Freitag, 2. Juli 2010

Die Zwangsjacke (1964)

Grusel- und Gimmick-Meister William Castle schuf 1964 im Zuge des Riesenerfolges von "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" diesen gelungenen Abklatsch und konnte Hollywoodstar Joan Crawford für seinen Schocker gewinnen. Sie spielt hier eine etwas... neurotische Frau, die in jungen Jahren ihren Mann und dessen Geliebte aus Eifersucht mit einer Axt um die Ecke brachte und nun, zwanzig Jahre später, aus der Heilanstalt entlassen wird, um ihr Leben auf der Farm ihres Bruders wieder auf die Reihe zu bekommen. Dass dort tagtäglich Hühner ihr Leben lassen müssen, macht die Sache allerdings nicht gerade besser. Bald schon hört sie Kinderstimmen, dann liegen abgetrennte Köpfe in ihrem Bett, und kurz darauf wird wieder fröhlich gemordet...

DIE ZWANGSJACKE wurde billig produziert, und das sieht man in jedem Bild. Die "Spezialeffekte" um die abgetrennten Köpfe und Axtmorde sind zauberhaft schlecht, den Vogel aber schießt Joan Crawford ab, die zu Beginn des Films in der Vorgeschichte um die 20 sein soll, aber wie 50 aussieht. Nach der Entlassung aus der Klapsmühle stürzt sie sich auf Drängen ihrer Tochter (Diane Baker) in exakt die gleichen Klamotten und Perücke von damals, in denen sie wie eine "hundertjährige Prostituierte" (Zitat aus dem "Goldenen Himbeere"-Guide) aussieht und sich auch so aufführt. In der wohl unglaublichsten Sequenz baggert sie schamlos den Verlobten ihrer Tochter (der altersmäßig ihr Enkel sein könnte) an, fummelt an ihm herum und steckt ihm zum feucht-krönenden Abschluss den Finger in den Mund!

Als Witwe von "Pepsi"-Aufsichtrat-Mitglied Alfred Steele sorgte Crawford außerdem dafür, dass überall "Pepsi"-Flaschen im Film auftauchen und ein Kollege des verstorbenen Gatten eine Nebenrolle als Crawfords Filmpsychiater erhielt. Für William Castle war dieser Film ein Karriere-Highlight, weil er endlich mit einem A-Star zusammenarbeiten durfte. Er besetzte Crawford auch in seinem späteren Schocker "Es geschah um 8 Uhr 30 - I Saw What You Did", in welchem sie allerdings nicht die Hauptrolle spielte.

In der Liga von "Psycho" oder "Baby Jane" kann DIE ZWANGSJACKE nicht mitmischen, aber auf seine eigene schundige Art weiß Castles Film zumindest gut zu unterhalten, gelegentlich auch unfreiwillig. In Deutschland ist er nicht auf DVD erhältlich, eine alte VHS-Version ist gekürzt, obwohl ab 18 freigegeben. Man kann es auch übertreiben.

09/10












Liebling, hältst du mal die Axt?

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