Freitag, 16. Juli 2010

Ein Pyjama für zwei (1961)

V-Day is Coming!

War Rock Hudson für Doris Day in "Bettgeflüster" (1959) noch ein "Schnupfen, den man hatte und dagegen immun wird", betrachtet sie ihn im Nachfolgefilm EIN PYJAMA FÜR ZWEI (Lover Come Back) nun als ansteckende Krankheit, mit der man sich "entweder ins Bett legt oder sie bekämpft".

Diese zweite Paarung von Doris Day und Rock Hudson (mit Tony Randall erneut als Sidekick) konnte nahtlos an den Erfolg des populären Vorgängers anknüpfen. Er verwendet auf der romantischen Ebene das gleiche Schema (beide hassen sich, er verheimlicht seine Identität, als sie sich begegnen), ist aber satirischer und bietet noch verrücktere Einfälle.

Beide spielen hier Asse der Werbebranche, die mit unterschiedlichen Methoden arbeiten - Doris Day ist die fleißige Biene, die Tag und Nacht über Ideen brütet, Hudson ist die Drohne, die den Kunden Alkohol einflößt, sie mit knackigen Mädchen versorgt und somit einen Abschluss nach dem anderen erzielt. Das kann Doris natürlich nicht akzeptieren und zeigt Hudson beim Werbefachverband an. Um ein Model dazu zu bringen, dort für ihn auszusagen, verspricht er ihr, das Gesicht einer neuen Kampagne zu werden, das Produkt heißt: VIP! Leider aber existiert das Produkt gar nicht. Als Hudsons Chef - der neurotische Tony Randall - trotzdem die Veröffentlichung der Werbespots anweist, muss schnellstens VIP erfunden werden, und als Day und Hudson sich begegnen, gibt er sich als introvertierter Wissenschaftler aus, in den sie sich spontan verliebt...

Dieser verzwickte Plot braucht etwas Anlauf, um in Gang zu kommen, während "Bettgeflüster" sofort in das Problem der Charaktere hineinsprang. Auch scheint es hier ein wenig unwahrscheinlich (um es mal vorsichtig auszudrücken), dass sich Day und Hudson noch nie begegnet sind. Aber um Logikfragen sollte man sich bei diesem wundervollen Spaß sowieso nicht scheren, denn EIN PYJAMA FÜR ZWEI liefert Gags und Ideen am Fließband.
Rock Hudson ist erneut der Wolf im Schafspelz, der sich von Doris Day Kleidung, Hotel und Spesen bezahlen lässt (was sie nur zu gern tut, um den Auftrag für VIP an Land zu ziehen), sie von vorne bis hinten anlügt und schließlich sogar Impotenz und Versagensangst vorspielt, um sie ins Bett zu kriegen - ein Trick, den er vermutlich bei Tony Curtis in "Manche mögen's heiß" (1959) gelernt hat.

Das Spiel mit Impotenz, Unsicherheit und Rock Hudsons sexueller Orientierung wird hier noch weiter getrieben als in "Bettgeflüster". Hudson wird immer wieder in zweideutigen Situationen von zwei älteren Herren beobachtet, die ihn für einen beneidenswerten Aufreißer halten. Als sich aber Doris Day endlich rächt, muss Hudson nackt in einem Pelzmantel an den Herren vorbei, die das mit einem erstaunten "Von dem hätte ich das nie gedacht" kommentieren.
Auch die Beziehung zu seinem Chef Tony Randall steckt voller Andeutungen, etwa wenn Randall sagt: "Ihre Sexgeschichten werden Ihnen noch jede Menge Ärger machen". Hudson hingegen wehrt sich, indem er Randalls Spazierstock zu Kleinholz macht.
Randall ist wieder mehr als entzückend in seiner Rolle, die von ihm kein romantisches Interesse an Doris Day verlangt, er ist vielmehr mit sich selbst und seinen Neurosen beschäftigt.

Das Spiel um VIP, jenes Produkt, das noch gar nicht existiert, bietet die Möglichkeit für satirische Pfeile gegen die Werbeindustrie und ihre Kunden, wenn etwa der "wahre" Erfinder (Jack Kruschen) erzählt, dass sich sein letztes Produkt erst gut verkaufte, nachdem er einen "geheimen Zusatz" hinzugefügt hat - seine Telefonnummer.
Die Werbefilme für VIP sind so schwammig formuliert, dass sie für alles werben könnten und führen dennoch (oder deswegen) zu einer wahren Flut von Vorbestellungen. Die Filme sind übrigens noch lustiger, wenn man schon weiß, was VIP am Ende sein wird - eine Süßigkeit, die sich im Blut in Alkohol verwandelt, und die im Finale das gesamte Ensemble nach einer Verkostung ins Reich des Rausches schickt.

Doris Day trägt in EIN PYJAMA FÜR ZWEI die unglaublichsten Kopfbedeckungen, die man sich vorstellen kann, insbesondere der pyramidenförmige Strand-Hut mit Puscheln ist so bizarr, dass man ihn kaum glauben kann (siehe unten). Ansonsten bekommt sie viel Gelegenheit zu Augenrollen und Quieken, in einem Strip-Club spielt sie keinen Double-, sondern gleich einen Triple-Take.
In meinem Lieblingsmoment berät sie mit ihrem Designer das Aussehen einer Bohnerwachsdose und sagt: "Aber niemand hat doch einen lila Fußboden!", woraufhin er pikiert antwortet "Ich habe einen!", was sie zum extremen Zurückrudern und einem urkomischen Blick veranlasst.
Wenn sie gegen Ende vollends in Liebe erblüht, singt sie "Should I Surrender" und schlüpft gleichzeitig aus beiden Schuhen, während sie zum Kleiderschrank geht, ein hinreißender, kleiner Moment.

Die Chemie zwischen den Stars stimmt wieder auf den Punkt, Rock Hudson spielt mit noch mehr Lust an der Bösartigkeit als in "Bettgeflüster", Tony Randalls Gesicht wird durch die Experimente des VIP-Erfinders in verschiedenen Farben verunstaltet, und wenn er nach dem Genuss von VIP besoffen auf dem Dach eines Büro-Fahrstuhls steht und verkündet "Ich bin die Königin der Lifte!", dann erreicht EIN PYJAMA FÜR ZWEI seinen absurden Höhepunkt.

Eine Sternstunde der 60er-Komödie, die so erfolgreich war, dass ein weiterer Film mit unserem beliebten Trio nicht lange auf sich warten ließ, Titel: "Schick mir keine Blumen" (1964).

09/10

1 Kommentar:

  1. Herzlich Willkommen, Pia! Viel Spaß beim Stöbern, ich freue mich immer über nette Kommentare!
    LG, Mathias

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