Donnerstag, 17. Juni 2010

Stimme der Dunkelheit (1993)

Fred Walton inszenierte mit STIMME DER DUNKELHEIT (When a Stranger Calls Back) eine Fortsetzung seines Thrillers "Das Grauen kommt um 10", welcher beim Erscheinen eher ignoriert wurde, in den Jahren aber einen gewissen Kultstatus erreichte, so dass Anfang der 90er die Zeit reif für ein Sequel war.
Qualitativ ist Walton ein wundervoll leiser, aber nervenzerrender Psycho-Thriller gelungen, der mit ganz einfachen Mitteln zu überzeugen weiß und die Darsteller aus dem Original noch einmal zur Hochform auflaufen lässt.

Jill Johnson (wieder Carol Kane), die gepeinigte Babysitterin von damals, arbeitet jetzt als Psychologin. Als die nervlich angeschlagene Studentin Julia (Jill Schoelen) ihre Vermutung schildert, ein Unbekannter würde sich stets Zugang zu ihrer Studentenwohnung verschaffen und dort Kleinigkeiten verändern, läuten bei Jill sofort die Alarmglocken. Da aber sonst niemand Julias Geschichte glaubt, liegt sie bald im Krankenhaus, mit einer Kugel im Kopf. Ein Selbstmordversuch? Jill schaltet ihren alten Freund Clifford (wieder Charles Durning) ein und kommt einem Psychopathen auf die Spur, dessen Vorgehensweise ebenso erschreckend wie grausam ist...

Fred Walton verwendet in seiner Fortsetzung eine ähnliche Struktur wie im Original. Er beginnt den Film erneut mit einem 20-minütigen Kabinettstück, das furios inszeniert ist und für beklemmenden Terror sorgt. Hier ist es Jill Schoelen (80er Horror-Ikone aus Filmen wie "Stepfather"), die als Babysitterin engagiert wird und einem Fremden keinen Zutritt zum Haus gewähren will, der angeblich eine Autopanne hat, sie aber nicht mehr in Ruhe lässt. Die Spannung baut sich so stark auf, dass der schlussendliche Schock (genau wie im Vorgänger - der Fremde befindet sich nicht vorm, sondern längst im Haus) heftig wirkt und beim Zuschauer leicht eine Herzattacke auslösen kann.

Carol Kane und Charles Durning bilden ein hervorragendes Ermittler-Gespann, beide tragen die Wunden der Vergangenheit mit sich herum und sind ebenso reife wie angeschlagene Charaktere. Der Psychopath, der zur Strecke gebracht werden muss, bekommt diesmal weniger Filmzeit als im Vorgänger (diesmal hat man auch keine Möglichkeit, Mitleid mit ihm zu entwickeln, im Gegenteil), lediglich in einer kurzen Passage erfahren wir etwas über seinen Seelenzustand. Auch hier ist das Setting wieder gut gewählt - er schlägt sich als Bauchredner in kleinen Clubs durch und besitzt die Fähigkeit, sich durch entsprechende Verkleidung praktisch "unsichtbar" zu machen. Er ist ein menschlicher Schatten.

Auf Action wird fast gänzlich verzichtet, stattdessen dreht Fred Walton gekonnt an der Spannungsschraube und lässt Einblicke in die Seelenzustände seiner Protagonisten gewähren. Zusammen mit den fabelhaften Darstellerleistungen ergibt das einen kleinen, feinen Psycho-Thriller für Feinschmecker. Warum der Film bei uns eine FSK 18-Freigabe erhalten hat, bleibt unklar, Schuld daran ist möglicherweise eine Szene, in der die im Koma liegende Julia "Besuch" vom Psychopathen erhält, der ihren Zustand nicht versteht und auf sie einschlägt, um sie ins Bewusstsein zu holen - eine ebenso kalte wie eindringliche Sequenz. Blut fließt im gesamten Film nicht.

Die DVD ist übrigens jüngst erschienen!

09/10

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