Donnerstag, 22. Juli 2010

D.N.A. - Experiment des Wahnsinns (1996)

H.G. Wells' Roman "The Island of Dr. Moreau" wurde von Hollywood mehrfach verfilmt, aber die 96'er Version DNA - EXPERIMENT DES WAHNSINNS (The Island of Dr. Moreau) gehört zu den Sternstunden des schlechten Films.

Die Geschichte ist bekannt: nach einem Flugzeugabsturz landet ein britischer Anwalt (David Thewlis) auf einer abgelegenen Insel. Hier lebt der verschollene Nobelpreisträger Dr. Moreau (Marlon Brando) und führt grauenvolle Experimente durch, in denen er die Gene von Mensch und Tier mixt und so versucht, eine Superrasse zu erschaffen. Seine "Kreaturen" rebellieren bald gegen ihn, und unser Held muss die Flucht ergreifen...

Die Gerüchteküche zu diesem Mega-Flop kochte beinahe über. Der ursprüngliche Regisseur Richard Stanley wurde nach kurzer Drehzeit gefeuert und hat sich angeblich als eine von Moreaus Kreaturen zurück ans Set geschlichen, um den Rest der Dreharbeiten heimlich zu verfolgen. An seiner Stelle wurde John Frankenheimer engagiert, der zwar in den 60ern und 70ern einige brillante Filme vorzuweisen hatte, dessen Flop "Die Prophezeiung" (1979) aber noch allen Horror-Fans in guter, bzw. schlechter Erinnerung war, und der sich gleich nach der Übernahme mit allen überwarf.

Dann war da noch Val Kilmer, welcher sich nach dem Riesenerfolg von "Batman Forever" (1995) auf einem Ego-Trip befand (oft zitierter Ausspruch von Brando zu Kilmer: "Sie verwechseln die Größe Ihres Talents mit der Größe Ihres Schecks!").
Kilmer sollte ursprünglich die Hauptrolle spielen, verlangte aber plötzlich den kleineren Part des Tierarztes Montgomery, als er von seiner Scheidung von Joanne Whalley erfuhr (und zwar aus dem Fernsehen). Diesen Part wiederum sollte eigentlich Rob Morrow spielen, der aber nach der Entlassung von Regisseur Stanley nichts mehr mit dem Film zu tun haben wollte. David Thewlis sprang ein, brach sich während der Dreharbeiten ein Bein und schämte sich so sehr für den Film, dass er nicht zur Premiere erschien und öffentlich verkündete, sich das Endprodukt niemals ansehen zu wollen.

Nun gibt es Filme, denen man solche Katastrophen nicht anmerkt.

DNA gehört nicht dazu.

Das fängt bei Marlon Brando an, der schon bei seinem ersten Auftritt eine so bizarre Erscheinung abgibt, dass man umgehend nicht mehr weiß, was ernst gemeint und was Parodie sein soll (nichts im Film ist als Parodie gemeint!). Er wird auf einer Sänfte getragen (die armen Komparsen!), trägt zentnerdickes, weißes Make-Up, einen Turban, Schmuck und weiße Walle-Gewänder, in denen er aussieht wie ein Elizabeth Taylor-Imitator. Sein monströses Overacting im Film ist so schmerzhaft mitanzusehen, dass er nach Fertigstellung eigentlich mindestens einen seiner Oscars hätte zurückgeben müssen.

David Thewlis hingegen ist ein solcher Profi, dass er es schafft, unbeschadet aus der Katastrophe hervorzugehen, weder übertreibt er, noch spielt er gegen den Film, man sieht ihm nur hin und wieder an, wie peinlich ihm alles ist, darüber hinaus bleibt er aber unangreifbar.
Das gilt NICHT für Val Kilmer. Im Gegensatz zu den Kollegen spielt er absichtlich am Film vorbei. Er steckt sich Blumen in den Mund, verdreht die Augen, singt, stottert, legt seinen Part zwischendurch plötzlich schwul an und liefert schließlich noch eine Brando-Parodie, die so peinlich ist, dass man sich für ihn fremdschämt. Das ist alles ebenso amüsant wie unangebracht. Beruhigend zu wissen, dass sich ein Kilmer heute so etwas nicht mehr erlauben kann, seine Karriere war nach DNA bald beendet.
Der Fairness halber muss man sagen, dass seiner Figur auch jede Motivation abgeht, man versteht nie, was zur Hölle er eigentlich auf der Insel macht, warum er Moreau hilft, den er verachtet, und warum er nicht verschwindet. Seine Rolle ist ein einziges Fragezeichen. Was soll ein Schauspieler damit anfangen?

Ansonsten gibt es kaum etwas über den Film zu sagen. Von Horror findet sich keine Spur, die Liebesgeschichte zwischen Thewlis und der "Katzenfrau" Fairuza Balk überzeugt kein bisschen, Regisseur Frankenheimer versagt vollkommen bei der Inszenierung von Spannung oder Action, und das Drehbuch kann sich nicht entscheiden, welche von den Kreaturen nun böse, gutmütig, wohlerzogen oder animalisch ist, oder warum. Dazu kommen offensichtliche Pannen und Anschlussfehler.
Ganz schlimm wird es am Ende, wenn Frankenheimer plötzlich mit einer "Botschaft" um die Ecke kommt und reale Aufnahmen von Aufständen, prügelnden Polizisten und Straßenschlachten zeigt (der Mensch als Bestie eben). Nicht nur ist dieser erhobene Zeigefinger schwerfällig, wer will sich schon von einem Film moralisch belehren lassen, der so mies ist wie dieser?

Die gute Musik von Gary Chang, das exotische Setting und eine ausgezeichnet gestaltete Vorspann-Sequenz reichen leider nicht aus, um aus DNA einen seriösen Film zu machen. Diese absurde Freakshow, gewürzt mit einigen der merkwürdigsten Darstellungen der Filmgeschichte sowie dem ganzen Krach hinter den Kulissen, ergibt aber Trash allerhöchster Qualität.

04/10

Da hilft kein Beten - dafür gibt es keinen Oscar!

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