Samstag, 10. Juli 2010

Das Horror-Hospital (1982)

Diese kanadische Produktion, die auf der Slasher-Welle der frühen 80er mitschwamm, wird von Fans und Kritikern oft übersehen und/oder als schwach bezeichnet, dabei hat DAS HORROR-HOSPITAL (Visiting Hours) neben einer gehörigen Portion Suspense auch noch einen furiosen Bösewicht, eine starke Protagonistin und einige makabere Einfälle zu bieten.

Die hervorragende Lee Grant ("Reise der Verdammten") spielt im HORROR-HOSPITAL eine TV-Moderatorin und Journalistin, die ihre Gäste gern hart rannimmt und sich für feministische Ziele einsetzt. So will sie z.B. einer geprügelten Ehefrau den Anwalt bezahlen. Das ruft den Psychopathen Michael Ironside auf den Plan, der sie zunächst nach einem Frontalangriff ins Krankenhaus befördert. Aber auch dort ist sie nicht sicher, denn der Irre ist in seinem Hass auf selbstständige Frauen nicht zu stoppen...

DAS HORROR-HOSPITAL gehört zu einem Sub-Sub-Genre, das wiederholt starke Frauen der Lebensgefahr durch einen irren Stalker und Mörder aussetzt, dazu gehört u.a. auch "Der Fanatiker" (1981) mit Lauren Bacall. Anders als in üblichen Slashern laufen hier also nicht kreischende Teenies nach dem Sex um ihr Leben, sondern der tödliche Konflikt spielt sich unter Erwachsenen ab, was ein deutlicher Vorteil ist.
Zudem trägt der Killer keine Maske, sondern ist gleich als solcher erkennbar. "Scanner" Michael Ironside spielt diesen Geisteskranken mit beängstigender Intensität und ohne jeden Funken Sympathie. Das ist umso bewundernswerter, weil der Film ihm für seine Taten einen psychologischen Background gibt (der allerdings - ganz im Rahmen des Horrorfilms - reichlich dürftig bleibt), Ironside aber trotzdem darauf verzichtet, ihn als Opfer zu porträtieren, sondern als eiskaltes, herzloses und gemeingefährliches Dreckstück. Er prügelt einen One Night Stand, ermordet hilflose alte Damen im Krankenhaus (und macht dann Fotos von ihrem Todeskampf, was dem Film eine kranke Note verleiht) und schafft es immer wieder, an den Sicherheitsleuten vorbei ins Krankenhaus zu kommen - wie in der schrecklichsten Szene, als er sich zu Hause selbst schwer verletzt, um als Patient eingeliefert zu werden, nachdem er als Blumenbote und Arzt keinen Zutritt mehr erhält. Da mag man kaum hinschauen...

Das Krankenhaus selbst wird hier nicht - wie in Filmen à la "Halloween 2" - als spärlich beleuchtetes Old Dark House in Szene gesetzt, sondern ist ein moderner, betriebsamer Komplex, in welchem gerade die Anonymität (Ärzte und Schwestern kennen sich nicht untereinander) dem Psychopathen das Eindringen erleichtert.

Zusätzlich interessant wird der Film durch die Einführung von Krankenschwester Linda Purl, nachdem Hauptdarstellerin Lee Grant ins Hospital befördert wurde. Für eine Weile übernimmt sie die Protagonistinnen-Funktion, und der Zuschauer wird bewusst in die Irre geführt, wessen Geschichte er eigentlich folgen soll. Wenn die sympathische Purl völlig überraschend dem Mörder gegenübersteht und der Film wieder auf Grant umschwenkt, ist das ein herber Schock und ein zynischer Moment, der genüsslich ausgekostet wird.

Der Subtext des HORROR-HOSPITALS schildert das "Erwachen" von Lee Grant, die sich anfangs noch als Gegnerin jeder Form von Gewalt präsentiert, den Psychopathen aber letztlich nur los wird, indem sie ihn nach einer aufreibenden Hatz durch den Keller des Krankenhauses mit eigenen Händen tötet. Die Großaufnahme ihrer blutigen Hände im Blitzlichtgewitter am Ende sind ein nicht gerade subtiler, aber aufschlussreicher Fingerzeig.
Filme wie DAS HOPRROR-HOSPITAL (und auch "Der Fanatiker") sagen den weiblichen Zuschauern: "Lasst euch nicht zu Opfern machen, schlagt genau so brutal zurück!" Über Sinn und Unsinn dieser These kann man streiten, aber immerhin bietet der Film eine.

In erster Linie handelt es sich hier aber um einen Psycho-Thriller mit einigen spannenden Sequenzen und grimmiger Atmosphäre, die einem nicht gerade Lust auf den nächsten Krankenhausbesuch (oder One Night Stand) macht... Und William Shatner spielt auch mit!

09/10

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