Mittwoch, 14. Juli 2010

Caprice (1967)

Die späten 60er läuteten das Ende der Leinwandkarriere von Zuschauerliebling Doris Day ein, die später mit ihrer TV-Show erneut ihr Publikum begeistern konnte. Für das ewige "Sauberfrau"-Image war in Zeiten von "Easy Rider" kein Platz mehr im Kino.
CAPRICE (Caprice) gehört zu den besten Filmen dieser Spätphase, obwohl er sowohl vom Publikum als auch von Kritikern nicht geschätzt wurde.

Unter der sarkastischen Regie von Frank Tashlin spielt Doris Day eine Industriespionin, die für eine Kosmetikfirma an die Formel für ein wasserabweisendes Haarspray namens "Caprice" herankommen soll. Zu diesem Zweck muss sie sich eine Haarlocke von der Assistentin des Erfinders (Ray Walston) besorgen, was sich als äußerst schwierig herausstellt. Nebenbei versucht sie noch, den Tod ihres Vaters aufzuklären, der unter mysteriösen Umständen beim Skilaufen ums Leben kam, und ein ebenso mysteriöser Doppelagent (Richard Harris) weicht ihr nicht von der Seite...

Frank Tashlin war bekannt für seine parodistischen Filme, in denen er alles satirisch überzeichnete, was ihm vor die Linse kam. Er hatte großen Erfolg mit Jerry Lewis-Komödien, inszenierte den wunderbaren "Die Morde des Herrn ABC" (mit Tony Randall als Hercule Poirot, 1965) und arbeitete mit Doris Day bereits in "Spion in Spitzenhöschen" zusammen. Auch dort hat er sich des James Bond-Themas angenommen und sich über den Gimmick-Wahnsinn der populären Filmreihe lustig gemacht, dies treibt er in CAPRICE auf die Spitze.

Nach einem klassischen Bond-Beginn (eine Skijagd mit tödlichem Ausgang) lernen wir Doris Day kennen, die mehr als in allen anderen Filmen ein vollkommenes Kunstprodukt darstellt. Haare, Kostüm und Accessoires sind so bizarr, dass die Schauspielerin fast hinter ihrer Aufmachung verschwindet. Als Agentin im Namen der Kosmetik ist sie das beste Aushängeschild ihrer Branche, und man mag kaum glauben, dass eine Geheimagentin einen so auffälligen Look wählt. So wie Day sieht auch der gesamte Film aus. Die Ausstattung ist poppig-bunt und wirkt aus heutiger Sicht extrem kultig.

Einige Kritiker haben die fehlende Chemie zwischen Day und ihrem Co-Star Richard Harris beklagt, dem kann man zustimmen, es schmälert aber nur unwesentlich das Vergnügen, weil hier sowieso nichts ernst genommen wird. Nachdem der Plot etwas Anlauf braucht, um in Fahrt zu kommen, steuert Tashlin aber im Mittelteil von einem komödiantischen Highlight zum nächsten. Ray Walston ("Küss mich, Dummkopf") hat einen wundervollen Auftritt als durchgeknallter Chemiker, der die Männerwelt von hässlichen Frauen befreien will. Er zeigt Doris Day das "Vorher"-Foto einer weiblichen Testperson und sagt dazu: "Das hier findet der bedauernswerte Ehemann jeden Morgen neben sich auf dem Kopfkissen vor. Da kann sich ein Mann doch nur noch erschießen! Peng, Peng!"

Nach diesem Treffen muss Doris Day einen wahren Slapstick-Marathon absolvieren, um an eine Haarlocke von Walstons asiatischer Assistentin heranzukommen. Dazu schleicht sie sich hinter ihr ins Kino (wo sie von deren Freund befummelt wird), klettert über Balustraden, kämpft mit Doggen, wird von Spinnen belästigt, die sich direkt vor ihren Augen abseilen und baumelt schließlich in luftiger Höhe, bevor sie von Harris gerettet wird. Ebenfalls ein Brüller ist die Sequenz, in der Harris sämtliche Gegenstände auf einem Tisch im Restaurant verwanzt hat, um den Namen von Days Auftraggeber zu erfahren. Als Doris das merkt, bestellt sie beim Kellner Kartoffelchips, rülpst, löst Brausetabletten auf und rührt mit einer im Zucker versteckten Wanze den Kaffee um, bis den heimlichen Zuhörern unter den Kopfhörern fast das Trommelfell platzt.

Nach einer haarsträubenden Verfolgungsjagd mit der Polizei (bei der Day und Harris auch durch ein Kinderzimmer laufen, wo die Kinder vor dem Fernseher sitzen und nichts von allem Chaos mitbekommen) schlägt CAPRICE dann wieder ernstere Töne an, und der letzte Akt kann mit einer Wiederholung der Skijagd (diesmal wird Doris Day verfolgt), der Enttarnung des Oberbösewichts (Walston in Frauenkleidern) und einer letzten Actionsequenz (Day allein in einem führerlosen Hubschrauber) hervorragend unterhalten, selbst wenn er nicht den Level des vorangegangenen Irrsinns erreicht.

CAPRICE gehört trotz des Titels nicht in eine Kategorie mit den Stanley Donen-Krimikomödien "Charade" oder "Arabeske", dazu fehlt es doch an Eleganz und Spannung, aber als absurde James Bond-Parodie mit umwerfenden Blödeleien und ausgefallener 60er-Optik kann er mich jederzeit wieder begeistern.

08/10

Wo ist die Haarlocke?

Kommentare:

  1. Ich glaube, den erspare ich mir lieber. Ich fand schon "Spion in Spitzenhöschen" (dämlicher Titel, oder?!) unsäglich.

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  2. Dämlicher Titel, den Film mag ich aber sehr. Wenn der Dir nicht gefallen hat, wird es "Caprice" wahrscheinlich auch nicht. LG!

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