Dienstag, 1. Juni 2010

Swimfan (2002)

Man sieht und hört förmlich die Präsentation des Films: wie wäre es, wenn wir den Superhit "Eine verhängnisvolle Affäre" noch einmal machen? Der Film, über den in den 80ern alle geredet haben, in einer Version fürs - Achtung! - junge Teenager-Publikum!
Solche Ideen können gut gehen (z.B. im Fall von "Disturbia", einer gelungenen Übertragung von Hitchcocks "Rear Window"), manchmal aber gehen solche Einfälle auch nach hinten los und saufen schon bei der Umsetzung ab.

Willkommen zu SWIMFAN!

Statt Glenn Close stellt in dieser jugendlichen Variante Erika Christensen nicht Michael Douglas, sondern Jesse Bradford nach. Bradford ist ein begeisterter Schwimmer und hat neben einer schweren Drogenvergangenheit (im Hollywood-Sinne, er hat also ein paarmal was geraucht) auch eine reizende Freundin, die gutgläubige Shiri Appleby. Trotzdem steigt er bei erstbester Gelegenheit mit Christensen ins Bett, bzw. in den Pool. Kurz darauf schaltet Christensen (wie bei solchen Filmen üblich) ohne Übergang in Psychopathen-Modus und beginnt mit Stalking, schickt 248 Emails unter dem Pseudonym "Swimfan" und wird bald handgreiflich...

Die Botschaften von Filmen wie diesen lauten:

1. Männer können Sex und Liebe trennen, Frauen nicht.

2. Abgewiesene Männer gehen mit dem besten Freund einen saufen, abgewiesene Frauen drehen gleich durch.

3. Männer können mit Konkurrenten befreundet sein, Frauen befinden sich mit anderen Frauen stets im Krieg.

4. Männer sind nett, Frauen zum Fürchten.

Regisseur John Polson hat zuvor den grottenschlechten Thriller "Hide & Seek" mit Robert De Niro inszeniert, der ebenfalls ohne eigene Ideen auskam, und so plätschert (im wahrsten Sinne) auch SWIMFAN lustlos von einem vorhersehbaren Plotpoint zum nächsten. Natürlich muss Jesse irgendwann alles seiner Freundin beichten, natürlich hält sie zu ihm (er ist einfach zu schnuckelig, um ihm einen Seitensprung nicht zu verzeihen, und wer möchte nicht einen durchtrainierten Schwimmer als Freund?). Natürlich recherchiert er Christensen hinterher und entdeckt, dass sie bereits eine Psychopathen-Vorgeschichte hat, natürlich dreht Christensen im Finale komplett durch und versucht, Bradfords Freundin im Swimming Pool zu ertränken (an einen Stuhl gefesselt!), womit der Showdown im Badezimmer von "Affäre" eine 1:1-Entsprechung erfährt.

Der einzige visuelle Einfall von Polson besteht in ein paar unrhythmischen Jump-Cuts, die Christensens verschobenen Geisteszustand verdeutlichen sollen. Den Darstellern kann man das Ganze nicht übel nehmen, sie sind besser als ihr Material. Unterhaltsam wird SWIMFAN allerdings durch einige absurde Einfälle, wie eine manipulierte Urinprobe, wegen der Bradford von einem Schwimm-Wettkampf disqualifiziert wird. Um Bradford eifersüchtig zu machen (der ja nichts von ihr will, was ihren Plan etwas unlogisch aussehen lässt), verführt Vamp Christensen gleich noch Bradfords Konkurrenten, schreit aber beim Sex in dessen Wagen Bradfords Namen. Lustig wird es auch, wenn Bradfords Mutter eins mit dem Baseballschläger über den Kopf bekommt.

Ebenso peinlich ist die Verklemmtheit des Films, der zwar von Leidenschaften und One Night Stands handelt, aber so sehr auf das jugendliche Zielpublikum zugeschnitten ist, dass er praktisch aseptisch wirkt - der wirklich attraktive Bradford läuft zwar über weite Strecken im Schwimmbad in der Badehose herum, die Kamera bleibt aber stets verkrampft über der Gürtellinie (bzw. dicht unter der Halslinie, man sieht kaum seinen Torso). Der "heiße Sex" im Pool besteht nur aus etwas Plätschern an der Wasseroberfläche und Gestöhne von Christensen.
Wenn man schon einen schundigen Erotik-Thriller macht, dann doch bitte mit ein bisschen Erotik oder Thrill, und nicht nur Schund!

SWIMFAN landete am Startwochenende auf Platz 1 der US-Kinocharts, womit die Rechnung aufging. Danach sackte er aber ab wie ein Bleiklotz. Geredet hat über SWIMFAN niemand, und heute ist er schon mehr als vergessen.
Der nette Bradford hat es leider nie zum Star-Ruhm geschafft, er ist aber in einer kurzen Szene in Eastwoods "Flags of our Fathers" zu sehen, in welcher Ryan Phillippe ihm die Haare schneidet... das entschädigt doch für so manches. Danke, Clint!

03/10

Der Streit um die verhängnisvolle Pinkelprobe...

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