Mittwoch, 28. Juli 2010

Adel verpflichtet (1949)

Ein wunderbares, zeitloses Beispiel für den erlesenen schwarzen Humor der Briten bietet der Filmklassiker ADEL VERPFLICHTET (Kind Hearts and Coronets) von Robert Hamer, der den Serienmord als gepflegte Unterhaltung serviert.

Im frühen 20. Jahrhundert wartet der Herzog Louis d'Ascoyne (Dennis Price) auf seine Hinrichtung und schreibt währenddessen an seinen Memoiren, in denen er berichtet, wie er in die Todeszelle gekommen ist. Er erzählt von seinem unaufhaltsamen Aufstieg zum Herzogtitel, auf den er als Sohn einer aus dem Adelskreis verbannten Mutter nur Anspruch besitzt, wenn alle d'Ascoynes, die vor ihm in der Erbfolge stehen, beseitigt werden. So geht Louis frisch ans Werk und bringt einen nach dem anderen d'Ascoyne um die Ecke, findet dabei in einer trauernden Witwe (Valerie Hobson) eine hinreißende Ehefrau, doch die Beziehung zu seiner frühen Liebe Sibella (Joan Greenwood) macht ihm einen verhängnisvollen Strich durch die Rechnung...

Das bemerkenswerteste an dieser köstlichen Komödie ist die Tatsache, dass sämtliche Familienmitglieder, die über die Klinge springen, von Alec Guiness gespielt werden. In insgesamt acht Rollen verkörpert er unter anderem einen trotteligen Pfarrer (Zitat: "Wie üblich wurde das dümmste Mitglied der Familie auserkoren, den Beruf des Pfarrers auszuüben"), einen langweiligen Genral, einen störrischen Kapitän und eine kampflustige Feministin, die mit ihrem Heißluftballon eine Bruchlandung erlebt. Von dieser "Agatha" hätte man übrigens gern mehr gesehen. Alle Auftritte von Guiness in den verschiedenen Masken sind Kabinettstücke der Schauspielkunst, und allein die Idee der multiplen Guiness-Figuren ist genial, bedeutet sie doch nicht nur einen Heidenspaß, sondern impliziert auch den familiären Inzest über die Jahrzehnte.

Der ironische Voice-Over von Dennis Price sprüht vor subtilem Witz, und die Erzählung schreitet zügig voran, wirkt mit ihren vielen kurzen Einstellungen heute noch modern. Der Film ist dazu exquisit ausgestattet und von Douglas Slocombe ("Der Diener", "Tanz der Vampire") hervorragend in edlem Schwarzweiß fotografiert. Das Drehbuch liefert einen brillanten Einfall nach dem anderen und setzt den Serienmord seines Hauptdarstellers stets in Bezug zu seinen perfekten Manieren, so lehnt er etwa die Jagd als "blutrünstigen" Sport ab und hat Mitleid mit den "armen Tieren", während er kaltblütig - aber immer vornehm - seine Familie vergiftet, erschießt und in die Luft sprengt.

ADEL VERPFLICHTET gehört zu den besten britischen Filmen aller Zeiten und erfreut sich heute noch großer Beliebtheit. Er taucht regelmäßig in den Film-Bestenlisten auf und hat in über 50 Jahren nichts von seiner Klasse und seinem Witz verloren.

9.5/10

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