Mittwoch, 9. Juni 2010

Speed 2 (1997)

Jan de Bonts Katastrophen-Sequel SPEED 2 (Speed 2 - Cruise Control) gehört zu den Filmen, die immer noch die andere Wange hinhalten, wenn man auf sie eindrischt.
Keanu Reeves verzichtete auf seine Mitwirkung in der Fortsetzung des modernen Action-Klassikers, weil er der Meinung war, dass ein Kreuzfahrtschiff doch eher nicht gerade nach...äh, Speed klingt...
Richtig, Keanu, und Glückwunsch zu einer goldrichtigen Entscheidung dazu!

Die Story - soweit vorhanden: Overactor De Luxe Willem Dafoe versucht mit Blutegeln und anderer Hardware, ein Kreuzfahrtschiff in seine Gewalt zu bringen, um sich für seine tödliche Krankheit zu rächen und nebenbei noch teure Juwelen abzukassieren. Als der Plan nicht recht klappt, steuert er den Luxusliner auf einen Tanker zu...

Anhand der Materialschlacht eines SPEED 2 stellt sich die traurige Frage, wie viele gute Filme man mit dem Budget hätte drehen können, das hier für nichts und wieder nichts zum Fenster hinausgeworfen wird. Das Fehlen von Keanu Reeves ist dabei nicht einmal das Schlimmste, denn Jason Patric als Ersatz ist nicht der schlechtere Schauspieler. Dass er aber als Sandra Bullocks Lover eingeführt wird, ist natürlich ein Schlag ins Gesicht der "Speed"-Fans, die Bullocks Figur umgehend für eine untreue Schlampe halten (warum nur lernt sie Patric nicht erst auf dem Schiff kennen?), Erklärung hin oder her. Macht man einfach nicht.

Eine weitere inhaltliche Bankrotterklärung: Patric und Bullock, die doch die Stars des Vehikels sein sollen, bekommen überhaupt erst nach einer Ewigkeit mit, dass ein Bösewicht an Bord ist, wenn sämtliche Passagiere mit Rettungsbooten evakuiert werden. Vorher wird unglaublich viel Filmzeit mit einem Heiratsantrag verschwendet, den Jason der Sandra gerne machen würde, sich aber nicht traut - das haben wir leider schon in unzähligen TV-Schmonzetten gesehen. Sandra Bullock selbst hat nichts zu tun außer taubstummen Kindern zuzuwinken, Cocktails herumzutragen und banale Dialoge zu plappern (nebenbei - könnte jemand endlich diese schreckliche Synchronsprecherin von Bullock zum Verstummen bringen?). Offensichtlich hat Jan de Bont selbst nicht verstanden, was an seinem Original so gut war - dass er nämlich sämtliche Logikfragen durch enormes Tempo (Speed eben) gekonnt umging. So schleppt sich die erste Filmstunde dahin, ohne dass etwas Nennenswertes passiert.
Dann wird so ziemlich alles zerlegt, was das Budget hergibt, inklusive einer Küstenstadt, die von dem "heranrasenden" Luxusliner in Godzilla-Manier zermalmt wird. Vermutlich fand es irgend jemand witzig, dass es gerade die Langsamkeit des Schiffes ist, die im Finale für die Zerstörung sorgt. Ist es nicht. Nur dämlich.

Noch mehr zu sagen wäre so überflüssig wie der ganze Film. Außer vielleicht, dass ich Willem Dafoe noch nie so schlimm spielen sah wie in SPEED 2 (und ich habe "Body of Evidence" gesehen!).
SPPED 2 hat im Kino extremen Schiffbruch erlitten und erhielt acht Nominierungen für die Goldene Himbeere. Er ist als eine der schlechtesten Fortsetzungen in die Kinogeschichte eingegangen, hat Jason Patrics Karriere als Leading Man beendet und Bullocks Karriere heftig ins Stottern gebracht (sie hat sich bekanntermaßen wieder erholt). Jan de Bont machte sich unbekümmert auf den Weg zu einem weiteren "Meilenstein"- der unsäglichen Neuverfilmung von Robert Wises "The Haunting" (1999) - mit bekannten Ergebnissen.
Link
02/10

Kommentare:

  1. Kicher...overactor de Luxe...da kommt mir doch gleich Dafoes Performance in "Der blutige Pfad Gottes" in den Sinn als durchgeknallter schwuler Bulle und Profiler, der ständig und mit großem Sadismus seine ihm hörigen Kollegen kränkt.

    AntwortenLöschen
  2. Den habe ich mir aufgrund Deiner Rezension gespart, lieber Ray! Sollte ich doch einen Blick riskieren?
    Ich fand Dafoe in "Wild at Heart" aber auch nicht gerade subtil (der Film ist natürlich großartig!). Am besten gefiel er mir noch in "Mississippi Burning". Gruß!

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...