Donnerstag, 29. Juli 2010

Death Ship (1980)

Wer kennt das nicht?
Da will man eine hübsche kleine Kreuzfahrt machen, wird dann mitten auf dem Ozean von einem alten Nazi-Frachter, der führerlos durch die Weltmeere treibt, gerammt, und wenn man sich auf selbigen gerettet hat, will einen das verdammte Schiff auch noch um die Ecke bringen.
Schon ist der schöne Urlaub dahin!



Die kanadische Produktion DEATH SHIP (Death Ship) gilt nicht gerade als Sternstunde des Horrorfilms, um es mal vorsichtig auszudrücken, hat aber merkwürdigerweise ein paar Anhänger, zu denen ich auch gehöre.

Überraschenderweise spielen einige Darsteller von Rang und Namen mit, allen voran George Kennedy, der sich nach vier "Airport"-Filmen mit Katastrophen-Szenarien auskennen sollte. Als ausrangierter Kapitän des Luxusliners findet er auf dem menschenleeren Nazi-Kahn seine neue Bestimmung, hört Stimmen, die ihn antreiben, das Kommando zu übernehmen, und die Maschinen des Frachters folgen wie von Geisterhand seinen Befehlen. Kennedys Wandlung vom mürrischen Kreuzfahrt-Kapitän zum wahnsinnigen "Todesschiff"-Führer ist allerdings kaum wahrnehmbar, weil er von Beginn an unsympathisch ist und nicht alle Tassen im Schrank zu haben scheint. Da wird leider viel Potential verschenkt.

In weiteren Rollen spielen der hübsche Nick Mancuso, der unwitzige und wie immer nervtötende Komödiant Saul Rubinek, zwei ebenso nervtötende Kinder, die grundsätzlich allein durchs Schiff stolpern, weil der Junge eine schwache Blase hat (woraufhin seine Schwester jedes Mal stöhnt: "Männer!", was herzlich wenig Sinn macht), sowie Richard Crenna ("Rambo"). Kate Reid erleidet ein schlimmes Schicksal, als sie ein paar Nazi-Bonbons nascht und ihr Gesicht sich daraufhin furchtbar entstellt. Was sonst noch so auf diesem Dampfer los ist: Aus einer Dusche spritzt Blut statt Wasser, ein Fischernetz birgt unzählige Leichen von Nazi-Opfern, und noch mehr Leichen von gefolterten Kriegsgefangenen befinden sich in einem Kühlraum. Die Bordunterhaltung besteht aus alten Wochenschau-Aufnahmen der frühen 40er, die sogar weiterlaufen, nachdem der Filmprojektor zerstört wurde.

Das klingt zugegebenermaßen alles geschmacklos, und das ist es auch, aber der Streifen besitzt neben seinem Trash-Charme und dem Fehlen jeder sichtbaren Regie eine gelungen bizarre Atmosphäre, die oft über verkantete Kamerapositionen und Einstellungen des gigantischen Frachters aus der Unterperspektive erzielt werden. Eine "Haunted House"-Geschichte an Bord eines verwaisten Schiffes zu erzählen, stellt zudem eine zumindest vielversprechende Prämisse dar, und die heruntergekommenen Sets im Bauch des Schiffes wirken durchaus unheimlich und überzeugend.
Die Story hingegen steckt voller Logiklöcher, verzichtet auf jede Erklärung der Ereignisse (was mich persönlich nicht stört, mir reichen die Andeutungen auf die zurückliegenden Schrecken, die auf dem Kahn stattgefunden haben), und es gibt Anschlussfehler ohne Ende (Tag und Nacht wechseln minütlich). Die Aufnahmen des Kreuzfahrtschiff-Untergangs zu Beginn wirken wie aus einem anderen Film und passen nicht zum Rest von DEATH SHIP. Kameramann René Verzier ("Rabid") filmt fast durchgängig mit Handkamera und war deshalb bereits als "lebender Dolly" bekannt.

Alles in allem haben wir hier schön schlechte Horror-Unterhaltung, in der ein todernstes Thema als Hintergrund für einen billigen kleinen Gruselfilm benutzt wird, was allein schon reichlich Dreistigkeit verlangt. Das beste am Film ist das Plakatmotiv, das von der späteren Hollywood-Produktion "Ghost Ship" (2002) schamlos abgekupfert wurde.

05/10

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