Freitag, 30. Juli 2010

Phenomena (1985)

PHENOMENA (Phenomena) galt lange als schwächster Film von Kultregisseur Dario Argento - bis er später bewies, wie ein richtig schlechter Argento eigentlich aussieht ("Phantom of the Opera", "The Card Player").
Zu abstrus mutete selbst für eingefleischte Fans diese wirre Geschichte um telepathische Insekten, rasiermesser-schwingende Schimpansen und einen Frauenmörder in den Schweizer Alpen an.
Tatsächlich offenbart der Film große Schwächen und absurde Ideen, er ist aber bei weitem nicht so schlimm wie sein Ruf und dazu um einiges origineller als jeder x-beliebige US-Slasherfilm.

Die junge Jennifer Connelly spielt in PHENOMENA die Tochter eines US-Filmstars, der sie in ein Schweizer Internat schickt. Dort macht sie sich durch nächtliches Schlafwandeln schnell zur Außenseiterin und beobachtet zufällig einen Serienmörder bei der blutigen Arbeit. Da sie eine telepathische Beziehung zu Insekten hat, schmiedet sie mit dem ortsansässigen Insektenforscher (Donals Pleasence) einen gefährlichen Plan, den Mörder zu fassen...

In der Inhaltsangabe klingen Argentos Filme oft wie Kinder-Abenteuergeschichten. Zugegeben, der ganze Unfug über eine übersinnlich begabte Stubenfliege, die an Jennifers Seite Kriminalfälle löst, ist so hanebüchen, dass er sogar, wenn man ihn als Märchenmotiv versteht, nicht weniger albern wirkt. Argento wirft einfach zu viele Ideen in diesen Horror-Topf und rührt nur halbherzig um. Seine Verwendung von Heavy Metal zur Unterstützung von Suspense-Sequenzen kommt hier erstmals zur Geltung und sollte umstritten bleiben, die Musik macht leider komplette Szenen kaputt, da gibt es auch nichts schön zu reden.
Jennifer Connelly besitzt zwar eine passend ätherische Ausstrahlung, aber schauspielerisch kann sie hier (noch) nicht überzeugen, besonders nicht, wenn man sie mit der starken Jessica Harper in "Suspiria" vergleicht. Donald Pleasence schlafwandelt durch seine Rolle, und neben ein paar groben Längen sind es vor allem ein paar unfreiwillig komische Dialoge, die unangenehm auffallen.

Das Positive: die Atmosphäre stimmt wie immer, Argento fängt die Schweizer Bergwelt mit den pittoresken Häuschen, dem abgelegenen Internat und den verschlungenen Straßen perfekt ein. Auch wenn PHENOMENA visuell nicht herausragend zu nennen ist, gelingen ihm doch einige sehr spannende Sequenzen. Interessanterweise waren es oft die ersten Akte in Argento-Filmen, die überzeugten, hier sind es im Gegenteil eher die letzten 20 Minuten, in denen der Film auf Hochtouren läuft.
Da muss die arme Connelly in ein Erdloch aus Schlamm, Leichenteilen und Maden fallen, bevor sie einem kindlichen Monster begegnet, dem Killer in die Arme läuft, sich mit dem Motorboot auf einen nächtlichen See flüchtet, sich fast selbst in Brand steckt und unter Wasser erneut von dem Monster terrorisiert wird, bis sie schließlich zurück an Land Zeuge einer überraschenden Enthauptung und der Verstümmelung des Mörders durch einen Schimpansen namens "Inge" wird. Da wird ein Psychiater später viel Arbeit haben, möchte man sagen.

Dazu gibt es noch die wohl längste Telefonschnur der Welt, sowie Daria Nicolodis eigenartigste Darstellung in einem Argento-Film. Anfangs spielt sie die verklemmte graue Maus, später ist sie dermaßen außer Kontrolle, dass man nicht mehr weiß, ob man Angst haben oder lachen soll.

In den USA wurde PHENOMENA - wie schon sein Vorgänger "Tenebre" - um einen Großteil der Handlung gekürzt und unter dem Titel "Creepers" gezeigt.
Alles in allem muss man seine Erwartungen etwas herunterschrauben, dann kann einen dieser höchst sonderbare, alberne, aber eigenartig faszinierende Film durchaus packen. Argento selbst hält ihn für einen seiner besten, und er muss es schließlich wissen.

8,5/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...