Samstag, 17. Juli 2010

Die Körperfresser kommen (1978)

Es gibt mittlerweile so viele schlechte Remakes, dass es immer schön ist, wenn man es mal mit einem gelungenen zu tun bekommt - auch wenn es dann schwerer fällt, Remakes grundsätzlich als überflüssig zu bezeichnen.

DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (Invasion of the Body Snatchers) ist so ein Beispiel. Die Story ist gleich, spielt aber jetzt in San Francisco. Außerirdische Sporen fliegen zur Erde (in einer fantastischen Titelsequenz), wo aus ihnen seltsame Blüten wachsen, und plötzlich verändern sich die Menschen. Aus liebevollen, lebendigen Charakteren werden emotionslose Roboter. Gesundheitsinspektor Donald Sutherland und Chemikerin Brooke Adams kommen einer Invasion auf die Spur, welche die gesamte Menschheit ausrotten und durch seelenlose Doppelgänger ersetzen will...

San Francisco als Location bietet Regisseur Philip Kaufman viel Gelegenheit zu ungewöhnlichen Kamerapositionen und düsterer Atmosphäre, die durch experimentelle Musik und beängstigende Soundeffekte verstärkt wird.
Während Don Siegels Original deutlich politisch motiviert war und mit der Kommunisten-Paranoia der McCarthy-Ära spielte, geht es in der Neuverfilmung um Isolation und Anonymität der Großstadt, in der es gar nicht mehr auffällt, wenn sich die Menschen um einen herum plötzlich verwandeln. Mit seinem Misstrauen gegen staatliche Einrichtungen und der Angst vor Entfremdung und heimlichen Vorgängen passt DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN perfekt ins 70er-Kino der Verschwörungstheorien. Das für diese Art Kino bittere Ende bleibt noch lange im Gedächtnis. Damit ist Kaufman eine sinnvolle Übertragung des Szenarios in die Gegenwart der 70er gelungen.

Die Darsteller agieren durchweg fabelhaft, allen voran Donald Sutherland, der einen ernsthaften, glaubwürdigen "Helden" mit menschlichen Schwächen abgibt. Neben Jeff Goldblum und Veronica Cartwright („Alien“) in Nebenrollen kann besonders „Mr. Spock“ Leonard Nimoy als düsterer Psychiater überzeugen, der möglicherweise helfen will, vielleicht aber schon einer von ihnen ist…
Übrigens, das ist Kevin McCarthy, der am Anfang des Films auf ein Taxi springt und "Sie sind hinter uns her" brüllt, genau so wie er es im Klassiker von Don Siegel getan hat. Don Siegel selbst ist als Taxifahrer zu sehen. Sehenswert sind auch die Spezialeffekte, die sparsam eingesetzt werden, aber in den besten Momenten (wie der „Geburt“ von Sutherlands Doppelgänger, die mit einem beängstigenden Ultraschall-Sound unterlegt ist) grausig anzuschauen sind.

Nach diesen beiden Verfilmungen entstand 1993 eine weitere Variante von Abel Ferrara, welche die Handlung auf einem Militärstützpunkt ansiedelt, und die weniger anspruchsvoll als unterhaltsam ist.
2007 inszenierte Oliver Hirschbiegel eine weitere Verfilmung unter dem Titel "Invasion" mit Nicole Kidman und Daniel Craig - ein katastrophaler Film, der nach Fertigstellung komplett umgeschnitten und mit neu gedrehten Szenen ausgestattet wurde, was aber nicht geholfen hat.
Eine weitere Variante der Thematik findet sich im Teenie-Horror "The Faculty" (1996) von Robert Rodriguez. Man sieht, Siegels außerirdische Schoten haben noch lange nicht ausgedient.

9.5/10

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