Mittwoch, 14. Juli 2010

Lifeforce - Die tödliche Bedrohung (1985)

Regisseur Tobe Hooper konnte nach seinem Kult-Erstling "The Texas Chainsaw Massacre" (1974) nie an dessen Qualität anknüpfen. Weder die folgenden Horrorfilme "Blutrausch" (1977) noch "Das Kabinett des Schreckens" (1981) wurden -obwohl sehenswert - von Kritik oder Publikum geschätzt. Mit der TV-Miniserie "Brennen muss Salem" nach Stephen King erzielte er lediglich einen Achtungserfolg.
Erst die Spielberg-Produktion "Poltergeist" (1982) brachte den gewünschten Kassenhit, gleichzeitig wurde durch unschöne Gerüchte, Spielberg selbst habe große Teile des Films selbst inszeniert, Hoopers Name beschädigt.

LIFEFORCE - DIE TÖDLICHE BEDROHUNG (Lifeforce) war der erste von drei Filmen, die er für die Cannon-Group realisierte, und obwohl alle drei ambitionierte Projekte waren, fielen sie beim Publikum sämtlich durch.

Nach dem Roman "The Space Vampires" von Colin Wilson erzählt LIFEFORCE von der Besatzung einer US-Raumfähre, die den Halleyschen Kometen erforscht, in dessen Innerem sie auf ein außerirdisches Raumschiff stoßen, das sehr attraktive, menschenähnliche Wesen in Glassärgen beherbergt. Kurz darauf sind alle US-Astronauten bis auf den Kommandanten (Steve Railsback) tot, eine weitere Raumfähre bringt ihn und seine "Mitbringsel" zurück auf die Erde und in ein Londoner Forschungszentrum. Hier entwickeln die mitgebrachten Aliens ein vampirisches Leben, versetzen London in Angst und Schrecken und lösen eine Epidemie aus...

Zugegeben, eine schlüssige Inhaltsangabe fällt schwer, denn eine große Schwäche des Films liegt in seiner konfusen Struktur, in welcher die Ereignisse nicht zwingend logisch ablaufen, sondern chaotisch angeordnet sind. Wie viele der zahllosen Elemente aus Science Fiction, Horror, Märchen, Mythologie und Endzeitszenarien der Romanvorlage entstammen, kann ich nicht beurteilen, aber den Drehbuchautoren Dan O' Bannon ("Alien") und Don Jakoby gelingt es nicht, sie zu einem homogenen Ganzen einzukochen.
Hoopers Film springt von einer Location zur nächsten, ein Großteil spielt in London, dann wieder nicht, dann wieder doch. Wenn im letzten Akt die Stadt vom Militär abgeriegelt wird, Wahnsinn und Zerstörung auf den Straßen regieren, gelingt es ihm nur bedingt, diesen Ausnahmezustand überzeugend zu realisieren. Das haben Cronenberg und Romero mit weit weniger Budget besser geschafft.

Hinzu kommt, dass der Film keinen Protagonisten anbietet und eher ein Ensemblestück sein möchte, leider aber keine der Figuren annähernd interessant gestaltet. Steve Railsback ist als traumatisierter Kommandant zu passiv, der ermittelnde Colonel Peter Firth unglaubwürdig. Am stärksten bleibt noch Mathilda May als Anführerin der Vampire in Erinnerung. Sie darf die gesamte erste Hälfte des Films nackt durch die Szenerie stapfen (anders als ihre männlichen Vampirkollegen, die zwar ebenfalls nackig sind, deren Intimsphäre aber stets durch Deko-Objekte und Kamerapositionen gewahrt bleibt. Was für ein heterosexueller Film!) und wirkt als Vampirin absolut überzeugend.

Das ist alles ebenso merkwürdig wie spaßig. Tatsächlich bietet LIFEFORCE unglaublich viel Action und Thrill, und das ohne Pause. Nach dem beeindruckenden Beginn im All und der "Erweckung" der Vampire passiert praktisch pausenlos irgendwas, so dass man als Zuschauer kaum zum Nachdenken über den (Un-)Sinn der bizarren Ereignisse kommt, oder was zur Hölle das ganze Spektakel eigentlich soll. Wenn sich im Finale auch noch Steve Railsback auszieht und sich, seiner Vampirin und dem Film mittels antikem Schwert und Super-Lightshow ein spektakuläres Ende setzt, bleibt nur noch schmunzelndes Kopfschütteln.
Das vielleicht größte Manko des Films ist übrigens das Fehlen jeden Humors, was ihn nicht gerade vor unfreiwilliger Komik schützt.

Romanautor Colin Wilson nannte Hoopers Film in seinen Memoiren den "schlechtesten Film aller Zeiten", aber so schlimm ist er dann doch nicht. Er bietet Schauwerte ohne Ende und dazu einen bombastischen Score von Henry Mancini, den man in dieser Form noch nicht von ihm gehört hat.

Von den drei Cannon-Filmen, die Hooper gemacht hat - die anderen beiden sind das völlig vermurkste Remake "Invasion vom Mars" und die Fortsetzung seines eigenen "Texas Chainsaw Massacre" (beide 1986) - ist LIFEFORCE jedenfalls der unterhaltsamste. Sein Ruf hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert, und er hat viele Fans gefunden. Der Misserfolg dieses Horror-Trios hat Hoopers Karriere allerdings nachhaltig geschadet, und er hat bis heute keinen wirklich sehenswerten Film mehr gemacht.

Ein Hinweis: wer kann, sollte sich AUF JEDEN FALL die längere US-Version ansehen. Die um 20 Minuten kürzere (und komplett anders abgemischte) deutsche Fassung (auch die DVD-Version!) macht weder Spaß noch Sinn.

06/10



Kommentare:

  1. Hallo Mathias,

    Ich habe dem Film zweimal eine Chance gegeben. 1 mal auf VHS und 1 mal auf DVD und beides mal ging der Daumen nach unten. Trotz einiger gelungenen Szenen und einem guten Potential des Drehbuchs (ALIEN schafft es auf die Erde) bleibt dieser übersichtlose Streifen das, als was Du ihn bezeichnet hast, nämlich bizarrer Unsinn. Leider hast Du viel zu viele Worte für diesen banalen Quatsch dafür verwendet.

    Gruss Ralf

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  2. Beim ersten Sehen bin ich sogar eingeschlafen, trotz der ganzen Explosionen, das war aber auch auf VHS in der verstümmelten Version. Auf DVD hat er mir viel besser gefallen. Ich wusste allerdings nicht, ob ich ihn zum Trash oder zum ernst zu nehmenden Kino zählen soll... aber irgendwie mag ich ihn jetzt.
    LG, Mathias

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