Sonntag, 4. Juli 2010

Puffball (2007)

Der britische Regisseur Nicolas Roeg gehört für mich zu den besten Kameramännern und Regisseuren aller Zeiten, sein Klassiker "Wenn die Gondeln Trauer Tragen" steht ganz oben auf meiner Lieblingsfilm-Liste.
Leider waren seine Werke in den 80ern/90ern eher schwach bis belanglos. Nach einer Pause von 13 Jahren kehrte er 2007 mit PUFFBALL zum Film zurück, aber das Ergebnis ist eher ernüchternd.

Nach einem Roman von Fay Weldon erzählt PUFFBALL von einem jungen Paar, das in Irlands Natur ein altes Landhaus renoviert, welches ehemals einer Familie gehörte, die jetzt nebenan lebt. Als unsere hübsche Heldin (Kelly Reilly) schwanger wird, ruft das die Großmutter (Rita Tushingham) der Nachbarn auf den Plan, die mit alten Hexenbräuchen versucht, sich das Ungeborene unter den Nagel zu reißen...

PUFFBALL ist leider eine Riesen-Enttäuschung von vorne bis hinten. Wären nicht die wenigen assoziativen Schnitte (ins Innere des Körpers), die typisch für Roegs Inszenierungsstil sind, würde man niemals darauf kommen, dass hier ein Künstler hinter der Kamera stand. Die Bilder bewegen sich auf TV-Niveau, das Setting ist weniger wild-romantisch als heruntergekommen und banal, die Mystery-Elemente der Story bleiben esoterisches Geschwafel. Dazu gibt es Sex im Freien, einen seltsamen Riesen-Pilz (der "Puffball"), der symbolisch für das Ei steht (bzw. liegt), in dem das neue Leben heranwächst.
Nicolas Roeg hat sich häufig in seinen Filmen für die Kollision von Natur und Zivilisation interessiert ("Walkabout"), und auch hier gibt es ein paar Anzeichen. Das reicht aber nicht, um das Interesse geschlagene 120 Minuten aufrecht zu erhalten.

Der Besetzung ist kein Vorwurf zu machen. Donald Sutherland, Miranda Richardson und Rita Tushingham sind Veteranen der Schauspiel-Meisterklasse, in der Hauptrolle überzeugt die sehr attraktive Kelly Reilly, aber es nützt nichts. Schade. Das Schlimmste, was man über einen Roeg-Film sagen kann, ist, dass man ihn nicht gesehen haben muss. Und diesen muss man wirklich nicht gesehen haben.

Eine Bemerkung zu einem Ärgernis allgemeinerer Art.
Geht es nur mir so, oder gibt es noch mehr Menschen, die es mittlerweile kaum noch ertragen, den Vorspann eines europäischen Films (bzw. wie in diesem Fall einer Co-Produktion) zu betrachten, ohne von den Dutzenden Credits aller Geldgeber, angefangen von TV-Sendern bis Filmförderungsanstalten, ins Koma katapultiert zu werden? Im Fall von PUFFBALL beginnt nach diesem Abhaken von "Verantwortlichen" der Film zwar mit "A Nicolas Roeg Film", doch dann folgen Scharen von Producern und Executive Producern, bevor auch nur einmal eine Miranda Richardson erwähnt wird.
Können all diese Profilneurotiker bitte ENDLICH in den Abspann verschwinden, wo sie hingehören? Vielen Dank!

02/10

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