Samstag, 31. Juli 2010

Der Kuss vor dem Tode (1991)

Ira Levins Romanvorlage wurde bereits 1956 mit dem jungen Robert Wagner in der Hauptrolle verfilmt. Regisseur James Dearden modernisierte 1991 die Geschichte und fand eine erstklassige Besetzung, trotzdem ging DER KUSS VOR DEM TODE (A Kiss Before Dying) im Kino ungerechterweise sang- und klanglos unter.

Matt Dillon spielt in diesem Psycho-Thriller den Studenten Jonathan Corliss, der seine Verlobte Dorothy Carlsson (Sean Young), Tochter des mächtigen Industriellen Thor Carlsson (Max von Sydow), gleich in der Eröffnungssequenz vom Dach eines Hochhauses wirft. Offenbar hätte ihre ungeplante Schwangerschaft zur Enterbung geführt, das konnte Jonathan nicht zulassen. Hinter seiner attraktiven Fassade verbirgt sich nämlich ein seelenloser Psychopath, der nur ein Ziel kennt - den sozialen Aufstieg bis zur Spitze des Carlsson-Unternehmens.
Einige Jahre später sieht er sich fast am Ziel, als er Dorothys Zwillingsschwester Ellen (ebenfalls Sean Young) heiratet und vom Schwiegerpapa herzlich in die Familie und die Firma aufgenommen wird. Doch dann beginnt Ellen etwas zu ahnen, und die Vergangenheit holt ihn ein...

In der 56er Version stand die Beziehung Jonathans zur "ersten" Schwester Dorothy (damals von Joanne Woodward gespielt), inklusive ungewollter Schwangerschaft und raffiniert ausgeführtem Mordplan, im Zentrum des Films. Dieser ganze Komplex dient in Deardens Neubearbeitung lediglich als Sprungbrett und wird in den ersten zehn Minuten abgeschlossen, wobei Sean Youngs brutaler Filmtod das Publikum völlig überraschend trifft.

Matt Dillons Darstellung in DER KUSS VOR DEM TODE ist durchweg hervorragend, er ist gleichzeitig sexy und charmant wie finster und bedrohlich. Obwohl Dillon als Schauspieler nie auf einen bestimmten Typ festgelegt war, traut man ihm diese blutigen Taten (er beseitigt im Lauf des Films zwei Belastungszeugen) eigentlich nicht zu, damit erzielt der Film seine beste Wirkung. Sean Young wirkt dagegen in ihrer Doppelrolle Dorothy/Ellen stets etwas entrückt. Ihre Darstellung ist gut, aber sie gehört nicht zu den Schauspielerinnen, mit denen sich der Zuschauer gern identifiziert, ihr fehlt die "warme" Ausstrahlung.
Die Jury der "Goldenen Himbeere" verlieh Young übrigens für DER KUSS VOR DEM TODE gleich zwei Auszeichnungen, einen für die beste Nebenrolle als "Schwester, die stirbt" und für die Hauptrolle als "Schwester, die überlebt". Diesem harten Urteil würde ich nicht zustimmen, zumal ich Sean Young immer gern sehe, auch wenn sie nicht die begnadetste Schauspielerin aller Zeiten ist.

Regisseur James Dearden erzählt seine Mordgeschichte in schönen Hochglanz-Bildern (insbesondere die Vorspann-Sequenz in der Stahlfabrik der Carlssons ist beeindruckend) und baut mehrere Hitchcock-Anspielungen ein. So ähnelt die Grundstory mit der Konzentration auf die Frage "Ist mein Mann ein Mörder?" dessen Klassiker "Verdacht" (1941), die Doppelrolle von Sean Young als Blondine/Brünette erinnert natürlich an "Vertigo" (1958) - und für alle, die die Anspielung nicht erkennen, zeigt Dearden einen Ausschnitt, den sich Sean Young im Fernsehen ansieht! Nicht gerade subtil. Darüber hinaus gelingen ihm einige sehr spannende Sequenzen. Das nervenzerrende Finale, in dem Young gegen Dillon um ihr Leben kämpfen muss, endet mit einer letzten Hitchcock-Hommage an "Im Schatten des Zweifels" (1943).
Howard Shores düstere Musik unterstützt den Film ausgezeichnet, in Nebenrollen agieren so bewährte und sehenswerte Darsteller wie von Sydow, Diane Ladd und James Russo.

Warum DER KUSS VOR DEM TODE ein Flop war, lässt sich schwer erklären, denn qualitativ steht er den erfolgreichen Psycho-Thrillern der frühen 90er in nichts nach. Vielleicht machte er mit seiner ruhigen Erzählweise und unspektakulären Regie einen doch zu altmodischen Eindruck. Diese Qualität hat ihn aber frisch gehalten, er lässt sich heute noch gut anschauen. Einer meiner Geheimtipps!

7,5/10

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