Donnerstag, 8. Juli 2010

Bettgeflüster (1959)

Wer kennt das nicht?
Innenarchitektin Doris Day und Schlagerkomponist Rock Hudson teilen sich einen Telefonanschluss. Er singt schon früh morgens seine Liebsten an, die fleißige Doris hingegen bekommt keine freie Leitung. Sie hasst ihn, er hasst sie. Als sie sich aber begegnen, beschließt Hudson, die Dame vom anderen Ende der Leitung doch näher kennen zu lernen, aber natürlich nicht als er selbst, sondern als angeblicher Hinterwäldler. Doris Day verliebt sich spontan in den scheuen Naturburschen... aber was, wenn die Wahrheit ans Licht kommt?

BETTGEFLÜSTER (Pillow Talk) von Michael Gordon gehört zu den Komödienklassikern, die man immer und immer wieder sehen kann. Der Film war ein Riesenhit und katapultierte die ohnehin schon beachtlichen Karrieren von Day und Hudson in schwindelerregende Höhen. Ein neues Traumpaar des Kinos war geboren - die Sauberfrau, die nichts mehr hasst als Sex vor der Ehe, und der charmante Schlawiner, dem man auch den schlimmsten Chauvinismus noch lächelnd abnimmt und ihm zu Füßen liegt.
Day und Hudson vermitteln nicht nur überzeugend das Liebespaar, sondern Freundschaft und Zuneigung auf nicht-erotischer Basis, dafür sind nicht nur die absurd konstruierten Plots verantwortlich, sondern die Kleinigkeiten, die Berührungen, das Gefühl von Zusammengehörigkeit und gegenseitigem Verständnis. Mit diesen beiden möchte man alt werden.
Während Hudson eher zum Unterspielen neigt (oft wurde ihm hölzernes Spiel vorgeworfen), geht Doris Day gern Over the Top, sie ist die Hauptattraktion, er gibt ihr den Raum dafür.

BETTGEFLÜSTER erhielt 1960 den Oscar fürs beste Drehbuch, und obwohl dieser Oscar vielfach belächelt wurde, der Film hat ihn mehr als verdient. Die schlüpfrigen Zweideutigkeiten, mit denen sich Day und Hudson austoben, wurden seinerzeit als niveaulos bezeichnet, doch sauberer geht es kaum. Die Screwballs der 30er waren oft wesentlich anzüglicher.
Der gewagteste Moment (neben der Einstellung, in der sich die nackten Füße der beiden in der Mitte der Splitscreen treffen) kommt, wenn Day befürchten muss, Hudson könne womöglich schwul sein, was von Hudson bewusst bestärkt wird, indem er plötzlich von seiner Mutter redet und unbedingt das Rezept für einen Dip haben möchte, während er beim Trinken den kleinen Finger abspreizt. Der anschließende Kuss aber bringt sie völlig aus der Fassung ("Entschuldigen Sie, ich muss meinen Stippenlift auffrischen").
Der besondere Witz liegt in der Tatsache, dass Doris Day nur ein paar vage Anspielungen reichen, um Hudsons Filmfigur sofort in eine Ecke zu stellen, während weder Day noch der Zuschauer den tatsächlich schwulen Hudson als solchen erkennt, denn der ist nicht einmal tuntig, wenn er - wie hier - tuntig spielt.
Das Spiel mit Rock Hudsons sexueller Präferenz wurde im folgenden "Ein Pyjama für zwei" noch weiter getrieben.

Neben den Hauptdarstellern begeistern Thelma Ritter als stets alkoholisierte und/oder verkaterte Reinigungshilfe von Day, deren Auftritte per Fahrstuhl ("Müssen Sie so rasen?") ein durchgehendes Kabinettstück sind, und Tony Randall als reicher Neurotik-Schnösel, der in Day verliebt ist ("Heirate mich, und ich überschwemme dich mit Telefonen!"), aber keine Chance hat, weil Day gleich beim ersten Kuss "den Mond treffen" will.
Dazu gesellen sich noch eine vermögende Kundin Days, die eine antike Urne als Lampe installieren möchte ("Ist der Verstorbene noch drin?") und deren lüsterner Sohn, der in seinem Sportwagen über Doris herfällt ("Ich habe noch nie einen Mann mit so viel Armen gesehen!").

Die Kunstfertigkeit dieser Hollywood-Komödien besteht darin, niemals in Kitsch abzurutschen, ohne das Augenzwinkern und den Witz zu vergessen. Wenn in heutigen 'RomComs' (furchtbares Wort, furchtbare Filme) stets die Heldin vor dem Finale allein und verlassen durch leere Straßen streicht, ihren Koffer packt oder melancholisch durch regennasse Fensterscheiben glotzt, während ein schmalziger Popsong dem Zuschauer erklärt, dass er jetzt traurig zu sein hat, sitzt Doris Day an gleicher Stelle mit Tony Randall in einem Imbiss, wo sich Day über Hudson die Augen ausheult, die Anwesenden Herren aber Randall für den Verursacher von Days Kummer halten und ihn kräftig aufmischen.
Das ist genau der Unterschied zwischen einer Komödie und dem sentimentalen Quatsch, der uns heute als Komödie verkauft wird. Hier müssen sich die Charaktere auch nicht selbst finden, um zueinander zu finden. Doris Day verändert sich um keinen Deut während des Films, sie bekommt, was sie will. Hudson wirft sein Telefonbuch weg und verabschiedet sich vom Lotterleben, das ist ebenso unglaubwürdig wie spaßig.

Doris Days finale Rache an Hudson ist dabei eindeutig der Höhepunkt. Um sie nach Aufdeckung der Lüge zurückzugewinnen, heuert er sie an, sein Apartment neu einzurichten, das mit allen technischen Neuerungen zur Verführung unschuldiger Damen ausgestattet ist ("Warum wollen Sie das verändern? Es ist doch für Ihre Zwecke ideal!"). Day sorgt dafür, dass sein neues Apartment einen Anblick bietet, der sogar Katzen kreischend die Flucht ergreifen lässt. Oder wie sie kalt lächelnd beim Einkauf der Waren sagt: "Nein, das ist noch nicht scheußlich genug!"

Ein Klassiker. Mit Troddeln! Stippenlift gefällig?

10/10

Kommentare:

  1. Bei dem Film bin ich immer hin- und hergerissen. Einerseits ist es natürlich ein herrlicher Spaß, auf der anderen Seite frage ich mich immer, wie sich Rock Hudson wohl gefühlt haben muß und dann vergeht mir das Lachen wieder. :-(

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  2. Kann ich nachvollziehen, aber das blende ich in dem Fall aus.

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