaltitel wären. TÖDLICHE FERIEN (And Soon the Darkness) wurde von Robert Fuest inszeniert, der neben den beiden fantastischen Vincent Price-Klassikern "Das Schreckenskabintett des Dr. Phibes" (1971) und "Die Rückkehr des Dr. Phibes" (1972) mehrere Folgen der Kult-TV-Serie "Mit Schirm, Charme und Melone" (The Avengers) inszenierte. Auch Produktion, Drehbuch und Musik stammen von den Hauptverantwortlichen der "Avengers". Und so findet sich der bizarre Inszenierungsstil der Serie auch in TÖDLICHE FERIEN wieder.

TÖDLICHE FERIEN verzichtet größtenteils auf Dialog und setzt voll und ganz auf subtile Bildsprache. Allein in der weiten Landschaft muss Pamela Franklin nach ihrer verschwundenen Freundin suchen, verfolgt von einem Psychopathen und unfähig, sich verständlich zu machen, weil sie nur Brocken von Französisch beherrscht. Die Dorfbevölkerung ist auch keine Hilfe, denn diese versteht wiederum unsere Heldin nicht. Dazu baut der Film noch weitere Verdächtige ein. Eine zunächst sympathische Lehrerin, die Pamela in ihrem Wagen mitnimmt, entwickelt plötzlich sehr düstere Züge, dem Dorfpolizisten kann man ebenfalls nicht trauen.

Den größten Suspense bezieht der Film aus der Frage, ob der mysteriöse Verfolger der beiden Frauen entweder der gesuchte Mörder ist, oder jemand, der nur helfen möchte. Da sich Pamela Franklin nie entscheiden kann, ob sie sich ihm anvertrauen oder Angst vor ihm haben soll, wird auch der Zuschauer von einer Ohnmacht in die nächste geschickt. Robert Fuest dreht stetig an der Spannungsschraube, bleibt stets dicht an seiner Hauptdarstellerin und ihrer Verzweiflung. Stellenweise mag man gar nicht mehr hinschauen, muss aber.

Pamela Franklin trägt den Film mühelos, sie war nach ihren Darstellungen in Klassikern wie "Schloss des Schreckens" (1961) und "War es wirklich Mord?" (1965) bereits Horror-erprobt. TÖDLICHE FERIEN wurde in Kritiken oft mit Hitchcock verglichen, weil der Film nie seinen einzigen (wenngleich weitläufigen) Schauplatz verlässt und die Spannung hauptsächlich über Bildmontage und Stille erzielt. Da ist viel dran.
Ein echter Geheimtipp!

08/10

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