Samstag, 17. Juli 2010

Bitte nicht stören (1965)

Nach ihren großen Erfolgen mit einer Reihe unvergesslicher Komödien zu Beginn der 60er gab es einen Knick in Doris Days Karriere. Auf Druck ihres Ehemannes (und Produzenten) Martin Melcher musste sie in minderwertigen Filmen auftreten, die ihrer nicht würdig waren - wie sich später herausstellte, hatte Melcher Days gesamtes Vermögen verspekuliert und sie nach seinem Tod 1968 mit einem Schuldenberg zurückgelassen.

BITTE NICHT STÖREN (Do Not Disturb) war der erste dieser schwachen Filme. Unter der Regie von Ralph Levy spielen Doris Day und Rod Taylor ein amerikanisches Ehepaar, das aus beruflichen Gründen (er arbeitet als Stoffhändler) nach England umsiedeln muss, wo er sich immer länger im Büro aufhält, sie sich langweilt, eifersüchtig auf seine attraktive Sekretärin wird und schließlich mit einem Antiquitätenhändler anbändelt und zum Partygirl mutiert, bis sich das Ehepaar natürlich wieder findet.

Zuerst muss man feststellen, wie viele Elemente aus früheren Erfolgsfilmen Days stammen. Die Amerikanerin in England spielte sie bereits in "Mitternachtsspitzen" (1960), und die erste Filmsequenz, in der Day nicht in der Lage ist, ein Taxi zu bezahlen, weil sie sich mit dem britischen Geld nicht auskennt, findet dort ebenfalls statt, nur ist sie in dem Thriller sehr viel kürzer und pointierter.
Die Grundstory (Paar zieht aufs Land, sie wird eifersüchtig) kopiert direkt einen von Days größten Hits, den wunderbaren "Meisterschaft im Seitensprung" (1960). Das Publikum quittierte diese plumpen Versuche mit Abwesenheit. Tatsächlich waren sämtliche Filme, die Doris Day bis zu ihrem Karriere-Ende 1968 noch machte - mit Ausnahme von "Spion in Spitzenhöschen" - Flops.

Nach 20 Filmminuten ist die Handlung von BITTE NICHT STÖREN immer noch nicht in Gang gekommen, die Beziehung zwischen Day und Taylor besteht nur aus Streitereien, die nicht einmal komisch sind und schnell auf die Nerven gehen (wie überhaupt die meisten Charaktere), die Briten werden in schlimmsten Klischees gezeichnet, und die Komik besteht aus "klassischen" Nummern, die schon 1965 im Kino durch waren, wie jener, in der Doris Day sich betrinkt und neben einem fremden Mann aufwacht.
Man weiß ohnehin, wann eine Komödie in Schwierigkeiten steckt, nämlich immer dann, wenn "lustige" Tiernummern den fehlenden Witz ersetzen wollen, hier durch einen Ziegenbock verkörpert, den Day als Haustier hält. - In modernen Komödien wird dafür gern der Hund genommen, der alles besteigt. Reine Verzweiflung.

Doris Day spielt das alles mit gewohnter Liebenswürdigkeit, aber wohl fühlt sie sich nicht, das sieht man, und Rod Taylor geht es offensichtlich ebenso. Die beiden harmonierten im folgenden "Spion in Spitzenhöschen" sehr viel besser.

Das Beste an dieser unlustigen, schwerfälligen und viel zu langen Filmkomödie ist Doris Days Titelsong. Der hat genau die Klasse, die dem Film komplett abgeht.
Für einen großen Fan der Schauspielerin (wie mich) ist es schwer mitanzusehen, wie Day ihr Talent vergeudet.

05/10

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