Freitag, 2. Juli 2010

Es geschah um 8 Uhr 30 (1965)

ES GESCHAH UM 8 UHR 30 (I Saw What You Did) gehört zu den vielen "Psycho"- Imitationen, die Gimmick-Meister William Castle in den 60ern produzierte, um den Meister Hitchcock vom verdienten Unterhaltungsthron zu stoßen, was natürlich nie wirklich geschah. Dazu sind Castles Filme einfach zu oberflächlich und albern, wenngleich immer unterhaltsam.

Hier geht es um zwei Teenager-Girls samt kleiner Schwester, die einen Abend ohne Eltern auf einer einsamen Farm verbringen. Sie beschließen, dass Telefonstreiche eine lustige Sache wären (das waren noch Zeiten, als Teenager nur mit harmlosen Klingelstreichen nervten), wählen blind Telefonnummern und schockieren die Menschen am anderen Ende der Leitung mit Aussagen wie "Ich weiß, wer Sie sind und was Sie getan haben". Zu dumm, dass sie aber ausgerechnet den finsteren John Ireland anrufen, der gerade seine Frau in der Dusche zerhackstückt hat. Der sinnt nun auf Beseitigung der vermeintlichen Zeugen...

Der Plot ist selbstverständlich an Naivität und Unglaubwürdigkeit kaum zu überbieten und muss durch bizarre Wendungen am Leben gehalten werden. So verknallt sich eines der Mädels in die Stimme des Triebtäters und will ihn unbedingt kennen lernen, ganz besonders als er zum Schein auf ihr Flirten eingeht (und nicht merkt, dass es sich bei ihrer Piepsstimme um ein Kind handelt). Nur so kommt er schließlich an ihre Adresse und kann ihnen auf der einsamen, vernebelten Gusel-Farm nachstellen, wo stets eine Scheunentür klemmt und weit und breit keine Hilfe zu erwarten ist.
Den einzig wirksamen Schockeffekt erzeugt Castle gegen Ende, wenn der Mörder plötzlich auf dem Rücksitz eines Wagens auftaucht, mit dem eins der Mädchen fliehen will. Diese Szene hat John Carpenter für seinen "Halloween" sicher im Gedächtnis behalten. Der Duschmord zu Beginn fällt überraschend brutaler aus als im Vorbild "Psycho", kann sich aber dennoch nicht mit Hitchcock messen.

Die Darsteller spielen durch die Bank so lala, die ewig kichernden Protagonistinnen sind anfangs schwer zu ertragen (noch mehr ihre quirligen Synchronsprecherinnen), eigentlich wünscht man ihnen schnell einen psychopathischen Killer auf den Hals. Star des Thrillers ist Joan Crawford, die mit Castle bereits zuvor den herrlich trashigen "Die Zwangsjacke" gedreht hat und hier mit einer unergiebigen Nebenrolle gestraft ist, für die sie sowohl zu talentiert ist als auch viel zu übertrieben glamourös auftritt - übrigens mit eigener Garderobe, weil der Film wie üblich schnell und billig produziert wurde. Als Zeugin des Mordes erpresst sie den Täter Ireland zu einer Heirat und besiegelt damit ihr eigenes schnelles Ableben aus dem Film. Crawfords Tochter Christina hatte sicher ihre helle Freude an der Szene, wenn Ireland die dominante Mama um die Ecke bringt.

Insgesamt gehört ES GESCHAH um 8 UHR 30 zu den schwächeren Werken Castles. Er unterhält leidlich, wird aber immer wieder von Absurditäten torpediert und ist so überkonstruiert, dass es weh tut. Die S/W-Kameraarbeit ist allerdings sehr atmosphärisch.

06/10

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