Montag, 12. Juli 2010

Der Mann mit den Röntgenaugen (1963)

Ein echter Klassiker des Sci-Fi/Horrorfilms ist dieser amüsante Schocker von Roger Corman.

Ray Milland spielt in DER MANN MIT DEN RÖNTGENAUGEN (X - The Man With The X-Ray Eyes) den Wissenschaftler Dr. Xavier, der an der Verstärkung der menschlichen Sehkraft arbeitet. Die Augentropfen, die er dabei entwickelt, verhelfen ihm zu ungewöhnlichen Einblicken. Er kann durch Haut sehen, erkennt als Arzt Krankheiten auf einen Blick, hat plötzlich "Glück" im Spiel, und auf einer Party kann er alle Anwesenden ohne Bekleidungstextilien sehen (wobei sämtliche Nacktheit geschickt von Möbeln und Dekoration verdeckt wird, wie es die "Austin Powers"-Filme später parodierten).
Leider aber wird Xavier süchtig nach seinen Augentropfen, und als ein Kollege ihn von weiteren Versuchen abhalten will, wird er von Xavier unbeabsichtigt getötet. Xavier flieht, arbeitet als Jahrmarktsattraktion, verliebt sich, seine immer stärker werdende Shekraft, durch die er mittlerweile bis in die Unendlichkeit schauen kann, bereitet ihm längst körperliche Qualen. Doch wie steht schon in der Bibel: "Wenn dich also dein rechtes Auge ärgert..."

In grandiosem "Spectarama" gedreht, gehört DER MANN MIT DEN RÖNTGENAUGEN zu den meistgeliebten Filmen Cormans. Ohne Umschweife, Subplots oder Schnörkel kommt er gleich zur Sache, die Handlung wird von Höhepunkt zu Höhepunkt getrieben, der Humor steht dabei stets gleichberechtigt neben dem Thrill. So ist die Partysequenz mit den unbekleideten Gästen, die von Milland amüsiert/lüstern beobachtet wird, ein absolut komisches Highlight. Der letzte Akt verzichtet dann auf Humor und präsentiert ein schockierendes, unvergessliches Finale.

Unter der turbulenten Oberfläche schafft es Roger Corman zusätzlich, das Dilemma eines Wissenschaftlers darzustellen, der eine bahnbrechende Entdeckung macht und diese nach anfänglich nützlichem Einsatz immer mehr für negative Zwecke zweckentfremdet und schließlich an seinem Ego und der Sucht nach mehr zu Grunde geht.

Ray Milland gelingt es (wie so oft), gleichzeitig befremdlich in seinen Handlungen und trotzdem sympathisch bis bemitleidenswert zu sein. Milland war während seiner gesamten Karriere nie auf einen Rollentyp festgelegt, er konnte Mörder ("Bei Anruf Mord", 1954) ebenso wie Verlierer ("Das verlorene Wochenende", 1945) und Helden ("Ministerium der Angst", 1945) spielen, wobei ich niemals eine schlechte Leistung von ihm gesehen habe.
Sein Dr. Xavier gehört zu den Rollen, mit denen man Ray Milland häufig verbindet, was sowohl an seiner Darstellung als auch an der Klasse des Films liegt. In Nebenrollen sind Corman-Stammschauspieler Dick Miller und Jonathan Haze zu sehen. Sehr empfohlen!

08/10

1 Kommentar:

  1. Hallo Ralf,
    interessant, ich finde den gar nicht so deprimierend, mir hat er viel Spaß gemacht. Die Filmzeit vergeht wie im Flug, davon können sich so ziemlich alle aktuellen Filme ein paar Scheiben abschneiden. Gruß!

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